Immobilien Magazin

Auf Immo-Studium folgt Karriere

Absolventen von akademischen Ausbildungen in Österreich haben am Markt die besten Chancen. Wir haben mit einigen von ihnen über ihren Job und den Weg dorthin gesprochen.

Autor: Susanne Prosser

Sie ist die Grande Dame der Wiener Wirtschaftskammer und in der Immobilienbranche ist sie ein Urgestein: Brigitte Jank, 68, einstige Präsidentin der WK Wien, stieg gleich nach Abschluss der Handelsakademie in die Hausverwaltung ihres Mannes ein: "Das Feld faszinierte mich sofort", erinnert sich die passionierte Unternehmerin, und so kam es, dass sie sich über die Jahre hinweg immer mehr Kompetenzen und Befähigungen aneignete. "Eine umfassende akademische Berufsausbildung für Generalisten gab es damals noch nicht", sagt Brigitte Jank, die seit vielen Jahren Immobilientreuhänderin und zertifizierte Sachverständige ist. "In meiner späteren Funktion als Fachgruppenobfrau bei der Wiener Wirtschaftskammer wollte ich das ändern. Denn die Branche hatte ein Problem: Durch die fehlende akademische Qualifizierung wurde sie oft in einem schrägen Licht gesehen."

Die Geburtsstunde des Master-Studiums in Österreich

Gemeinsam mit ihren Kollegen rief sie im Jahr 2001 die Fachhochschule Wien für Immobilienmanagement ins Leben: Diese Ausbildung besteht heute aus einem berufsbegleitenden, sechssemestrigen Bachelor-Studium sowie einem viersemestrigen Masterstudium. Zu den regulären Studiengebühren von rund 364 Euro pro Semester ist es bei beschränkter Teilnehmerzahl möglich, an der FH Wien umfassende Kenntnisse und Erfahrungen zu erwerben. "Im Bachelorstudium werden die Studenten für die Berufe Makler und Immobilienverwalter ausgebildet, im aufbauenden Master für Bauträger und Projektentwicklung", erklärt der Studienbereichsleiter Klemens Braunisch von der FH Wien der WK Wien.

Von der FH zum Handelsriesen

Eine junge und erfolgreiche Absolventin der FH Wien ist die 26-jährige Linda Hofer: Sie stellte ihre Passion schon während des Master-Studiums als Mitarbeiterin in der Immobilienbewertung bei der Erste Bank unter Beweis. Nachdem sie die FH im Juni 2019 erfolgreich abgeschlossen hatte, konnte sie kürzlich im Bewerber-Rennen um einen Job mit noch breiteren Aufgaben reüssieren: Beim Einzelhandelsriesen Spar hat sie jetzt das Expansionsmanagement der Filialen inne. "Dabei bin ich sehr viel unterwegs und bewerte die Standorte in Bezug auf ihr Erweiterungspotenzial", erzählt sie aus ihrem Joballtag. "Ich führe Gespräche mit Behörden, Ämtern und Bestandsgebern und kann dabei von meinem großen Netzwerk profitieren, das ich während des Studiums knüpfen konnte."

In dem Certified Programme über Holzhybridbau dreht sich alles um ökologische Gebäude.

Teamleiterin mit 29 Jahren

Auch Isabel Bräuer hat es nach dem FH-Studium in die Immobilienbewertung geschafft: Zuvor war sie zwei Jahre lang als Maklerassistentin bei Engels und Völkers tätig, nach dem begleitenden Studium legte sie zusätzlich die Sachverständigen-Prüfung ab und ist heute stolz auf ihre Position als Teamleitung der Immobilienbewertung bei der Immobilienberatung Reinberg & Partner, wo sie im Alter von 29 Jahren sieben Mitarbeiter führt.

Ebenso freut sich die 22-jährige Lara Lumbe seit Sommer 2019 über ihren FH-Abschluss: Aufgewachsen als Tochter eines Hausverwalters, wurde ihr das Faible für die Branche sprichwörtlich in die Wiege gelegt: "Ich habe dann schon mit 15 Jahren im Büro meines Vaters mitgearbeitet", sagt Lumbe. Heute ist sie in der Projektentwicklung von Soravia für das Hoteldevelopment zuständig. Dabei soll es allerdings nicht bleiben - denn im Herbst ist eine Bildungskarenz für ein fortführendes, einjähriges Auslandsstudium für Real Estate Development in London oder Madrid geplant.

