Immobilien Magazin

Das Meisterstück

Es kommt im Leben nicht sehr oft vor, dass man das perfekte Objekt findet. Michael Schmidt hat es gefunden - und wird daraus etwas Besonderes machen. Ein herrschaftliches Zinshaus in der Skodagasse wird so in neuem Glanz erstrahlen.

Autor: Charles Steiner

Michael Schmidt hat mit seiner 3SI Immogroup bereits zig Zinshausprojekte realisiert. Doch das, was er jetzt in Angriff nimmt, ist für ihn etwas Besonderes. Ein riesiges, herrschaftliches Haus in der Skodagasse im 8. Bezirk. Wenn er davon erzählt, dann leuchten die Augen ganz anders bei ihm, als man es sonst gewohnt ist. Gleich zu Beginn des Gesprächs sagt er ohne Umschweife, dass es sein Lieblingsprojekt sei. "Dieses Haus ist perfekt, ein Objekt, das man nur sehr selten in seinem ganzen Leben findet", schwärmt Schmidt. Zu Recht, wenn man das Haus von außen und innen betrachtet. Die Dimensionen sind riesig - genau, wie die Potenziale auch. Und die Geschichte. Der Kurzzeit-Bundeskanzler aus der ersten Republik, Ernst von Streeruwitz, wohnte schließlich einmal dort. Daran erinnert eine in Marmor gemeißelte Plakette, direkt rechts beim Eingang.

Neue Maßstäbe

Es wird also das Meisterstück für Schmidt werden, all das, was ein Zinshaus ausmacht, nur größer. Weswegen als Projektname "The Masterpiece" gewählt wurde. Das Haus wird jetzt revitalisiert, mit allen Annehmlichkeiten, die für den Bewohner von heute unerlässlich sind. "Mit dem Projekt Skodagasse will ich ganz neue Maßstäbe im Zinshausbereich setzen." Immerhin: In dem Objekt gehen sich 3.650 m² Wohnfläche aus, gut 900 m² davon entfallen auf einen großzügigen Dachgeschossausbau, der einen einzigartigen Blick über ganz Wien ermöglicht. Allerdings: Die Sanierung wird ihn, wie er sagt, jede Menge Geld kosten. 35 Wohnungen zwischen 40 und 150 m² werden es dann sein, solche, in denen man nicht wohnt, sondern residiert. Mitten in der Stadt und perfekt angebunden an den öffentlichen Verkehr. Zumal im achten Bezirk, einem elitären Grätzel, wo viele alteingesessene Wiener leben. "Die Josefstadt hat einen ganz eigenen Flair, wie man ihn in Wien sonst nicht findet", erzählt Schmidt. Mit diesem Objekt habe er etwas ganz Besonderes gefunden, mit schöner, gegliederter Fassade.

Aber bis Michael Schmidts Meisterstück vollendet ist und in neuem Glanz erstrahlt, gibt es noch einiges zu tun. Doch von Anfang an: Wie kommt man zu einem solchen Herrenhaus? Schließlich sind Objekte in der Größendimension und mit dem Entwicklungspotenzial äußerst rar gesät. "Eigentlich durch Zufall", erzählt Schmidt. Vor etwa zwei Jahren habe er das Angebot für dieses Haus erhalten. Da hat er dann nicht lange überlegt und sowohl Vater Harald als auch Bruder Claus überzeugt. Was nicht lange gedauert hatte, gibt Schmidt zu, denn beide waren einverstanden. Wenn Michael Schmidt an ein Projekt glaubt, könnte man es ihm ohnehin nicht mehr ausreden. Das weiß man in der Familie. Um zu unterstreichen, wie sehr er an sein Projekt glaubt: "Zum ersten Mal in mei-nem Leben habe sogar ich mir überlegt, in die Stadt zu ziehen und in diesem Haus eine Penthouse-Wohnung einzurichten." Worte, die man so bei anderen Projekten von ihm noch nicht gehört hat.

