Immobilien Magazin

Auf der Jagd nach Wiener Wohnungen

Mittlerweile sind verstärkt großvolumige Wohnprojekte im Ankaufsprofil der Deutschen Investoren. Warum das so ist, das erklärt Art-Invest Österreich-Niederlassungsleiter Mark Leiter im Gespräch mit Charles Steiner.

Autor: Mark Leiter

Immobilien Magazin: Mit dem Kauf des Millennium Tower 2017 und dem Markteintritt in Österreich hatte die Art-Invest viel Aufsehen erregt. Mittlerweile wird in Österreich jede Menge investiert, vor allem in Wohnprojekte. Was macht den Wiener Markt so interessant?

Mark Leiter: Wien ist eine stark wachsende europäische Metropole. Mit fast zwei Millionen Einwohnern ist Wien die zweitgrößte deutschsprachige Stadt und gleichzeitig die elftgrößte Stadt in Europa. Der Immobilienmarkt ist sehr stabil und aktuell sind die Bruttoanfangsrenditen für institutionelle Immobilien etwas günstiger als in Deutschland.

IM: Nachdem die Art-Invest in Wien mittlerweile zu den großen Investoren gehört: Sind Bundesländer ebenfalls als Investment-Standort im Visier oder möchte man sich nur in Wien konzentrieren? Wenn ja: Wo wurde bereits in welche Assetklasse investiert?

Leiter: Unser Fokus liegt auf Wien. Salzburg und Innsbruck sind für Hotelinvestments sehr attraktiv. Wohninvestments würden wir gerne in Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck tätigen. Ein Investment in den Landeshauptstädten muss sich aber lohnen und auf jeden Fall wirtschaftlich attraktiver sein als ein Investment in der Bundeshauptstadt Wien.

IM: Neben Büro, Hotel und Retail bemerkt man ganz stark, dass die Art-Invest gerne in großvolumige Wohnprojekte investiert, Stichwort Das Ensemble oder das Kai 100 direkt neben dem Millennium Tower. Wie schätzen Sie das Risiko/Renditeprofil von Wohnimmobilien in Österreich angesichts steigender Preise ein?

Leiter: Die Assetklasse Wohnen hat nach wie vor ein attraktives Risiko/ Renditeprofil. Wir generieren damit im Vergleich zu festverzinslichen Anlagemöglichkeiten deutlich bessere laufende Erträge. Der Wiener Wohnungsmarkt ist aktuell von einer hohen Neubauaktivität geprägt, daher ist für uns bei der Auswahl der Projekte die Mikrolage mit einer exzellenten ÖPNV-Anbindung entscheidend.

"Wien ist eine stark wachsende Metropole mit hoher Neubauaktivität und attraktivem Risiko/Renditeprofil."

IM: Nachdem die Art-Invest auch in Großbritannien investiert: Nachdem der Brexit mit Stichtag 31. Jänner vollzogen ist - wie wird man weiter mit dem britischen Markt umgehen? Soll der weiterhin forciert werden oder ist ein Rückzug möglich?

Leiter: Wir haben seit 2018 eine Niederlassung in London. Der Brexit hat uns von dieser Entscheidung nicht abgehalten. Im Gegenteil, wir investieren antizyklisch, aus unserer Sicht ermöglicht der Brexit attraktive Investitionsmöglichkeiten in Immobilien. Erste Transaktionen wie die Projektentwicklung 101 Cleveland Street wurden bereits zu attraktiven Einständen getätigt.

IM: Stichwort Brexit: könnte sich da auf Kontinentaleuropa ein weiterer Kapitaldruck ankündigen bzw. wie wird sich das Kapitalgefüge zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa verändern?

Leiter: Wir gehen schon davon aus, dass sich London als Finanzmetropole und Wirtschaftsstandort halten wird und rasch wieder stabilisieren wird.

IM: Derzeit ist vonseiten der EZB kein Anheben des Leitzinses angedacht, es gibt daher immer noch sehr viel Geld am Markt. Wie schätzen Sie die weiteren Auswirkungen auf die Immobilienmärkte ein, besonders hinsichtlich der Preis/Renditeentwicklungen? Wie wenig Rendite kann ein Investor da noch schlucken?

Leiter: Wir erwarten weiterhin aufgrund des aktuellen Zinsumfelds leicht fallende Renditen. Diese sind für Anleger aber immer noch attraktiver als die Renditen alternativer Anlageformen.