Immobilien Magazin

DAS DORF AUF DEM MOND

Nachdem auf der Erde passende Grundstücke knapp werden: Wie wäre es mit Baugrund auf dem Mond? Die heutige Technik macht Immobilien auf dem Erdsatelliten möglich. Doch es gibt Herausforderungen - Bau, Instandhaltung und Rechtliches machen ein Development hoch oben schwierig.

Autor: Charles Steiner

Knapp 400.000 Kilometer ist der Mond von der Erde entfernt. Während das Licht vom Mond zur Erde weniger als zwei Sekunden benötigt, dauerte es bei der Apollo 11 - jenem Raumschiff, das einst Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins auf den Erdtrabanten brachte - schon länger: Vier Tage flog die Besatzung durch das Weltall, ehe sie auf dem Mond aufsetzen konnte. Das war vor fast 50 Jahren. Seitdem träumte die Menschheit, den Mond irgendwann einmal zu besiedeln; nach der ersten Mondlandung ging man schon sehr bald davon aus. Geschehen ist bis dato nichts.

Technisch machbar

"Prinzipiell ist es mit den jetzigen technologischen Mitteln schon heute möglich, Siedlungen auf dem Mond zu bauen", sagt Sandra Häuplik-Meusberger vom Institut für Architektur und Entwerfen an der TU Wien, die im Rahmen des Masterstudiums auch eigene Kurse in Weltraumarchitektur anbietet. Auch im Rahmen des Moon Village, einem internationalen Zusammenschluss von Wissenschaftlern aller Art, die als gemeinschaftliches Projekt Möglichkeiten erarbeiten, wie man den Mond besiedeln könnte. "Es gibt aber derzeit keine Rakete, die auf den Mond hinauffliegt und damit Bauarbeiter wie auch Baustoffe nach oben transportiert", sagt Häuplik-Meusberger. Eh klar: Derzeit gibt es nur staatliche Weltraummissionen, private Missionen sind noch keine erfolgt. Obwohl es in der Mojave-Wüste in New Mexico seit 2012 einen vom Architektenbüro Foster + Partners konzipierten privaten Weltraumflughafen, den Spaceport America, gibt. Rund 225 Millionen US-Dollar hatte Virgin Galactic rund um den Milliardär Richard Branson dafür bezahlt. Abgeflogen ist von dort bislang aber noch kein Flugkörper - aufgrund von einigen Zwischenfällen ist das auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Astronomische Baukosten

Billig ist es nicht gerade, auf dem Mond zu bauen. Gerade jene aus der Immobilienwirtschaft, die bereits die hohen Baukosten auf der Erde beklagen, werden mit dem Trabanten so gar keine Freude haben.

AUF DEM MOND MUSS MAN SEHR EFFIZIENT BAUEN, DA ALLEIN DER TRANSPORT SCHON EXTREM TEUER IST. - Sandra Häuplik-Meusberger, TU Wien

"Auf dem Mond muss man sehr effizient bauen, da allein der Transport schon extrem teuer ist und damit die Versorgung mit Ressourcen schwierig", weiß Häuplik-Meusberger. Man kann schließlich nicht - wie auf der Erde - LKW um LKW zur Baustelle schicken, je mehr Transportschiffe, desto teurer wird's. Auch das Arbeiten auf dem Mond ist ein Knochenjob, es herrschen lebensfeindliche Bedingungen dort. Nicht nur, weil es mit zwischen plus 130 und minus 160 Grad Celsius kleschheiß bzw. bitterkalt ist, die starke ionisierende Strahlung durch Sonneneruptionen, die gelegentlich auftreten, ist zudem für jedes Lebewesen absolut tödlich, wenn es nicht entsprechend geschützt ist. Würde man das auf Kollektivverträge ummünzen müssen, die Gefahrenzulagen wären ein ernst zu nehmender Kostenfaktor. Aber dafür gibt es auch Roboter.

Wie baut man hier?

Was den Bau selbst betrifft, so bevorzugt Häuplik-Meusberger großteils vorgefertigte Bauteile, die dann auf dem Mond zusammengesetzt werden. Durch den 3D-Druck seien aber neue Dimensionen möglich, denn damit könne man sich auch am Mondstaub, dem so genannten Regolith, bedienen.

"Es ist zwar ein sehr grobkörniger und scharfkantiger Mondstaub, da ja auf dem Mond weder Wind noch Wetter herrschen. Aber man könnte ihn für Beton verwenden oder mit Polymeren verbinden", so die Architektin. Mondstaub ist - das macht ihn natürlich in diesem Fall besonders praktisch - auch gut in der Lage, vor Strahlen durch Sonneneruptionen zu schützen.

