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Aviation und Non-Aviation nonchalant

Regionale Flughäfen haben es mitunter nicht einfach. Um lukrativ zu bleiben, müssen Strategien her. Und oft ist damit der Flugverkehr nicht mehr das eigentliche Kerngeschäft.

Autor: Barbara Bartosek

Im Innsbrucker Flughafen-Parkhaus findet sich seit dem Ausbau im Jahr 2015 immer ein gutes Plätzchen für die Autos der Pendler, die es regelmäßig und schnell von Tirol nach Manchester, Bristol, Birmingham oder London schaffen müssen. Die Anbindung von Innsbruck an Großbritannien ist seit der aktuellen Aufnahme von British Airways London Heathrow jedenfalls noch besser geworden.

Dynamische Entwicklungen

Die Entwicklungen ist auch auf den meisten anderen österreichischen Regionalflughäfen sehr dynamisch. Neben dem generellen Ausbau der Verbindungen zu den großen deutschen Flughäfen finden sich bei der Erweiterung des Angebots zumeist Schwerpunkte. Wenngleich es schon erklärtes Ziel ist, an möglichst viele internationale Drehscheiben angebunden zu sein - aber eben mit Maß und Bedacht. Am Flughafen Graz-Thalerhof ist ein Fokus zum Beispiel der Ausbau der Strecke nach Zürich und damit zu einem der komfortabelsten Umsteigeflughäfen in Europa. Und: Der weltweit größte Anbieter für Bodenabfertigungs- und Luftfrachtdienstleistungen in der Luftfahrtindustrie, Swissport International, und die Flughafen Graz Betriebs GmbH haben ein Joint Venture gegründet: die "Swissport Cargo Services Graz GmbH". Ein Zusammenschluss, der sich mehr und mehr positiv auf den Frachtverkehr vom Flughafen Graz auswirken wird und damit auch zunehmend größere Anforderungen an die Infrastruktur des Grazer Flughafens stellt. Der Flughafen der steirischen Hauptstadt scheint mit dieser Kooperation jedenfalls goldrichtig zu liegen. Experten sagen, dass es in Österreich vor allem noch deutliche Potenziale im Frachtbereich und auch bei der Hangarierung gibt.

Eine gute Nachricht. 2018 soll die deutsche Flugverkehrsabgabe halbiert werden. Gut für die Flughäfen in Österreich.

Vom Rollfeld auf die Bahntrasse

Um die Wirtschaft und den Tourismus mit Gästen und Transportgütern zu versorgen, sind die österreichischen Regionen stark auf eine optimale Abstimmung der Verkehrsträger Flughafen, Schiene und Straße angewiesen. In Linz wird die ÖBB Westbahnstrecke zukünftig bis an den Flughafen geführt. Der besonders gut angebundene Flughafen Salzburg verdeutlicht die positiven Auswirkungen vom optimalen Zusammenspiel - hier hat das Umfeld des Flughafens im Verhältnis die größte Aufwertung erfahren. Immobilien rund um das Gelände werden für Käufer und internationale Firmen immer interessanter, namhafte Unternehmen wie Kaindl, Metro, DOC Outlet, Mercedes Pappas, das VW-Verteilerzentrum oder der Hangar 7 wurden angezogen. Daneben ist es für Flughäfen wichtig, weitere Geschäftsfelder zu öffnen, "denn dem Non-Aviation-Geschäft kommt immer mehr Bedeutung zu", sagt Marco Pernetta, Flughafengeschäftsführer in Innsbruck. Dafür braucht es Platz. Für den Abschluss des aktuellen Bauprojekts, der Gebäudeerweiterung im östlichen Teil des Flughafenterminals im Herbst 2017, zeigt sich Pernetta zuversichtlich. "Die Bauarbeiten schreiten mit großem Tempo voran und man kann bereits gut erahnen, wie die größeren Raumhöhen dem Abflugbereich mit der zukünftigen Vielfliegerlounge ein hochmodernes Ambiente verleihen werden."

Die Hotels in Flughafennähe sind sehr gut ausgelastet.

Linz modernisiert

Wichtige Grundlage für das gesamte Angebot sind für den Linzer Flughafen kontinuierliche Investitionen in ein "Upgrade" der Infrastruktur Richtung Modernität und Nachhaltigkeit. LED-Lichtsysteme und knapp 4.000 Quadratmeter Solarpanele sind vorbildliche Beispiele dafür. Daneben wird aktuell ein Hotelprojekt in Angriff genommen, für das nach einer grundlegenden Konzeptplanung gerade ein geeigneter Kooperationspartner ausgewählt wird. "Die Hotels in näherer Umgebung sind durchwegs sehr gut ausgelastet. Wir möchten die potenziellen Synergien zwischen Flugschule, gastronomischem Angebot und Konferenzgeschäft durch die zweckvolle Angebotserweiterung mit einem eigenen Hotel am Flughafenareal fördern", so Gerhard Kunesch, Geschäftsführer Flughafen Linz.

Retail als Frequenzbringer

Das Salz in der Suppe ist aber nach wie vor Retail. Wer sonntags verzweifelt feststellt, ein "ordentliches" Geschenk für den Geburtstag der oder des Liebsten vergessen zu haben, war schon immer gut beraten, zum nächstgelegenen Flughafen zu fahren. Aber heutzutage bleibt es nicht bei diesen Ausnahmekäufen. Am Grazer Flughafen freut sich der Supermarkt mittlerweile nicht nur über Umsätze von Passagieren und Bodenpersonal, sondern wird von vielen Personen aus den umliegenden Gemeinden frequentiert. Einzelhandel ist also nach wie vor ein Magnet, auch der Flughafen Klagenfurt hat die jüngsten Investitionen auf diese Karte gesetzt. Dennoch agieren die Airports nach dem allgemeinen Glauben, dass parallel zum Anstieg der (Passagier-)Ströme die Retailflächen vor und im Abflugbereich immer weiter ausgebaut werden können, langsam mehr wie ihre Halbschwestern - die klassischen Shoppingcenter - und setzen verstärkt auf die Erweiterung des gastronomischen Angebots. Die Übergänge zwischen Spezialitätengeschäften und Snackbars sind dabei an den Flughäfen oft fließender gestaltet als bei vergleichbaren Einzelhandel-Agglomerationen. In "Flagship-Ecken", wie sie am Grazer Flughafen genannt werden, präsentieren sich exklusiv die Produkte einer bestimmten Marke und werden im Rahmen eines Cafés oder Imbisses verkauft. Eine effiziente Reaktion auf den Bedarf, die Passagierwege kurz zu halten. Auch in Salzburg hat man den gesamten Gastronomiebereich rundum erneuert und um ein breites Angebot an Lounges ergänzt. Bei der Aktivierung von Verkehrsknotenpunkten fallen mintunter aber auch weniger unmittelbar verknüpfte Angebote auf fruchtbaren Boden. Und es kristallisieren sich mehr und mehr kleine regionale Schwerpunkte im Non-Aviation-Bereich heraus. So etwa das Tagungsbusiness - in der Regel kein zwingender Begleiter von Aviation - in Graz. Im vergangenen Jahr wurden rund 270 Veranstaltungen in den Konferenzräumlichkeiten des Flughafens abgehalten.