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Auf Nummer Sicher

Aufzüge gehören zu den sichersten Transportmitteln der Welt. Damit das auch so bleibt sind regelmäßige Wartungen und Sicherheitsüberprüfungen unabdingbar. Auch neue technische Entwicklungen sorgen für mehr Sicherheit im Lift.

Autor: Stefan Posch

In einem Aufzug stecken zu bleiben ist für viele Menschen ein Horrorszenario. Dass das so selten wie möglich passiert und im Fall der Fälle eine schnellstmögliche Befreiung gewährleistet ist, dafür sorgen Aufzugswartungs- und Aufzugssicherheitsunternehmen.

Subjektives Gefühl

"In einem Aufzug stecken zu bleiben, ist ein sehr subjektives Gefühl und Ängste sind immer irrational", erklärt Thomas Jaschke, Geschäftsführer der ifs Immobilien Facility Services. Das Unternehmen hat sich neben dem Aufzugsmanagement, der Wartung sowie der Betriebskontrolle B1300/B1301 auch auf Notbefreiungen von eingeschlossenen Personen spezialisiert. Wichtig sei es, dass man schnell bei dem Eingeschlossenen vor Ort ist und freundlich reagiert, erklärt Jaschke.

Wir sind innerhalb von 30 Minuten beim Eingeschlossenen.

30 Minuten bis zur Rettung

"Wir sind innerhalb von 30 Minuten beim Eingeschlossenen", so Jaschke auf die Frage, wie lange ein Eingeschlossener ausharren muss. Das entspricht auch den gesetzlichen Richtwert. Denn der Betreiber hat laut Wiener Aufzugsgesetz dafür Sorge zu tragen, dass im Fahrkorb eingeschlossene Personen möglichst innerhalb von einer halben Stunde nach der Notrufabgabe befreit werden. Wer das Verkehrsaufkommen in Wien kennt, weiß, dass die Erfüllung des Richtwertes oft eine Herausforderung ist. Die Einsatzfahrzeuge der Aufzugssicherheitsfirmen haben keine gesonderte Rechte auf der Straße und dürfen weder Busfahrstreifen benutzen noch auf dem Gehsteig parken.

Keine Rechte bei Einsätzen

Günter Baca, Direktor Marketing und Unternehmenskommunikation beim Aufzughersteller Kone, fordert deswegen eine Novellierung der Straßenverkehrsordnung: "Bei Befreiungsfahrten müssen wir leider - trotz gesetzlicher Reaktionsauflagen - völlig ohne Erleichterungen auskommen. Sogar die Post und Hebammen haben Erleichterungen, die den Aufzugsunternehmen bisher im Zuge von StVO-Novellierungen nicht gewährt wurden." Schließlich könnte bei einer Rettungsfahrt auch Gefahr im Verzug sein, so Baca weiter. "Im schlimmsten Fall rufen wir die Feuerwehr", erklärt Raimund Prais, Verkaufsdirektor bei der Aufzugssicherheitsfirma Alcomtec, die Vorgehensweise wenn einmal ein Notfall eintritt.

Kameras als Sicherheit

Einen Vorteil für die Sicherheit der Aufzüge bringen Kameras. "Von einer Videoüberwachung kann man aber nicht sprechen", erklärt Prais. Schließlich werde die Kamera erst mit dem Betätigen des Notrufes aktiviert. Bedenken aufgrund des Datenschutzes sind also unbegründet. Gesundheitliche Probleme bei Fahrgästen könnten mit einem Bild schnell erkannt werden, erklärt Prais. Gegebenenfalls kann dank den Bildern der Videokamera sofort ein Rettungswagen gerufen werden. Auch Kone und ifm setzen bei der Sicherheit auf ein Zwei-Sinne-System, das sowohl akustisch als auch optisch die Lage in der Aufzugskabine schildert. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit einer Kamera in der Aufzugskabine die Anzahl von Fehleinsätzen vermindert werden kann. Oft wird der Notrufknopf unabsichtlich betätigt und der Fahrgast verlässt ohne Rückmeldung den Lift. "Jetzt können wir in die Kabine reinschauen, wenn er leer ist wissen wir, dass es sich um einen Fehlalarm handelt", erklärt Prais, der die Anzahl von Fehlalarme bei Alcomtec auf etwa 1.200 pro Jahr schätzt.

Kontrollanrufe sind bei einem IP-System nicht mehr nötig.

