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Böses Basel?

Noch verhandelt der Baseler Bankenausschuss über eine komplette Überarbeitung der Bankenregulierungen. Strengere Kreditbedingungen können für den Immobilienmarkt aber schädlich sein.

Autor: Charles Steiner

Das Geld bleibt weiterhin billig. Erst jüngst hat die Europäische Zentralbank (EZB) erklärt, den Leitzins nicht erhöhen und weiterhin Geld in den Markt pumpen zu wollen. Für die Immobilienwirtschaft ein Segen - denn das günstige Geld sucht Beton. Und so viel Beton wie in diesen Tagen wurde selten hochgezogen. Institutionelle Investoren wie auch private Häuselbauer und Wohnungskäufer nutzen die Chance, um in Realitäten anzulegen. Kein Wunder: Solche günstigen Zinsen gab es noch nie. Doch es ziehen Wolken auf. Und zwar in Form von Basel IV. Die künftigen Reglements, die dort getroffen werden sollen, würden sich vor allem auf die Wohnbaufinanzierung auswirken, warnt Franz Portisch, Generalsekretär des Österreichischen Sparkassenverbands. Leider nicht positiv.

Der Kapitalbedarf für Kreditgeber wird durch Basel IV deutlich höher.

Änderungen bei Risikorechnung

"Die Regelungen von Basel IV sehen eine Änderung der Berechnung des Risikos der Wohnimmobilienfinanzierung vor. Bisher wurden pauschale Risikogewichte für solche Kredite vorgesehen. Künftig sollen diese in Abhängigkeit zur Beleihungsquote ermittelt werden. Der notwendige Kapitalbedarf der Kreditgeber würde durch das Reformpaket deutlich angehoben und Kredite dadurch teurer werden. Jede Verteuerung wird sich am Markt entsprechend negativ niederschlagen", gibt er zu bedenken. Heißt auf gut Deutsch: Trotz des billigen Geldes, das von der EZB in den Markt gespült wird, sehen sich private Häuselbauer und Wohnungskäufer womöglich mit regulativen Hürden konfrontiert, die viele nicht erfüllen können. Womit eine potenzielle Käufergruppe für Eigentumswohnungen, Vorsorgewohnungen oder Häuser wegfallen würde. Kein Wunder, warum es noch keine Einigung zwischen Europa und der internationalen Bankenwelt gibt, wie Portisch näher ausführt: "Die Verhandlungen im Baseler Bankenausschuss sollten ursprünglich bis Ende letzten Jahres abgeschlossen sein. Aufgrund großer Meinungsunterschiede auf internationaler Ebene und berechtigter Zweifel in Europa kommt es aber zu Verzögerungen." Und noch immer gibt es keinen grünen Zweig bei den Verhandlungen. Ganz so drastisch sieht man das bei der Bank Austria hingegen nicht. Teile des geforderten Basel IV-Regelwerks würden bereits jetzt in der UniCredit-Gruppe angewandt - und das seit 2008, wie Christian Noisternig, Bereichsvorstand Privatkunden, Geschäftskunden und Freie Berufe bei der UniCredit Bank Austria, erklärt: "Basel IV bezieht sich auf die Risikoberechnung (für das Kreditrisiko bei der Finanzierung von Privatimmobilien) auf Basis des sogenannten Standardansatzes. Die UniCredit Bank Austria wendet jedoch seit 2008 bereits den sogenannten IRB-Kreditrisikoansatz an. Dieser Ansatz ist komplexer und differenziert bereits heute klar nach Risikoaspekten." Da allerdings um Basel IV noch einige Fragen offen seien, stünden mögliche Auswirkungen noch nicht in allen Details fest. "Die Auswirkungen sollten sich aber aufgrund der schon heute angewendeten Standards im Fall der Bank Austria in Grenzen halten", konstatiert Noisternig. Franz Portisch meint, durch Basel IV seien allerdings auch höhere Finanzierungskosten für die Kreditnehmer nicht ausgeschlossen: "Unter Basel IV soll nun die Flexibilität zur Berechnung des Eigenkapitalbedarfs eingeschränkt werden. Insbesondere auf europäische Banken, die oftmals interne Modelle benutzen, würden diese Neuerungen massive negative Auswirkungen haben. Die Regulierungsflut für Banken wird damit fortgeführt, die Planungssicherheit weiter gefährdet und à la longue käme es zu strengeren Kapitalauflagen für Banken." Auch das sieht Christian Noisternig bei Weitem nicht so streng: "Basel IV fordert im Standardansatz die Einhaltung neuer spezifischer Regelungen (wie z.B. "Kredithöhe im Vergleich zum Marktwert des Objekts" oder "Kreditraten im Vergleich zum Einkommen"), um das Risiko für Finanzierungen von Privatimmobilien zu berechnen." Das sei aber bei der Bank Austria bereits gang und gäbe. Noisternig verteidigt das Regelwerk: "Grundsätzlich begrüßt die UniCredit Bank Austria die Bemühungen der Aufsicht, nun auch den Standardansatz risikosensitiver zu gestalten. Diese neuen Regelungen können als weiterer Schritt zur Sicherstellung einer nachhaltigen Immobilienkreditvergabe angesehen werden." Schließlich sei eine sichere und leistbare Kreditnahme auch für den Bankkunden von Interesse - indem sichergestellt werde, dass der Kredit auch leistbar ist.