Go Krems: Master-Lehrgänge und Seminare

In den jährlich startenden Lehrgängen "Real Estate Management, MSc" und "Facility & Property Management" an der Donau-Uni Krems können berufstätige Teilnehmer für einen Lehrgangsbeitrag von 16.900 Euro während vier Semestern ihr Wissen und ihre Kompetenzen im Team erweitern. In dem Certified Programme über Holzhybridbau dreht sich alles um Spezialwissen über ökologisch optimierte Gebäude, und wem das noch nicht genug ist, der kann sich auch in Wochenend-Seminaren weiterbilden.

„Ich habe dann schon mit 15 Jahren im Büro meines Vaters mitgearbeitet.“

"Das Entwickeln und Managen von Immobilien, Immobilienbeständen und Stadtquartieren über den gesamten Lebenszyklus bildet den Rahmen von Lehre und Forschung des Departments für Bauen und Umwelt an der Donau-Universität", sagt Helmut Floegl, Leiter des Zentrums für Immobilien- und Facility Management. "Der weite Bogen vom ökologischen Garten und Grünraummanagement über Facility- und Immobilienmanagement bis zur Sanierung denkmalgeschützter Gebäude und Ensembles bietet Themen für transdisziplinäre Fragestellungen." TU Wien: Profis auf höchstem Niveau Neben der FH Wien, der FH Kufstein für Facility Management und der Donau- Uni bietet auch die TU Wien ein berufsbegleitendes, universitäres Studium an: Bei den jeweils vier Semester dauernden postgradualen und zertifizierten Aufbaulehrgängen für Immobilienwirtschaft und Liegenschaftsmanagement bzw. für Immobilienmanagement und Bewertung erwirbt man automatisch die Befähigungen für die Selbstständigkeit als Makler, Verwalter, Bauträger und Projektentwickler und kann nach Abschluss den Titel "MSc" auf die Visitenkarte schreiben.

Darüber hinaus stehen den Absolventen die Türen für Berufe in gemeinnützigen Bauvereinigungen, in Banken und Versicherungen, in der Öffentlichen Hand oder in beratenden Immobilienberufen offen. "Unsere Teilnehmer sind zwischen 18 und 58 Jahre alt, im Schnitt so um die 30 Jahre", sagt Lehrgangsleiter Bob Martens. "Wer bei uns studiert, kann von einer fundierten Ausbildung und vor allem von unserem erstklassigen Netzwerk profitieren." Insbesondere Personal aus Banken und Versicherungen würde durch den Umbruch der Branche zunehmend in die Hörsäle strömen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Wissensvermittlung in den Bereichen Management, Technik, Recht, Wirtschaft und Bewertung. Mit diesem Know-how können die Absolventen als hochqualifizierte Immobilienmanager auch im internationalen Kontext agieren und darüber hinaus RICS-Member werden (Infos dazu siehe S. 74).

Als Biologin zur Geschäftsführerin

Eine TU-Absolventin ist Astrid Grantner: Als Biologin ist sie eine klassische Quereinsteigerin der Branche. Vor ihrer Karenzzeit hatte sie sich ihr Wissen vor allem in Seminaren angeeignet, und nach der Babypause bewarb sie sich schließlich für das anspruchsvolle Studium an der TU. Mit Erfolg: Nach dem Abschluss und der Zusatzqualifikation als zertifizierte Sachverständige konnte sie für eine leitende Position in der Immobilienbewertung bei Raiffeisen überzeugen. "Das war mein erster großer Karriereschritt", sagt Grantner, und einige Zeit später wurde bei EHL die Position als Abteilungsleiterin für Immobilienbewertung frei. Die zweifache Mutter bewarb sich - und gewann. Vor zwei Jahren wurde die Immobilienbewertung der EHL in eine eigene GmbH ausgelagert, und Grantner wurde zur Geschäftsführerin befördert: Zehn Mitarbeiter hat sie heute unter sich.

