Immobilien Magazin

Das bringt uns das neue Immobilienjahr

Der Immobilienmarkt erweist sich heuer mehr als gesund und wartet mit einigen Rekorden auf. Ob das so weitergehen wird? Die Branche geht zumindest von einem sehr guten Jahr aus.

Autor: Charles Steiner

Kaum ein Jahr hat die Immobilienbranche ein zufriedeneres Lächeln auf die Gesichter zaubern können wie dieses. Bei den Investments konnte Österreich ein Alltime-High einfahren, mehrere Forward Deals in gehobener dreistelliger Millionenhöhe haben mit 4,5 Milliarden Euro einen Rekordwert geschaffen, der bislang noch nicht in dieser Form erreicht wurde. Doch wie geht es weiter? Was bringt das kommende Jahr?

Peter Ulm, Vorstandschef der 6B47, erklärte dem Immobilien Magazin, dass er vor einem halben Jahr mit einer Prognose noch deutlich vorsichtiger gewesen wäre als jetzt. „Ich orte weiterhin sehr viel Liquidität am Markt, es wird ein sehr gutes Jahr werden.“ Im Bereich der Wohnentwicklung wird sich verstärkt der Mietmarkt durchsetzen und Eigentumswohnungen verdrängen. Beim Büromarkt wird es hingegen eine Seitwärtsbewegung geben - und da wird es Aufgabe der künftigen Regierung sein, den Wirtschaftsstandort Wien entsprechend zu bewerben. „Gerade im Bürosektor sei vor allem die Grundstücksakquise schwierig. Generell sei aber die ökonomische Entwicklung in der DACH-Region sehr gut, weswegen die Konjunktur stark steigen wird. Ulm spricht zwar generell in Bezug auf den diplomatischen Konflikt zwischen den USA und Nordkorea von einer unsicheren weltpolitischen Lage, diese sei aber nicht zu beeinflussen. Die Angst vor dem Brexit ist allerdings gesunken, Ulm hält es für wahrscheinlich, dass es im kommenden Jahr womöglich eine neue Einigung geben könnte. “Der Brexit ist noch nicht gegessen", so Ulm.

Ob der Wert von 4,5 Milliarden, was Investmentvolumina betrifft, zu toppen ist? Franz Pöltl, Chef der EHL Immobilien Investment Consulting, geht zumindest von einem sehr guten Immobilienjahr 2018 aus, wenngleich die Spitzenzahl von heuer schwer zu erreichen sind. „Die Herausforderung wird sein, geeignete Produkte am Markt zu finden. Die Renditen werden weiter unter Druck bleiben, weswegen der eine oder andere Investor mehr Risiko in Kauf nehmen wird, um die angestrebten Performance-Ziele erreichen zu können.“

Andreas Ridder, Chairman - Central & Eastern Europe Capital Markets bei CBRE, glaubt nicht, dass der Wert von derzeit 4,5 Milliarden Euro in diesem Jahr zu toppen ist, viel weniger dürfte er im kommenden Jahr aber auch nicht betragen. „Der Plafond bei den Preisen ist mittlerweile erreicht, die Preissteigerungen dürften abflachen. Es wird sich also bei einer Seitwärtsbewegung auf höchstem Niveau einpendeln“, sagt Ridder. Der Markt sei nach wie vor solide und das würde sich auch in den kommenden zwei Jahren nicht ändern.

Dass sich die derzeitige Konjunktur umdrehen könnte, glaubt Pöltl nicht: „Wir sind erst am Anfang des Wirtschaftsaufschwungs. Nach der Krise 2007 war das Wachstum eher verhalten, erst in den vergangenen zwei Jahren hat das Wachstum wieder mehr an Dynamik gewonnen, weswegen auch die Zahl der Büroangestellten steigt.“ Das heißt wiederum, dass Büroflächen, die 2018 und 2019 absorbiert werden dürften, weswegen auch wieder neue Projekte entstehen. Pöltl gibt aber zu bedenken: „Es gibt Herausforderungen, etwa bei den Grundstückspreisen und bei den Baukosten. Für Büroentwickler wird es zunehmend schwerer, bei Grundstücken in entsprechender Lage, die auch für Wohnbebauung in Frage kommen, mit Wohnbauträgern zu konkurrieren, da im Wohnungsbereich wesentlich höhere Grundkostenanteile darstellbar sind.“ Flächen für stationären Einzelhandel werden nicht mehr expandieren, die Nachfrage nach Logistikflächen, insbesondere der sog. “letzten Meile" wird hingegen stark steigen. Aber auch das Wohnsegment wandelt sich in Richtung neuer Produkte wie studentisches Wohnen, Mikrowohnen oder betreubares Wohnen. Die Nachfrage an Immobilien ist jedenfalls da, die Investoren werden internationaler und nach wie vor ist sehr viel Geld auf dem Markt.