Die Auswirkungen von Basel IV dürften sich bei uns in Grenzen halten.

Noch keine Einigung

Bis Basel IV allerdings in Kraft treten könnte, dürfte noch viel Wasser die Donau hinunterrinnen. Denn eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht. Grund dafür ist, dass die Europäer und die Amerikaner verschiedene Positionen zu Basel IV vertreten. Besonders an einem Umstand spießt sich die Einigung zur Zeit noch: Der Einsatz interner Berechnungsmodelle, mit denen Großbanken selbst berechnen dürfen, wieviel Eigenkapital sie für welche Geschäfte zurücklegen müssen. Denn: In den Vereinigten Staaten sind derlei Modelle weniger stark verbreitet, da dort die Unternehmen stärker über den Kapitalmarkt finanziert werden, weswegen die USA die internen Modelle ablehnen. Anders in Europa, wo der Bankkredit wiederum stärker dominiert. Mittels interner Modelle aber benötigten Großbanken weniger Eigenkapital, als das beim durch Basel IV angedachten Standardansatz der Fall wäre. Franz Portisch: "Diese sogenannten internen Modelle dienen den Geldhäusern dazu, ihren Kapitalbedarf für das jeweilige Geschäft zu berechnen, und ermöglichen ihnen - im Vergleich zu Standardansätzen - eine institutsspezifische Kalkulierung der hauseigenen Risiken." Und weil in Europa eben Bankkredite stark verbreitet sind, sind interne Modelle dort sehr beliebt. Nun ringt man um den Prozentsatz für den Kapitalbedarf. Der Vorschlag, wonach der nach internen Modellen errechnete Kapitalbedarf nicht unter 75 Prozent des nach dem Standardmodell errechneten Wertes fallen sollte, wird besonders von Frankreich, Deutschland und den Niederlanden abgelehnt, da diese Staaten befürchten, dass dadurch ihr Eigenkapitalbedarf deutlich steigen würde. Bis spätestens Jänner sollen die Basel IV-Regelungen beschlossen werden, 2021 in Kraft treten. Ob es aber im Jänner zu einem Beschluss kommen wird, das erscheint derzeit noch fraglich. Bis dahin bleiben zumindest in Europa die Kredite billig, so der Leitzins der EZB nicht angehoben wird. Auch ob sich Basel IV als das Schreckgespenst erweisen wird, als das es in der Branche herumgeistert. Denn auch in einer Ausschusssitzung Mitte Juni sei für Basel IV noch keine Einigung erzielt worden. Dennoch hofft die EZB auf eine baldige Verständigung von Regeln. Befürchtet wird nämlich, dass, wenn keine Einigung erzielt wird, eine Deregulierung nach unten bevorstehen könnte. Auch kein schönes Szenario.

Basel IV - Darum geht es:

Der Baseler Bankenausschuss hat nach der Finanzkrise 2008 die Bankenregulierung überarbeitet und verschärft. Mit dem letzten noch offenen Teil möchte er bis 2021 strengere Kapitalauflagen für Banken schaffen, indem er vor allem die Nutzung bankinterner Risikomodelle vergleichbarer und einheitlicher gestaltet. Das Problem ist: In Europa sind interne Modelle stark verbreitet, in den USA aber nicht. Interne Modelle haben aber den Vorteil, dass Großbanken durch deren Modelle weniger Eigenkapital benötigten als durch Standardmodelle. Da spießt es sich auch schon wieder, denn gerade in dem Punkt sind sich USA und Europa uneinig.

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