Vorteil bei Überprüfung

Ein weiteres Problem sind die Betriebskontrollen, bei dem auch das Notrufsystem einmal pro Woche geprüft werden muss. "Das sorgte bei der Notrufzentrale für sehr viel Traffic", erklärt Prais. Aber auch in diesem Bereich hat es eine technologische Weiterentwicklung stattgefunden. Bei Fernüberwachungssystemen wird der Notruf einmal pro Woche simuliert. Bei einer Schalterprüfung wird ein gewisser Text vor Ort eingesprochen, der dann von einem zentralen Server zurückgeschickt wird. "Die Mitarbeiter in der Notrufzentrale würden sich so rein den echten Notrufen widmen können", erklärt Prais die Vorteile des neuen Systems. Grund für die meisten Notfalleinsätze ist laut Prais Eigenverschulden der Fahrgäste. Oft würde etwa die angegebene Höchstpersonenzahl missachtet werden.

Festnetz, GSM oder IP

Neues tut sich beim Thema Aufzugssicherheit auch bei der Übertragung der Notrufe. "Viele Firmen sind auf GSM umgestiegen. Wir machen das über IP", erklärt Prais. Der Vorteil sei, dass das Gerät damit andauernd verbunden ist und ein Rufaufbau infolge nicht mehr notwendig ist. Früher hat man noch auf Festnetzleitungen gesetzt. Alte Geräte müssen alle 72 Stunden einen Testruf abgeben. Damit steigt auch die Telefonrechnung. Diese Kontrollanrufe seien bei einem System mit Internetverbindung nicht mehr nötig, erklärt Prais.

Aufrüstung ohne Probleme

Doch trotz der Entwicklungen in der Sicherheitstechnik sind noch viele ältere Aufzüge in Betrieb. "Bei der Wartung ist immer mehr Elektronik im Spiel, aber wir betreuen auch sehr alte Aufzüge", erzählt Jaschke. Der älteste Aufzug den die Firma Alcomtec betreut ist laut Prais über 100 Jahre alt. Neue Sicherheitssysteme könnten aber unabhängig von Alter und des Herstellers installiert werden, erklärt Prais.

Markt wird größer

Über mangelnde Aufträge können sich die Wartungs- und Sicherheitsunternehmen derzeit nicht beklagen. "Im Vergleich zu Städten wie Berlin gibt es in Wien eine sehr hohe Anzahl an Aufzügen", erklärt Jaschke, der mit einem weiter wachsenden Markt rechnet. Das liegt auch an der Wiener Bauordnung, die sowohl bei Neubauten mit mehr als zwei Stockwerken, als auch bei Dachgeschoßbauten einen Personenaufzug vorssieht. Auch Prais sieht eine ständig steigende Nachfrage: "Wohnraum ist weiterhin sehr gefragt." Deshalb würden auch weiterhin Stockwerke auf Gebäude aufgesetzt werden. "Ich glaube, dass sich der Trend weiterziehen wird", so Prais weiter. Auch die Überalterung der Gesellschaft sorgt für mehr Bedarf an Liften "Wir müssen den Menschen ermöglichen, in den eigenen vier Wänden alt zu werden", meint Baca. Dabei würden Aufzüge helfen und seien dabei auch die wirtschaftlichste Lösung.

Lasset die Aufzüge wieder klingen:
ein Plädoyer für die Fahrstuhlmusik

Musik ist das halbe Leben. 72 Stunden verbringt der Mensch im Aufzug. Nur leider viel zu oft ohne Musik. Denn ist zwar der Beschallung des Fahrstuhls ein eigenes Genre gewidmet, hört man dieses in eben genanntem selten. Das ist schade. Die locker-flockigen Klänge, durch die sich die Fahrstuhlmusik auszeichnet, können doch Großes bewirken. Benutzer, die mit einer Klaustrophobie geplagt sind, könnten dadurch wieder einigermaßen beruhigt werden, vergessen womöglich auf ihre Platzangst. Gestresste Geschäftsleute können tief durchatmen und ihren Puls in Richtung Erdgeschoss hinunterregulieren. Da kann doch niemand behaupten, dass Fahrstuhlmusik keine Berechtigung hat. Sie muss nicht einmal laut sein. An der Grenze zur Wahrnehmbarkeit reicht schon, gerade so, dass man sich mit Normallautstärke unterhalten kann. Das wäre angenehm. Und lässt dieser Kunstform den Raum, den sie verdient. Und überhaupt: Wenn dem Aufzug schon gleich eine ganze Musikrichtung gewidmet wird – Klassisches und Zeitgenössisches, ja sogar Metallica lassen sich wunderbar fahrstuhlgerecht umkomponieren – dann sollte man diesem Genre auch gleich die passende Bühne bieten. Den Aufzug nämlich. Daher: Bitte, bitte, lasset die Aufzüge wieder klingen.

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