Immobilien Magazin

Auf großem Fuß,
statt leisen Sohlen

Es gab Zeiten, da haben Eltern ihren Kindern empfohlen, in den Staatsdienst zu gehen oder einen Beruf mit Prestige zu wählen. Heute wählt man das Immobilien-Business.

Autor: Romana Kanzian

Ich will Immobilienmakler werden." Erschrocken über die frühzeitige berufliche Fixierung ihres Jüngsten, sah sich die Modedesignerin meines Vertrauens dazu aufgerufen, bei der Kita*-Tante vorzusprechen. Wo war der Feuerwehrmann geblieben, wo der Pilot, Lokführer oder sonstige Berufe, die sich kleine Jungs gern vorstellen? Woher kommt der Drang des Fünfjährigen, fremden Menschen überteuerte Immobilien verkaufen zu wollen? An den Genen kann's nicht liegen - die sind im Künstlerischen zu Hause. Über dem laktosefreien Latte mit extra viel Milchschaum hängt der ratlose Blick meiner Freundin in den Nachmittag hinein. Sie hat mein Mitgefühl. Auch ich kann mir den kleinen Leo kaum als Immobilienmakler vorstellen. Der Anthropologe David Graeber behauptet, Immobilienmakler, Unternehmensberater und Investmentbanker seien die Hofnarren des Kapitalismus. Aua, das tut weh!

Wenn der Preis übertreibt

Schon einmal war ich Zeuge einer ungewollten Beziehung zwischen einem Immobilienmakler und einer Freundin. Gegen Ende des Techtelmechtels kam die Wahrheit ans Licht: Der Herr, mit ziemlichen Muskelformationen bepackt, benötigte diese vor allem für seinen nächtlichen Hauptberuf als Türsteher - im Immo-Business hatte er erst den Lehrlingsstatus. Aber da Sie ja Zeitung lesen, wissen Sie, dass ohne persönliche Kontakte kaum mehr eine Wohnung zu bekommen ist. In München etwa stehen gerade mal zwei von 1.000 Wohnungen leer, in Frankfurt ist eine von 200 frei. Was nach der Brexit-Flucht wieder zur baldigen Verknappung führen wird. In den "Big Seven" sind die Preise für Wohnimmobilien innerhalb weniger Jahre so stark angestiegen, dass selbst die Bundesbank aktuell vor einer erhöhten Preisdynamik warnt. Die Preisübertreibungen beziffern Experten zwischen 15 und 30 Prozent. Trotzdem, die Nachfrage bleibt ungebrochen.

Wo war der Feuerwehrmann geblieben, wo der Pilot, Lokführer?

Warm halten oder warm anziehen

Ob dieser Aussichten schließt die Modedesignerin mit dem Berufswunsch ihres Nachwuchses Frieden. Vielleicht hält der Boom ja die kommenden 20 Jahre, und Leo wird sogar Betongold-Millionär. Weil man Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen sollte, nehme ich mir vor, Leo zum Osterhasen das Immobilienspiel "Be Rich! Der Immobilienmagnat" zu bestellen. Immo-Tycoons landen heute sogar im Weißen Haus. Mit mir und Leos Berufswahl im Reinen, ziehe ich los und besuche meinen Lieblingsschuhladen. Völlig antizyklisch hängt ein Sale-Schild im Schaufenster. Mit dem Eigentümer seit vielen Schuhsaisonen per Du, frag ich nach dem Kauf von unverschämt günstigen Lederstiefeln und schwarzen Gürteln nach dem Grund des Ausverkaufs. Er erzählt mir von seinem Schwager, der innerhalb von zwei Jahren mit Immobilien reich geworden sei. Dieser hätte ihm eine Partnerschaft in seinem Unternehmen angeboten, den Schuhladen gibt er auf.

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