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Corona schädigt stationären Retail

RE/MAX Commercial analysiert die Handelssparten mittels Börsenkursen:

Autor: Gerhard Rodler

Die Corona-Pandemie hält Europa und die Welt seit Anfang 2020 dauerhaft in Atem. Zur Eindämmung der Krise verfolgen die Regierungen mittlerweile weltweit ähnliche Strategien: Um der Virus-Ausbreitung entgegenzuwirken, wird das gesellschaftliche Leben heruntergefahren. Diese Maßnahmen treffen dabei den stationären Einzelhandel besonders hart. Während dieser in vielen Ländern Europas im ersten Lockdown bis auf die Grundversorgung geschlossen war, gehen manche Regierungen im aktuell zweiten Lockdown den Weg, den stationären Handel so lange als möglich offen zu halten. Für Österreich wurde dieser Zugang nun mit dem heutigen Tag wieder beendet, der Handel muss, bis auf wenige Ausnahmen, in der beginnenden Vorweihnachtszeit seine Pforten wieder schließen .Die Auswirkungen auf die Einzelhandelslandschaft Österreichs werden massiv sein: Laut den aktuellsten Daten der KMU Forschung Austria (Sept. 2020) werden in Österreich aktuell rund 8,7 Milliarden Euro im Distanzhandel ausgegeben, davon 8 Milliarden Euro im Online-Handel, der Rest im klassischen Katalog-Vertrieb. Das entspricht ca. 12 Prozent der Einzelhandelsausgaben und einem Anstieg von rund +7 Prozent zum Vorjahr.

Re/Max Commercial hat die zweite Welle der Lockdown-Maßnahmen zum Anlass genommen, einen globalen Blick auf Gewinner und Verlierer der Corona-Pandemie im Einzelhandel zu werfen. Als Basis dient die Kursentwicklung am Aktienmarkt.

Dabei wurden, auf Basis der umsatzstärksten Einzelhändler der Welt (Quelle: Deloitte, Global Powers of Retailing 2020), deren Kursentwicklung im Zeitraum 1. Jänner bis 31. Oktober (Ytd) und im Zeitraum von drei Jahren, vom 1.11.2017 - 31.10.2020 folgende Branchen analysiert. Von den acht untersuchten Branchen konnten kurzfristig nur vier ihre Kapitalmarktwerte erhöhen, während vier weitere zum Teil auch sehr deutliche Kursverluste hinnehmen mussten.

Im Dreijahresvergleich ist der Online-Handel mit einer durchschnittlichen Kurssteigerung von rund +120 Prozent der absolute Sieger, der größte Teil (+79 Prozent) davon kommt allerdings aus dem aktuell laufenden Jahr bis 31. Oktober.

Geschlossene Geschäfte, aber auch die Angst vor persönlichem Kontakt zu anderen Menschen haben zu deutlich besseren Zahlen der Online-Anbieter beigetragen. Dagegen sind die lang- und kurzfristigen Verluste im Bereich der Warenhäuser, aber kurzfristig auch im Bereich der Luxusgüterhersteller deutlich. Den Börsenkursen zufolge ist die Textil- und Schuhbranche noch vergleichsweise „gut“ durch die Krise gekommen, jedoch ändert sich dieses einseitige Bild schlagartig bei genauerer Betrachtung.

Unternehmen, die beispielsweise für den stationären Handel in Österreich große Bedeutung haben, haben heuer teils dramatisch an Wert verloren.

„Es zeigt sich aber auch, dass der überwiegende Teil des Marktwertverlustes bei diesen Unternehmen im Corona-Jahr 2020 eingetreten ist, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass jene Branchen, die für unsere Innenstädte so wichtig sind, bis dato zu den großen Verlierern zählen“, so Krejci weiter aus.

„Das Wachstum des Online-Handels wird durch Corona massiv beschleunigt, weil geschlossene Geschäfte oder die Angst vor Kontakten mit anderen Menschen dem digitalen Einkauf in die Hände spielen. Gleichzeitig fördern die wirtschaftliche und finanzielle Unsicherheit, aber auch die vermehrte Zeit in den eigenen vier Wänden, den Diskonthandel und die Heimausstatter“, sagt Krejci.