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Coronavirus verzögert Wohn-Pipeline

Flaschenhals Bewilligungen und Grundstücke

Autor: Charles Steiner

Zwar hat sich der Wiener Wohnungsmarkt von der Coronapandemie weitestgehend unbeeindruckt gezeigt, allerdings kommen in Zukunft doch einige Herausforderungen zu, die nicht allein von der Immobilienwirtschaft gelöst werden können. Das geht aus dem Ersten Wiener Wohnungsmarktbericht von EHL und Buwog hervor, der heute vor Journalisten präsentiert wurde. Denn einerseits sind die Baubewilligungen durch die Krise ins Stocken geraten, andererseits werden aufgrund der demografischen Entwicklung der Bundeshauptstadt wirtschaftliche Grundstücke knapp.

Im Vorjahr seien 19.000 Wohnungen fertiggestellt worden, heuer werden es 17.000 sein, zitiert Sandra Bauernfeind Zahlen der Bauträgerplattform Exploreal. Allerdings dürfte das Fertigstellungsvolumen in den kommenden Jahren durch die verzögerten Baubewilligungen niedriger als erwartet: „Die Angebotslücke dürfte sich nach hinten verschieben“, konstatiert Bauernfeind. Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass Wien wächst. Bis 2028 sollte, so Andreas Holler, Geschäftsführer der Buwog Group, die Zweimillionen-Einwohner-Marke geknackt werden. Jedoch werden wirtschaftliche Grundstücke immer knapper. In dem Zusammenhang sieht Holler die Politik gefordert und spricht sich für eine umsichtige Boden- und Widmungspolitik aus. Allein die Stadt Wien verfüge über ein „großes Reservoir an Grundstücken“, die es zu mobilisieren gelte. Ebenso sollte vor Widmungen geprüft werden, ob auch tatsächlich eine Bauintention vorhanden ist. Nicht zuletzt fordert Holler schnellere Verfahren.

Während die Mieten 2020 um 1,5 Prozent gestiegen sind, haben sich die Kaufpreise um zwischen 3,75 und 4,25 Prozent nach oben bewegt. Durch die Coronakrise dürften auch eine Reihe an Airbnb-Wohnungen auf den Markt kommen. Bauernfeind rechnet diesbezüglich mit 10.000 Wohneinheiten, die durch Airbnb dem Markt entzogen wurden und jetzt wieder bereitgestellt werden.

Durch Corona wird sich auch die Wohnsituation selbst ändern, sagt Daniel Riedl, Vorstand bei der Buwog-Mutter Vonovia. Private Freiflächen würden immer gefragter werden, durch das Homeoffice komme noch ein guter Ausbau des Internet hinzu. Ebenfalls gefragt sind intelligente Grundrisse, auch Urban Gardening sei interessant. Überdies halte der Trend zu Wohntürmen an, auch die Umnutzung nicht mehr benötigter Büro- und Hotelimmobilie in Wohnungen wird zu einem stärkeren Thema. Michael Ehlmaier, CEO der EHL Immobilien Gruppe sagt dazu: „Die Wunsch-Wohnung wird nach Corona anders aussehen als vor der Pandemie und bei den Projekten, für die 2021 um Baugenehmigungen angesucht wird, schlägt sich das bereits in den Planungen nieder.“