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Bau sieht Aufwärtstrend

Internationalisierung boomt, höchste Margen zuhause

Autor: Gerhard Rodler

In der Studie European Powers of Construction (EPoC) analysiert Deloitte erneut die Lage der europäischen Baubranche und ihre Trends. Die gute Nachricht: Für 2014 zeichnet sich nach einigen harten Jahren endlich wieder Wachstum ab, das 2015 noch anziehen soll. Signifikante branchenweite Trends sind die Internationalisierung des Geschäfts sowie die Diversifikation der Leistungsportfolios. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass diese Entwicklungen deutliche Risiken bergen und sich oft negativ auf die Profitabilität der Baukonzerne auswirken.

Bereits zum elften Mal präsentiert Deloitte heuer die Studie zur europäischen Bauwirtschaft. Untersucht wurden die Marktposition und das wirtschaftliche Standing der 50 größten börsennotierten Bauunternehmen Europas aus insgesamt 17 Ländern mit Stand 2013. Zu den Top 50 gehören die beiden österreichischen Unternehmen Strabag SE und Porr AG. Deren addiertes Umsatzvolumen von rund 15 Mrd. Euro (+ 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) bringt Österreich im Jahr 2013 auf Platz 6 in der Nationenwertung. An der Spitze liegt Frankreich mit einem Umsatz von über 101 Mrd. Euro deutlich vor Spanien (67 Mrd. Euro) und Großbritannien (40 Mrd. Euro). In der Einzelwertung belegen Strabag SE und Porr AG die Plätze 8 bzw. 25. Bedingt durch den verhältnismäßig kleinen österreichischen Markt und die starke Konkurrenz hat sich die Strabag auf den internationalen Markt konzentriert und generierte im Jahr 2013 mehr als 40 Prozent der Umsätze im Ausland.

In der europäischen Baubranche zeichnen sich die Internationalisierung der Konzerne und die Diversifikation der Serviceleistungen als wesentlichste Strategien ab. Beschränkte Marktgrößen und damit -anteile im westeuropäischen Raum sowie eine stagnierende Entwicklung dieser Märkte resultierten in den vergangenen Jahren in einer verstärkten Suche nach Investitionsmöglichkeiten und Wachstumschancen im Ausland. Die Deloitte-Studie zeigt allerdings, dass die Auslandsaktivitäten der Baukonzerne nicht unbedingt zu höheren Marktwerten führen, sondern sogar deutliche Risiken bergen: Zwischen dem Internationalisierungsgrad und der Ergebnis-Marge für Bauaktivitäten besteht eine negative Wechselbeziehung.

„Der Internationalisierungsgrad beeinflusst die durchschnittliche Profitabilität sowie die Liquiditätssituation der Baukonzerne. Im Vergleich konnten jene Unternehmen, die sich vor allem auf heimische Märkte konzentrierten, 2013 eine durchschnittliche Ergebnis-Marge von 4 Prozent erzielen, während sich international tätige Baugruppen mit ca. 2,2 Prozent zufriedengeben mussten“, so Alexander Hohendanner, Partner Deloitte Österreich. Bei Bauinvestments vor allem in Süd-, Ost- und Südosteuropa wird der Konkurrenzkampf immer härter. „Durch Dumpingpreise, kombiniert mit einer schlechten Konjunkturentwicklung in diesen Ländern, können nur geringe Margen erzielt werden, was sich negativ auf die Jahresergebnisse der Unternehmen auswirkt“, erläutert Hohendanner. Die Bauunternehmen würden sich daher bereits aus diesen Regionen zurückziehen und sich wieder stärker auf den heimischen Markt konzentrieren.

Der zweite Branchentrend ist das wachsende Angebot nicht bautechnischer Leistungen wie z. B. Facility Management oder Leistungen im Bereich Energie. Statistisch gesehen überwiegen auch hier die Risiken: Eine höhere Diversifikation der Geschäftsbereiche der Bauunternehmen geht laut Studie mit einer höheren Nettoverschuldung einher.

Für die beiden österreichischen Konzerne Strabag und Porr treffen die erhöhten Risiken nur bedingt zu: „Beide sind mit einem stabilen Inlandsgeschäft im Vergleich zu einigen europäischen Konkurrenten solide aufgestellt“, so Hohendanner.

In Österreich wird eine Steigerung der Bau-Investments um 1,9 Prozent (2014) und 2,2 Prozent (2015) erwartet. Auf EU-Ebene geht man von + 1,7 Prozent für 2014 und + 2,8 Prozent für 2015 aus. Von allen untersuchten Ländern liegt Österreich – bezogen auf das Bauvolumen im Verhältnis zum BIP im Jahr 2013 – mit 11,3 Prozent auf Platz 5 nach Rumänien, Finnland, Frankreich und Polen. „Zahlreiche Bauprojekte im kommunalen sowie privaten Sektor zeichnen sich derzeit schon am Horizont ab und bestätigen diese positiven Prognosen. Dies demonstriert wiederum, wie wichtig positive Impulse vom Standort Österreich für die Konjunktur in Schlüsselbranchen wie der Bauindustrie sind“, schließt Hohendanner.