MAN KANN KEINE GRUNDSTÜCKE AUF DEM MOND KAUFEN, DA DER MOND NICHT DER NATIONALEN ANEIGNUNG DURCH STAATEN UNTERLIEGT. - Irmgard Marboe, Universität Wien

Auch architektonisch gibt es auf dem Mond ein paar Feinheiten. Eine davon ist der Tatsache geschuldet, dass man hier oben nur ein Sechstel seines üblichen Körpergewichts wiegt. "Man bräuchte daher höhere Räume. Auch Treppenverhältnisse entsprechen nicht jenen auf der Erde", sagt Häuplik-Meusberger. Leichter bauen kann man ebenfalls, da man auf dem Mond von Wind und Wetter nicht abhängig ist. Wie solche Immobilien dann aussehen könnten, daran forscht sowohl die TU Wien als auch das britische Architektur Foster + Partner - die auch den Spaceport America konzipiert hatten. Wichtig ist für eine lunare Immobilie, dass sie über ein funktionierendes Recycling-System verfügt, da ja der Nachschub eben sehr viel kostet. Wasser gibt es auf dem Mond, wie auch Helium-3, das für Kernfusionen verwendet werden könnte - womit man sowohl Wasser als auch Sauerstoff generieren könnte. Gärtnern lässt sich in Mondimmobilien ebenfalls. Nur: Weil es am Mond keine Kanalisation gibt, müssen eben auch menschliche Hinterlassenschaften fachgerecht entsorgt werden.

Wo gibt es Grundstücke?

Dem antizyklischen Gedanken in der Immobilienwirtschaft folgend, könnte der eine oder andere aus der Branche natürlich auf Idee kommen, sich auf dem Mond Grundstücke zu sichern und diese Land- bzw. Moonbank dann langfristig zu bebauen. Doch was auf der Erde gang und gäbe ist und Grundstücke mitunter teuer macht, funktioniert so auf dem Mond nicht. Irmgard Marboe, Völkerrechtlerin im Institut für Europarecht und Internationales Recht an der Universität Wien und überdies Leiterin des National Point of Contact for Space Law, beschäftigt sich mit diesen Fragen. "Man kann keine Grundstücke auf dem Mond kaufen, da der Mond nicht der nationalen Aneignung durch Staaten unterliegt und diese damit auch kein Eigentumsrecht auf den Mond haben." Auf Deutsch: Nachdem der Mond niemandem gehört, können Grundstücke dort auch nicht verkauft werden. Das ist sogar im Artikel II im Weltraumvertrag festgehalten: "Der Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, unterliegt nicht nationaler Aneignung aufgrund von Souveränitätsansprüchen, durch Benützung oder Besetzung oder irgendeinen anderen Titel." Das schließt aber nicht explizit den Bau einer oder mehrerer Immobilien auf dem Mond aus - allerdings nur, solange klar gemacht wird, dass damit keine Aneignung des Mondes verknüpft ist, sondern nur eine vorübergehende Nutzung. "Damit wäre etwa ein Baukörper möglich, der nicht fest mit der Mondoberfläche verbunden ist bzw. nur an wenigen Punkten, wie etwa die Füße einer Raumkapsel. Allerdings muss der Schutz der Rechte und Interessen anderer Staaten und der Umwelt gebührend beachtet werden, wie das im Artikel IX des Weltraumvertrags formuliert ist", erklärt Marboe. Heißt: Für eine fixe Immobilie bräuchte man einerseits eine internationale Übereinkunft und andererseits konkrete Nutzungsverträge. Für den klassischen Immobilienentwickler bzw. Bauträger so gut wie gar nicht zu bekommen.

Wer haftet?

Wie mehr oder weniger bei jedem Bauwerk auf der Erde gibt es aber auch auf dem Mond Haftungsfragen. Diese unterliegen den UN-Weltraumverträgen, sie sind Bestandteil des internationalen Rechts. Konkret haftet der Startstaat für allfällige Schäden. "Der Staat ist verantwortlich dafür, dass anderen kein Schaden zugefügt wird (Artikel VI Weltraumvertrag). Aus diesem Grund sind die Staaten sehr darauf bedacht, Weltraumaktivitäten zu genehmigen und kontinuierlich zu überwachen, um sicherzustellen, dass möglichst keine oder kaum Haftungsfälle auf sie zukommen", erklärt Marboe. Selbstverständlich gelten auch Normen auf dem Mond, nämlich die des Weltraumvertrags. Marboe: "Ein Projekt wie das Moon Village müsste wohl am ehesten dem Rechtsregime der Internationalen Raumstation (ISS) nachgebildet werden. Für diese gibt es ein mehrschichtiges Regelwerk. Grundlage ist ein Intergovernmental Agreement der beteiligten Staaten. Darauf aufbauend gibt es Memoranda of Understanding der beteiligten Weltraumagenturen (NASA, ESA, Roscosmos, CNES...) und weitere Verhaltenskodizes für Astronauten." Immobilienwirtschaftlich betrachtet dürfte also die Immobilie auf dem Mond vielleicht doch kein so gutes Geschäft sein. Schließlich hat der Developer auf der Erde eh schon genug mit Kosten und Normen zu kämpfen.