Immobilien Magazin

Berlin – Politik des (T)Raums

Die Hauptstadt führt erstmals ein Städteranking an und ist die wettbewerbs- und zukunftsfähigste Stadt Deutschlands. Ein Rätsel bleibt, warum in Berlin bei absolut jedem Bau die Kosten explodieren.

Autor: Romana Kanzian aus Berlin

Kurz festgehalten: Man träumt von Großprojekten, erhält Großbaustellen und gibt am Ende auch noch groß aus. Trotz oder gerade wegen dem ständigen "unfertig sein", ist Berlin die wettbewerbs- und zukunftsfähigste Stadt Deutschlands. Eine Tatsache, würden die Berliner sagen, und aus der Metropolen-Perspektive allein dem Gefühl nach zu beantworten. Doch Berlin hat es nun endlich geschafft und führt auch offiziell ein Ranking an. Erstellt vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und der Privatbank Berenberg.

Ein Trendindex zur gegenwärtigen ökonomischen Leistungsfähigkeit, ein Demografieindex zur künftigen demografischen Entwicklung, Standortindex sowie Bildung, Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit der Städte lieferten nur Positives. Außer Acht gelassen wurden anscheinend Bauen und Wohnen. Ein leidiges Thema, ich weiß. In Berlin-Brandenburg gingen die Baugenehmigungen um 10,7 Prozent (von Jänner bis September) zurück. Da ist was oder wer faul, sagen die einen; die anderen meinen der Wohnungsbau werde ins Umland abgedrängt, der Mietendeckel sei schuld oder die bewusst langsam mahlenden bürokratischen Mühlen. Dabei werden sowohl Bevölkerungszahl als auch die Zahl der Erwerbstätigen bis 2030, laut Studie, weiter steigen.

Berlin kann vieles

Berlin ist viel, kann viel und lockt ob dieser Diversität auch viel - vor allem internationales und junges - Publikum an. Mit Elon Musks Tesla kommt ein internationaler Player, der diese Entwicklung wohl nochmals beschleunigen wird - wenn seine Neubaupläne rechtzeitig fertig werden. Die Metropolenregion Berlin-Brandenburg zeigt nämlich öffentlichkeitswirksam wie man nicht baut - und das nicht nur beim Wohnen. Vor allem die Aushängeschilder der Stadt können langsam und teuer: Das Museum der Moderne ist mit 450 Millionen Euro doppelt so teuer wie zu Anfang geplant.

Das Humboldt Forum verschluckt in den letzten Monaten der Bauarbeiten noch schnell mal 50 Millionen Euro und wird mit Fertigstellung im Herbst 2020 mehr als eine halbe Milliarde verschlungen haben (644,2 Mio. Euro). Den Flughafen spare ich hier aus, obwohl in diesem Jahr im Oktober wohl endlich eröffnet wird - mit acht Jahren Verzögerung.

Was mich freut: Die hässliche Brache zwischen Nationalgalerie, Gemäldegalerie, Philharmonie, Matthäuskirche und Staatsbibliothek wird nun endlich verbaut. Das Museum der Moderne, das nach einem Entwurf von den Elbphilharmonie-Architekten Herzog & de Meuron gebaut wird - geplante Eröffnung 2026 - soll die Lücke mit Leben füllen. Demnach bleibe ich in freudiger Erwartung von viel urbanen Spielraum und weniger Verzögerung.