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Auf der Mauer, auf der Lauer

...säße gerne Trump. Doch zumindest am Fernsehschirm gibt es eine Mauer, die die Liebe der Fans genießt - im Serienhit "Game of Thrones".

Autor: Barbara Wallner

Über 8000 Jahre ist sie alt, 482 Kilometer lang und über 200 Meter hoch - und komplett aus Eis gemacht. Ehrfurcht gebietend erhebt sich die Mauer im Norden von Westeros als undurchdringlicher Wall zwischen dem "Reich der Menschen" ("The Realms of Men", wie es im originalen Schwur der Nachtwache heißt). Auf der anderen Seite lauern Wildlinge, zugegeben auch Menschen, die sich aber nicht der vermeintlichen Zivilisation der Sieben Königslande unterwerfen wollen - doch auch Nicht-Menschliches wie die "Weißen Wanderer" (die "Anderen" für Buchleser) und ihre hirn- und leblosen Zombie-Sklaven, die "Wiedergänger", lauert hinter der schier unüberwindbaren Barriere. Bewacht wird das Bauwerk von den Männern der "Nachtwache", Mitglieder eines Krieger-Ordens, eingeschworen, die Menschheit zu schützen und ihr Leben an der Mauer zu verbringen.

Wunschtraum eines Präsidenten

Bei einem so monumentalen Commitment zu einer nun wirklich restriktiven Einwanderungs- oder besser Draußen-Haltungs-Politik muss einem Mauerfetischisten wie Donald Trump das Wasser im Munde zusammenlaufen. Zugegeben, der Vergleich hinkt: Immerhin fürchtet sich Westeros nicht vor Arbeitsplatzklau durch hirnlose und wahrscheinlich billige - weil untote - Zombiearmeen. Doch glaubt man Trumps Reden, werden auch die Mexikaner Mord und Totschlag über die USA bringen, und das Einzige, was den Untergang der zivilisierten Welt verhindern könne, sei eine "great wall" (übrigens der Name der Mauer im englischen Original der Bücher und der Serie). Und ob Trump jene Immigranten, die seiner Meinung nach diese Gefahr darstellen, auch wirklich als Menschen anerkennt - nun, darüber kann man spekulieren. Dem aufmerksamen Beobachter wird aber aufgefallen sein, dass Donald Trump in unserer Darstellung nicht wirklich aussieht wie der Retter der Menschheit vor dem unbekannten Bösen. Eher umgekehrt. So imaginiert wurde der (Ex?-)Immobilien-Tycoon übrigens von dem Designkollektiv Designcrowd, das den zeitlichen Zusammenfall der US-Wahl mit dem Launch der sechsten Staffel von Game of Thrones für einen entsprechenden Wettbewerb genutzt hat. Hier ist Donald Trump, der sogenannte "Nachtkönig", der Herrscher der "Weißen Wanderer", die an der Spitze eine Heeres von willenlosen Untoten kommen, um die denkende Menschheit zu unterwerfen.

Doch alles anders?

Fun Fact: Laut einer Fantheorie ist es doch reichlich unwahrscheinlich, dass ausgerechnet eine Eismauer errichtet wurde, um magische Eiswesen draußen zu halten. Der (fiktiven) Legende nach wurde die Mauer nach einer epischen Schlacht um das Überleben der Menschen errichtet. Doch war es am Ende gar nicht die Entscheidung des Siegers, sondern das Ergebnis eines wackeligen Waffenstillstandes? Waren am Ende doch die "Anderen" die Baumeister? Wie auch immer man den hier dargestellten Vergleich auch auslegen will, eines ist relativ sicher: Der Showdown kommt - und der gruselige Nachtkönig muss sich mit dem Gedanken einer Amtsenthebung vertraut machen. Vielleicht ist ja die Metapher doch nicht so falsch.