Immobilien Magazin

Beton als Batterie

Thermische Bauteilaktivierung ist schon seit vielen Jahren ein Thema in der Bauwirtschaft. Dank der Kombination mit Windkraft eröffnen sich nun ganz neue Möglichkeiten für die Ökologie und Ökonomie des Heizens.

Autor: Stefan Posch

Seit mittlerweile schon zehn Jahren beschäftigt sich Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Zementindustrie (VÖZ), mit thermischer Bauteilaktivierung. Dabei werden in Betondecken oder auch -wänden Rohre verlegt, durch die das Haus geheizt oder gekühlt werden kann. Bei Bürogebäuden ist die thermische Bauteilaktivierung schon Standard. Dabei steht aber die Kühlung im Vordergrund. Doch Sebastian Spaun will der thermischen Bauteilaktivierung auch als Heizung von Wohnhäusern zum Durchbruch verhelfen.

Überschussenergie nutzen

Anfangs forschte Spaun noch mit der Kombination der Bauteilaktivierung mit Solarenergie. Als er dann von Salzburg nach Ostösterreich zog, merkte er, dass es dort im Winter viel Nebel und nur wenig Sonne gibt. Was der Osten allerdings zu bieten hat, ist Windenergie. Der Wind bläst aber nicht regelmäßig, und es gibt Zeiten, in denen es Windstrom im Übermaß gibt und Zeiten, in denen nur wenig in die Netze gespeist werden kann. "Die Idee war, mit den Gebäuden der Zukunft eine Antwort auf die Netzschwankungen bei erneuerbaren Energiequellen zu geben", erklärt Spaun. Möglich macht das die Wärmespeicherkraft von Beton. Ist gerade viel Windstrom in den Netzen, werden die Gebäudeteile mit einer Wärmepumpe aufgeheizt, bei Flauten bleibt das Haus durch die Restwärme der Betonteile tagelang warm. Die Stromheizung benötigt somit, bis auf die wenigen langen Flautezeiten im Jahr, ausschließlich erneuerbare Energie.

Auch ökonomische Vorteile

Der Vorteil ist aber nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein ökonomischer. Stromanbieter würden schon jetzt flexiblere Angebote machen, denn für die Energielieferanten sei der Börsenpreis maßgebend, sagt Spaun. In Zukunft würde sich die Flexibilität noch verstärken. Das sei vergleichbar mit dem Nachtstromtarif, so Spaun, der die Ersparnis bei einem Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern auf 250 bis 350 Euro pro Jahr schätzt. "Letzendlich geht es um ein gößeres Ziel, und das ist die Einsparung von CO2", betont Spaun. In Niederösterreich betreibt die VÖZ bereits seit eineinhalb Jahren ein Forschungsprojekt, bei dem ein bewohntes Einfamilienhaus mit der Kombination aus Überschussenergie einer Windkraftanlage und thermischer Baustoffaktivierung geheizt wird. Sebastian Spaun sieht die Zukunft des Systems aber vor allem in größeren Wohnbauten. "Solche Systeme müssen für Jedermann leistbar sein, denn wenn es nur dem Luxussegment vorbehalten ist, bleibt es ökologisch wirkungslos", erklärt Spaun. Dass die Neubauten immer bessere Dämmwerte aufweisen, kommt dem neuen System entgegen, denn bei der Bauteilaktivierung muss die Gebäudehülle einen Niedrigenergiestandard aufweisen.

Zwei Grad Temperaturunterschied genügen

Ein wichtiger Punkt in der Forschung ist die Frage, wie warm ein Bauteil höchstens sein darf. "Wir können ja keine glühenden Decken verwenden", meint Spaun. In der Regel genüge es aber schon, wenn die Decke ein bis zwei Grad wärmer sei als die Raumtemperatur. Wieviele Tage ein Haus ohne Energiezufuhr auskommt, ist abhängig von der Gebäudehülle und vor allem der gewünschten Raumtemperatur. "Der Unterschied zwischen 17 und 25 Grad ist riesig", erklärt Spaun. Mehrere Tage ohne Energiezufuhr sollen aber kein Problem sein. Die Mehrkosten bei der Errichtung sind laut Spaun überschaubar. Die Kosten seien kaum höher als bei einer Fußbodenheizung, erklärt er. Nur den Preis der Wärmepumpe müsse man draufschlagen. Ein Problem sei allerdings, dass derzeit noch wenige Baumeister und Architekten Erfahrung mit dem System hätten. Auch das soll sich schnell ändern: Schon im Herbst wird die reguläre Baumeisterausbildung in fünf Bundesländern mit den Inhalten der thermischen Baustoffaktivierung ergänzt. Zudem sind auch WIFI-Kurse für Architekten, Installateure und Energieplaner geplant.

Speicher

Beton kann aufgrund seiner hohen Wärmespeicherkapazität Überschussenergie von Windkraftanlagen als Wärme für das Heizen von Gebäuden speichern.

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