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Betriebskosten steigen stärker als Mieten

Trend zu mehr Qualität anstelle Quadratmeter

Autor: Gerhard Rodler

Beinahe stagnierende Preise bei Eigentumswohnungen, Mietpreisanstiege unter der Inflationsrate – der Immobilienmarkt zeigt sich in Summe unaufgeregt. Betrachtet man die Daten im Detail, lassen sich jedoch spannende Entwicklungen ablesen. „Unsere Analysen belegen, dass die Betriebskosten ein ebenso wichtiger Preistreiber sind und bei der Diskussion rund um das Thema leistbares Wohnen viel zu kurz kommen“, so Patrick Schenner, Geschäftsführer von ImmobilienScout24.

Die Betriebskosten stiegen von 2006 auf 2014 um 25 Prozent, die Nettomieten aber um 17 Prozent. Zum Vergleich: Der VPI stieg gleichzeitig um 18,3 Prozent. Etwa 70 Prozent einer Gesamtmiete entfallen im Schnitt auf die Mietkosten, etwa 30 Prozent auf Betriebskosten und Steuern.

1971 standen laut Statistik Austria dem Durchschnittsösterreicher rund 23 m², 40 Jahre später bereits 41 m² Nutzfläche zur Verfügung. Die Immobilienpreisanstiege der letzten Jahre haben aber eine neue Bescheidenheit beim Raumbedarf eingeläutet. Wollte ein Wohnungskäufer 2010 im Bundesschnitt 2010 etwa auf 94 Quadratmetern logieren, gab er sich 2014 mit 89 m² zufrieden. Wollten 43 Prozent der Käufer 2010 noch vier Zimmer ihr Eigen nennen, waren es 2014 nur noch 38 Prozent. Hoch im Kurs standen 2014 vergleichsweise Einzelraumwohnungen – der Nachfrageanstieg betrug im Vergleich zu 2010 knapp sieben Prozent. Gründe dafür – der Trend zur Vorsorgewohnung und der Anstieg der Singlehaushalte.

Sowohl bei Lage als auch bei Ausstattung sind die Ansprüche der Eigentümer gestiegen. Suchten neun Prozent der Wohnungskäufer 2010 eine Wohnung mit Balkon und etwa 14 Prozent eine Terrasse, waren es 2014 rund 17 bzw. 23 Prozent. Die Nachfrage nach Dachgeschoßwohnungen stieg bundesweit in diesem Zeitraum um sechs Prozent. Bei der Lage gibt es ebenfalls klare Präferenzen. In Wien zeigt sich eine signifikant erhöhte Nachfrage nach Wohnungen innerhalb des Gürtels. In allen inneren Bezirken mit Ausnahme der Inneren Stadt lag das Nachfrageplus bei mehr als vier Prozent – sowohl bei Miet- als auch bei Eigentumswohnungen.