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Asiaten fliegen auf Londoner Immobilien

Fast ein Drittel der Investments mit asiatischem Geld

Autor: Charles Steiner

Weder der Brexit noch die Coronapandemie, die Großbritannien verhältnismäßig hart getroffen hat, scheint dem britischen Immobilienmarkt etwas anzuhaben. Zumindest nicht für asiatische Investoren. Laut einer Analyse von BNP Paribas Real Estate hat diese Anlegergruppe im erstem Halbjahr 693 Millionen Euro (628 Millionen britische Pfund) in Immobilien in der britischen Hauptstadt investiert, was einem Anstieg von 74,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Zudem entfiel fast ein Drittel aller Investments im zweiten Quartal auf asiatische Investoren, 2019 lag dieser Wert noch bei 9,8 Prozent.

Aufgrund der gelockerten Ausgangsbeschränkungen in Großbritannien konnten mehrere großvolumige Deals zum Abschluss gebracht werden: Dazu gehörten die Ankäufe von One New Oxford Street (WC1) für 192 Millionen Euro durch Sun Venture mit Sitz in Singapur sowie des Objekts 103 Mount Street (W1) für 88 Millionen Euro durch die US-amerikanische Private Equity Group Stars REI.

„Entgegen aller Befürchtungen eines Preisverfalls bei Immobilien wegen stagnierender Investitionsaktivität und unkalkulierbarer Risiken aufgrund der Corona-Pandemie gibt es aktuell keine Anzeichen für einen Preisrückgang bei erstklassigen Immobilien. Vielmehr beobachten wir aufgrund des rückläufigen Angebots bei gleichbleibend hohem Investoreninteresse einen hohen Wettbewerb um einzelne Objekte“, so Simon Glenn, Co-Head London Markets bei BNP Paribas Real Estate.

Man gehe zwar von einem Rückgang des Investitionsvolumens in diesem Jahr aus, die Nachfrage aus dem Ausland bleibt jedoch auf einem hohen Niveau, während britische Investoren weniger aktiv sind. Dementsprechend entfielen auf nicht-britische Investoren knapp drei Viertel des im bisherigen Jahresverlauf verzeichneten Investitionsvolumens.

Zwar seien überdies zunehmend Mietflächen auf dem Markt verfügbar, die Leerstandsrate liegt aber weiterhin unter dem langfristigen Durchschnitt von rund 6,5 Prozent. Zudem verzögert sich die Fertigstellung mehrerer Projektentwicklungen bis ins Jahr 2021. Daher werden in Central-London im Jahr 2020 nur knapp über 350.000 m² an neuen Flächen auf den Markt kommen, wovon 57 Prozent bereits vorvermietet sind. Aufgrund der begrenzten Entwicklungspipeline und des anhaltend niedrigen Leerstands im Spitzensegment werde London seinen Status als sicherer Hafen mit langfristigem Wertsteigerungspotenzial nicht einbüßen. Dabei ist das Hauptproblem nicht die Investorennachfrage, sondern die Anzahl der auf dem Markt verfügbaren hochwertigen Investitionsobjekte. Das Angebot bleibt knapp, da viele Eigentümer ihre Spitzenobjekte nicht verkaufen, solange Ungewissheit über die Preisentwicklung und die Zukunft von Büroflächen im Allgemeinen besteht.