„Unsere Teilnehmer sind zwischen 18 und 58 Jahre alt, im Schnitt so um die 30 Jahre.“

Von der TU zum Investmentmakler

In einer Spitzenposition ist auch Christian Zehetner als Master of Science der TU gelandet: Als Investmentmakler und Prokurist bei ADEQAT Investmentservices ist er vor allem sehr stark im Bereich Hotel aktiv. "Ich habe zuerst BWL studiert und somit war die TU für mich die perfekte Möglichkeit, mir im Bereich Technik und Recht vor allem für die Bewertungsthemen umfassende Qualifikationen anzueignen", so Zehetner. In seine jetzige Position wurde der heute 36-Jährige von Nadja Hafez geholt, die er bereits vom TU-Studium kannte. "Das Netzwerk ist in der Branche tatsächlich sehr entscheidend", sagt Zehetner. "Und als Absolvent der TU greift man nach dem Studium auf viele Top-Kontakte zurück."

Birgit Ringhofer-Grand ist ebenso eine Karriere-Lady mit TU-Abschluss: Die studierte Juristin war schon zuvor mit der Projektleitung Sonderimmobilien bei den Wiener Linien betraut, und während sie sich immer wieder mit extern erstellten Bewertungsgutachten beschäftigte, kam ihr eines Tages die Idee, selbst die nötige Qualifikation für die Gutachtenerstellung zu erwerben. Das war die Initialzündung, um im Abendstudium an der TU zu inskribieren. Ein Jahr nach dem Abschluss machte sie - im Jahr 2012 - den Sprung zur Abteilungsleiterin für Recht und Immobilien bei den Wiener Linien. "Das zweijährige Studium war sehr positiv und hat einen weitreichenden Einblick in immobilienwirtschaftliche Belange vermittelt", sagt die 51-Jährige, "Eine tolle Stimmung kam davon, dass alle Studenten für das Thema brennen. Das brachte für die manchmal anstrengenden Lernphasen neben der regulären Arbeit die nötige Motivation!"

MBA an der Johannes Kepler Uni Linz

Besonders spannend hat der Oberösterreicher Martin Mayer seine Berufslaufbahn entwickelt: In jungen Jahren hatte er eine Lehre zum Werkzeugmacher absolviert, und nebenbei besuchte er die HAK, um diese mit der Matura abzuschließen. Daraufhin inskribierte er Wirtschaftswissenschaften und wurde nach dem Studium bei der Raiffeisen Bank Attersee-Süd als Firmenkundenbetreuer eingestellt. Im Herbst 2016 startete er den berufsbegleitenden, viersemestrigen MBA "Real Estate Finance" an der Johannes Kepler Universität Linz: "Ich wollte für meinen Job einen weiteren qualifizierten Uni-Abschluss haben", so Mayer, "Dabei wurde ich von meinem Arbeitgeber auch großzügig unterstützt." Der Lehrgang fand alle zwei Wochen von Donnerstagnachmittag bis Samstagabend statt. "Besonders hat mir die starke Praxisnähe der Referenten gefallen", sagt Mayer. "So war unter anderem der Finanzvorstand der CA Immo als Vortragender zu Gast!"

„Eine tolle Stimmung kam davon, dass alle Studenten für das Thema brennen.“

Gute Aussichten: Verdienstchancen in der Branche

Wer sich für eine Ausbildung in der Immobilienbranche entscheidet, kann sich nicht nur über ein spannendes und dynamisches Arbeitsfeld, sondern auch über attraktive Verdienstchancen freuen. "Die Einstiegsgehälter bewegen sich bei 35.000 Euro brutto, nach drei Jahren liegt man ohne Führungsverantwortung im Schnitt zwischen 40.000 und 50.000 Euro", sagt der Gehaltsexperte Conrad Pramböck. "Nach zehn Jahren kann je nach gewähltem Beruf alles sein: Es sind je nach Prämien oder Provisionen durchaus an die 100.000 Euro möglich." Bei Immobilienbewertern ohne Provisionen würde die gläserne Decke zwischen 70.000 und 80.000 Euro liegen, Geschäftsführer mit eigenem Unternehmen, mit etwa zehn bis 20 Mitarbeitern bringen es im Schnitt auf etwa 120.000 Euro und noch mehr. Es lohnt sich also, in eine Top-Ausbildung zu investieren!

Weitere Informationen:

https://www.donau-uni.ac.at/

https://www.fh-kufstein.ac.at/

https://www.fh-wien.ac.at/

https://www.jku.at/