Viel Platz

Denn es ist nicht nur die historische Grundsubstanz mit allem, was Michael Schmidt bei einem Gründerzeithaus wichtig ist - geschwungene Treppen, Stuckaturen, gegliederte Fassaden, bei dem Objekt sogar mit eher seltenen Erkern versehen. Es sind auch die vielen Freiflächen, die zu den Wohnungen noch hinzukommen - was bei einem Gründerzeithaus mit denkmalgeschützter Fassade auch nicht unbedingt einfach ist. Keine kleinen Balkone, wo man vielleicht einen Klappstuhl und ein kleines Sofa-Tischchen aufstellen kann. Richtige Terrassen. Wo man Platz findet, verweilen will. Abschalten kann. "22 Prozent der Flächen an diesem Haus werden Freiflächen sein", rechnet Schmidt vor - Dimensionen, wie man sie sonst nur in einem Neubau finden kann. Bis dahin ist es aber noch ein gewisser Weg, der baulich durchaus eine Herausforderung ist: "Wir haben uns dazu entschlossen, innen so gut wie alles neu zu machen. Die Raumaufteilung wird komplett überarbeitet, teilweise tragende Mauern entfernt und durch Stahlrahmen ersetzt. Auch neue Grundrisse werden entworfen, wenngleich der Charme des Altbaus selbstverständlich erhalten bleibt", erzählt Schmidt seine nächsten Schritte. Flexibel sollen die Grundrisse sein, je nach Wunsch erweiterbar. Große, offene Wohnküchen sind ebenfalls geplant. "Im Endeffekt ist es eine Totalentkernung und dann alles neu aufgesetzt", so Schmidt. Übrig bleiben die Außen- und Mittelwände. "Eigentlich fast wie ein Neubau, wobei das Schöne vom Altbau erhalten bleibt", wirft er ein. Das bedeutet allerdings Millimeterarbeit, denn auch, wenn die Maßnahmen grob klingen, darf die historische Substanz dabei nicht zerstört werden. Die Planungsphase ist eine ganz andere als im Neubau, Schmidt muss sich viel mehr einbringen, sucht Parkettböden und Fliesen aus: "Da kriegt man nicht nur 3SI, sondern Michael Schmidt höchstpersönlich", umschreibt er seine persönliche Verbindung zum Objekt. Das kostet auch wesentlich mehr als ein Neubau an der Stelle, über 13 Millionen Euro sind dafür fällig. "Im Endeffekt gehen wir wieder zurück in die Zeit, in der das Haus gebaut worden ist, und orientieren uns an der damaligen Struktur - nur besser und moderner", so Schmidt.

Viele Anfragen

Obwohl man mit "The Masterpiece" erst am Anfang ist und noch nicht einmal der Verkauf gestartet ist, verweist Schmidt bereits jetzt schon auf Dutzende Anfragen von Interessenten. "Ich habe viele Interessensbekundungen erhalten, von Leuten, die nur das Modell im Besprechungsraum im Büro gesehen haben. Auch viele Leute aus der Immobilienbranche waren dabei, die dort gerne eine Eigentumswohnung zur Selbstnutzung kaufen wollen" berichtet der Zinshausexperte. Was ihn natürlich zusätzlich motiviert, denn wenn schon er selbst darin wohnen wollen würde und seine Branchenkollegen auch - dann, sagt er, dann hat er alles richtig gemacht. "Das heißt ja was. Eine bessere Bestätigung für die Arbeit gibt es nicht", schießt er nach. Auch sei er gefragt worden, ob er das Haus nicht verkaufen wolle - ein Geschäftsmodell für doch einige Branchenteilnehmer. Doch er winkte ab: "Nein. Das ist ein Haus, dass ich zu 100 Prozent selbst bauen will", gibt er sich selbstbewusst.

Denn damit will er auch in die nächste Liga aufsteigen, die der Mega-Zinshaus-Projekte. Dort neue Standards setzen, seine Leidenschaft mit seinem Geschäft so verbinden, dass man sie spürt. Dieselben Emotionen bei den Bewohnern wecken, wie er sie hatte, als er das Objekt gekauft hatte. Man könnte fast meinen, zu seinem runden Geburtstag - Schmidt wird heuer 40 - will er der Stadt Wien wieder etwas zurückgeben, etwas Schönes, Wertbeständiges, Seltenes. Etwas passenderes als sein "Lebensprojekt" könnte man da kaum finden.