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Das ganze Jahr Weihnachten

Hinter den Kulissen eines Wiener Weihnachtsmarktes.

Autor: Barbara Wallner

Renate Jindra-Metal macht Keramik. Kleine Hirsch- und Marienkäfer für den Garten, bunte Vasen und Fliesen. Sie verkauft sie unter anderem auf dem Adventmarkt am Karlsplatz. Jetzt, Anfang November, merkt man davon freilich noch nicht viel. Überall um uns herum wird gehämmert und gebohrt, seit Ende Oktober nehmen die ersten Hütten Form an. Jindras Hütte steht schon, als ich sie besuche. Bei selbst gemachten Mini-Schaumröllchen und Tee aus der Thermoskanne gibt sie mir einen kleinen Blick hinter die Kulissen eines Weihnachtsmarktes.

Derzeit sind die Zeitungen gefüllt mit Nachrichten über Böller im Weihnachtskostüm und Müllcontainer, die Fahrzeuge von den Weihnachtsmärkten fernhalten sollen. Doch diese - neuen und öffentlichkeitswirksamen - Maßnahmen sind nur die Spitze eines Eisberges an Sicherheitsauflagen und Genehmigungen, die den Marktveranstaltern das Leben nicht gerade einfacher machen. Der Verein Divina Art, der den Adventmarkt am Wiener Karlsplatz betreibt und bei dem Renate Jindra Mitglied ist, hat dem Immobilien Magazin einen kleinen Einblick in die Behördenwege gegeben, die dem Weihnachtsidyll vorausgehen. Aufschlussreich ist auch ein Telefonat mit Vereinsobmann Karl Trabe, der mir aus dem Gedächtnis Amt für Amt aufzählt, zu dem ihn sein Weg zum Markt führt.

Der Adventmarkt Karlsplatz findet im Resselpark statt, Grundeigentümer ist also das Stadtgartenamt (MA 42). Dieses muss den ersten Sanktus dazu geben, dass überhaupt ein Markt stattfinden darf. Außerdem notwendig ist ein jährlicher Baumbefund, der verhindern soll, dass nichtsahnende Punschtrinker das Schicksal des armen Ödön von Horvath teilen. Zur Erinnerung: Der Autor wurde auf der Pariser Champs-Élysées von einem Ast erschlagen. Sind alle Bäume auf Wetterfestigkeit getestet, kann beim Marktamt (MA 59) eine Genehmigung für einen Anlassmarkt beantragt werden. Diese gilt immer nur für einen Markt - keiner der Wiener Märkte hat also eine fixe Genehmigung für mehrere Jahre. Dementsprechend jährlich fällig ist natürlich auch ein aktueller Marktplan, auf dem alle Stände und sonstigen Einrichtungen genau verzeichnet sind. Überprüft wird dabei auch, dass die Gassen zwischen den Ständen mindestens vier Meter breit sind, damit Rettung und Feuerwehr bei Bedarf zufahren können. Oft schon Mitte des Jahres gibt es eine Begehung des vorgesehenen Geländes, zu dem die MA 59 unter anderen einen Vertreter der Elektrizitätswerke und von Wien Kanal lädt. Sollte übrigens ein Kanaldeckel gehoben werden müssen, ist die dazugehörige Genehmigung bei der MA 28, (Straßenverwaltung und Straßenbau) einzuholen. Wer sich jetzt schon an die kultverdächtige Comicverfilmung "Asterix erobert Rom" erinnert fühlt, möge aufhören zu lesen, denn wir sind noch lange nicht fertig. (Asterix und Obelix müssen hier im Rahmen von 12 Aufgaben von einem Amt mit dem Spitznamen "das Haus, das Verrückte macht" den "Passierschein A38" holen. Wer es noch nicht kennt: ganz klarer Immobilien-Magazin-Filmtipp!) Und weiter geht es an die technischen Details mit der MA 36 (technische Gewerbeangelegenheiten, behördliche Elektro- und Gasangelegenheiten, Feuerpolizei und Veranstaltungswesen). Hier kann man gleich einen größeren Brocken erledigen: Gasbewilligung, Lichtüberspannungen, Bühne, Rahmenprogramm und Tierschau werden zur Bewilligung eingereicht. Kurz bevor ich Jindra auf dem Markt besuche, trifft sie in diesem Zusammenhang übrigens einen Elektriker, der überprüft, dass alle Sicherungen funktionieren und die Stromanschlüsse entsprechend nässegeschützt sind. Bei so viel Holz, Stroh und Reisig an einem Ort geht man da lieber kein Risiko ein. Die Tierschau allerdings ist mit der MA 36 noch nicht fertig - diese führt nämlich nur die Eignungsfeststellung der Veranstaltungsstätte durch. Für das leibliche Wohl der lieben Viecherl und damit für das finale OK ist die MA 60, Veterinärdienste und Tierschutz, zuständig. Sobald das alles nun genehmigt und bewilligt ist, kann endlich aufgebaut werden. Ein letzter Antrag bei der MA 46, Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten, sorgt für eine Zufahrtsgenehmigung für die Zeit des Aufbaus. Und dann ist es fertig. Dampfender Punsch, glitzernde Deko und Kunsthandwerk, so weit das Auge reicht. Von dem Aufwand im Hintergrund sieht der Besucher nichts. Kann man zumindest entspannen, sobald der Weihnachtsstress vorbei ist? Wann reicht denn Karl Trabe die ersten Anträge ein? "Anfang Jänner", kommt die ganz selbstverständliche Antwort. Für manche ist eben das ganze Jahr Weihnachten.

"Knüspern” für den guten Zweck

Häuser der anderen Art vermittelt Remax dieses Jahr: Schüler aus ganz Österreich backen „Knüsperhäuser, die interessierte auf www.remax.at/knüsperhäuser ersteigern können. Der gesamte Gewinn kommt Licht ins Dunkel zugute.

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