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Auf die Zukunft bauen

Gebäude werden auch für die nächsten Generationen gebaut. Alleine schon deswegen sollte Nachhaltigkeit bei der Errichtung im Vordergrund stehen.

Autor: Stefan Posch

Das Bauwesen verbraucht etwa ein Drittel der weltweiten Energie und ist auch für circa ein Drittel der Emissionen verantwortlich. Zudem benötigt der Baubereich etwa 60 Prozent der vorhandenen Ressourcen. Beim Thema Nachhaltigkeit hat die Bau- und Immobilienbranche schon alleine aufgrund dieser Zahlen eine besondere Verantwortung. Doch zum Glück hat sich die Branche des Themas Nachhaltigkeit angenommen. "Im Bausektor hat sich sehr viel getan", erklärt Karin Stieldorf, Lehrgangsleiterin des Universitätslehrganges Nachhaltiges Bauen an der TU-Wien. Besonders was die Energieeffizienz und Ressourcenschonung betreffe. Auch Peter Engert, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), sieht einen Wandel, den die Immobilienbranche durchgemacht hat. Heutzutage seien 100 Prozent der Büroprojekte zertifiziert, erklärt Engert. Aufholbearf gebe es aber bei Industriegebäuden. "Da ist der Lebenszyklus zu kurz. Was schade ist", so Engert. Es gebe schließlich auch Industriebauwerke aus dem 19. Jahrhundert, die noch heute genutzt werden, wenn auch zu einem anderen Zweck.

Massive Baustoffe haben eine Lebensdauer von etwa 100 Jahren.

Nachhaltiger durch Umnutzung

"Heute ist klar, dass die Lebensdauer eines Gebäudes lang sein soll. Als ich studiert habe, hat man noch von einer Lebensdauer von 25 Jahren geredet", erzählt Stieldorf, die dafür plädiert, eine zukünftige Umnutzung der Gebäude mit einzuplanen. Für die ökologische Nachhaltigkeit ist schließlich nicht die technische, sondern die reale Nutzungsdauer entscheidend. "Im Grunde genommen besteht jedes Gebäude aus Stützen, Wänden und Decken", erklärt Stieldorf. Wie diese Grundstruktur gefüllt wird, sei eigentlich flexibel. Die tragende Struktur müsse dafür aber so hergestellt sein, dass sie eine lange Zeit überdauern könne. Zudem müssten die Oberflächen möglichst einfach zu erneuern sein. "Wenn man heute zum Beispiel eine Schule plant, könnte man diese später vielleicht als Wohngebäude nutzen", sieht auch Reinhold Lindner, Sprecher des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie Bau!Massiv!, Potenzial für Umnutzungen. Auch Engert würde es begrüßen, wenn alternative Nutzungsmöglichkeiten mit eingeplant würden. Was den Lebenzyklus eines Gebäudes betrifft, hätte das große Vorteile, so Engert. "Eine vorgeplante Umnutzung bedingt aber auch eine nicht volle Ausoptimierung", sieht der ÖGNI-Geschäftsführer auch Hindernisse.

Ich plädiere für eine Versöhnung des Holzbaus und Massivbaus.

Modulbauweise

Eine weitere Möglichkeit, die ökologische Bilanz eines Gebäudes zu verbessern, ist die Modulbauweise. Engert spricht sich bei dieser Bauart für den Baustoff Holz aus: "Man muss nicht immer den Stahlcontainer aus China nehmen." Gerade das Holzland Österreich solle sich solchen Themen verstärkt widmen. Auch Georg Binder, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft ProHolz, sieht viele Vorteile bei der Holz-Modulbauweise. Etwa die kurzen Bauzeiten durch den hohen Vorfertigungsgrad. "Ganze Module können im Werk fertig eingerichtet werden und müssen auf der Baustelle nur noch zusammengefügt werden", erklärt er. Die standardisierten Grundrisse würden sich zudem beliebig vervielfachen lassen, und spätere Erweiterungen seien genauso jederzeit möglich, wie auch anderweitige Nutzungen der Module. "Wenn die Modulbauweise der Bauordung entspricht und auch den architektonischen Ansprüchen genügt, ist sie zu befürworten", meint auch Lindner. "Eine Schachtel hinzustellen" sei aber zu wenig.

Welcher Baustoff?

Die Frage, welcher Baustoff nachhaltiger ist, ist ein viel diskutiertes Thema. 2014 wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie die Baustoffe Holz, Beton und Ziegel über ihren Lebenszyklus auf ökologische und ökonomische Kriterien verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass es keinen eindeutigen Sieger gibt, was die ökologische Nachhaltigkeit betrifft. Insgesamt hätten die verwendeten Baustoffe kaum einen Einfluss auf das Gesamtergebnis der Ökobilanz, heißt es in der Studie. "Letztendlich ist es schon ein Unterschied, ob der Baustoff nachwächst oder nicht", sagt Stieldorf. Bei der Herstellung von Beton oder Ziegel würde schließlich viel Energie verbraucht werden. Für Binder ist Holz "der Schlüssel zu ressourcen- und klimaschonendem Bauen". "In jedem Kubikmeter verbautem Holz wird rund eine Tonne CO₂ langfristig gebunden", erklärt er. Stieldorf sieht aber auch bei der Bauteilaktivierung von Betonbauteilen ein großes Potenzial. Lindner nennt zudem kürzere Transportwege, geringeren Energiebedarf beim Heizen und Kühlen sowie die längere Lebensdauer als Vorteile des Massivbaus. Man solle Holzbau und Massivbau in den jeweils passenden Bereichen einsetzen, fordert Stieldorf, die "für eine Versöhnung des Holzbaus und Massivbaus" plädiert. Eine Kombination von Holz und Beton sei zudem oft sinnvoll.

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