Immobilien Magazin

Blasengefahr in Albanien

Immobilien gehören zum wichtigsten Wirtschaftszweig von Albanien. Als absoluter Hotspot gilt die Hauptstadt Tirana. Während in der Vergangenheit sehr wenige Baugenehmigungen erteilt wurden, setzte jetzt eine Bauwelle ein. Die Preise schießen in die Höhe - es droht eine Blase.

Autor: Charles Steiner

Vor fast 30 Jahren, 1990, wurde das kommunistische Regime in Albanien gestürzt, das das Land in jahrzehntelanger Isolation gehalten hatte. Die Nachwehen waren lang zu spüren, erst vor 22 Jahren stürzte das Land beim Lotterieaufstand neuerlich in ein Chaos, denn das damals schlecht ausgeprägte Bankenwesen veranlasste viele Albaner, sich alternativer Sparvarianten zu bedienen, worauf sie zum Opfer von Betrügern wurden. Heute ist die Lage stabil, seit 2014 gilt Albanien offiziell als Beitrittskandidat für die EU.

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Hauptstadt Tirana sind Immobilien. Das geht aus einer Studie der European Journal of Marketing and Economics hervor, die vor wenigen Monaten veröffentlicht wurde. Ein Problem der vergangenen Jahre war allerdings, dass es kaum Baugenehmigungen für Neuentwicklungen gegeben hatte, was den Immobilienmarkt nahezu zum Erliegen gebracht hatte. In ganz Albanien wurden 2007 lediglich 466 Baugenehmigungen erteilt, der absolute Tiefststand.

Doch jetzt nehmen die Baugenehmigungen erheblich zu, in Tirana gebe es, dem Journal zufolge eine neue Bauwelle. Nach Angaben von INSTAT wurden im Jahr 2017 im ganzen Land 819 Baugenehmigungen erteilt, mit einem Plus von 88,3 Prozent oder 384 weiteren Genehmigungen gegenüber 2016. In der Hauptstadt Tirana habe sich der Wert mehr als verdoppelt. Im Jahr 2016 wurden in Tirana insgesamt 106 Baugenehmigungen für eine Fläche von etwa 209.000 m² erteilt während 2017 die Anzahl der Genehmigungen 522.000 m² ausmachte. In den kommenden fünf Jahren kommen weitere 540.000 m² hinzu.

Über die Jahre sind die Immobilienpreise in Albanien stark gestiegen. Laut dem Onlineportal Invest in Albania sind die Preise in zentralen Lagen in Tirana gar in die Höhe geschossen. Die Immobilienpreise können bei Neubauprojekten in zentralen Lagen bis zu 4.000 Euro pro m² erreichen und markieren damit den höchsten Stand in der Region. Werte, die nicht einmal die serbische Hauptstadt Belgrad erreicht. Laut Numbeo ist Tirana die 103 teuerste Stadt für das Verhältnis von Hauspreisen zu Einkommen unter 103 anderen europäischen Städten. Experten sagen, dass die Immobilienpreise und das Angebot nicht der Kapazität der Wirtschaft entsprechen. Die Blasengefahr ist also hoch.