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Das Multitalent

Über "das Drama" des Vielbegabten oder wie Franz Kollitsch gelernt hat, seine Fähigkeiten alle unter ein Thema zu stellen.

Autor: Barbara Bartosek

Naja - sagen wir fast alle, denn seine Musikambitionen haben noch keinen institutionalisierten Einzug in die Strategie seines Immobilienentwicklers Invester gehalten. Wenngleich auch in lauen MIPIM-Nächten die Partner, Kunden und sonstigen Gäste des Unternehmens auf dessen bescheidenem Boot durchaus auf ein Ständchen und eine Keyboard-Darbietung des Gastgebers hoffen dürfen. Franz Kollitsch ist in der Szene dennoch nicht unbedingt für sein künstlerisches Talent bekannt, sondern vielmehr für sein gutes Gespür für Timing, die richtigen Partner und echte Chancenfelder in der zentraleuropäischen Immobilienwirtschaft. Dabei war es schon hilfreich, dass Kollitsch in ein Bauunternehmen hineingeboren wurde - in die Ecke des Technikers lässt er sich aber deswegen nicht gerne verbannen. "Meine erste Berufsrolle war wohl die des Zivilingenieurs für Bauwesen. Heute bin ich in erster Linie Investor und Projektentwickler", sagt Kollitsch über die Verlagerung der Schwerpunkte in seinem beruflichen Profil. Ein Vollkaufmann mit technischem Background und mit einer sehr guten Orientierung auf allen Ebenen des Baugewerbes, das ist wohl die treffsicherste Zusammenfassung. "Mit 12 Jahren stand ich das erste Mal einen Tag lang in einer Baugrube. Danach war mir klar, dass ich ein technisches Studium locker schaffen und meinen Weg in der Branche gehen werde."

Von Graz nach Wien

Und damit hat recht behalten. Nach seinem Studium in Graz zog es ihn nach Wien, um dort seine ersten beruflichen Erfahrungen abseits des Familienunternehmens zu machen. Er begann in einem großen Ingenieurbüro zu arbeiten, um sich dieses Leistungsspektrum im Detail zu erschließen. In seinen Berufsanfängen hat er dann Klaus Stanek kennengelernt, der gerade dabei war, sich mit dem Zivilingenieurswesen selbstständig zu machen. Kollitsch hat sich ihm spontan und nach nur zweieinhalb Jahren als Angestellter angeschlossen, und so gründeten die beiden gemeinsam mit Kollitschs Gattin Eva-Maria die KS Ingenieur ZT GmbH. Damals zählte der Jungunternehmer gerade einmal siebenundzwanzig Lenze. Von der ursprünglichen Idee, in den elterlichen Betrieb in Kärnten zurückzukehren, war er ohnehin nach seinen ersten Erfahrungen in Wien schnell abgerückt. Zumal sein Bruder die Laufbahn im Familienunternehmen eingeschlagen hat und damit der Fortbestand des Betriebes gesichert war. Das junge Ziviltechnik-Unternehmen hat es rasch mit sehr direkten Methoden zum Aufschwung gebracht - durch beharrliche Kaltakquise kam es zu den ersten Aufträgen. Wer damals in Wien gebaut hatte, durfte mit einem Anruf und anschließenden Angebot des Büros rechnen. Die teilweise noch unerfahrene Truppe hatte sich tapfer durch alle sich bietenden Chancen durchgekämpft. "Als wir unseren ersten Dachbodenausbau machen sollten, stellten wir bei der Besichtigung im Stillen fest, dass keiner von uns davor je in einem Rohdachboden gestanden ist", erinnert sich Kollitsch. Das Projekt ist trotzdem gut geglückt - laut dem heutigen "alten Hasen" "dank Fleiß und der richtigen Einstellung zur Arbeit". Der Durchbruch kam dann mit einer für das junge Unternehmen verhältnismäßig großen Beauftragung für den Bau des Millennium Towers. Die hatte sich für das Team ungefähr genauso herausfordernd angefühlt wie einige Zeit davor der Dachboden - denn in und an solchen Dimensionen ist bei den KS Ingenieuren zu diesem Zeitpunkt noch nicht gearbeitet worden. "Diese Chance hatten wir der ganz persönlichen Strategie von Stumpf zu verdanken. Wir haben stark unterpreisig angeboten, und das war für ihn schlicht wichtiger als entsprechender Track Record. Das war unser Einstieg", so Kollitsch. Fairerweise darf man hier anmerken, dass ein Hochhaus in dieser Größe für die meisten Beteiligten irgendwie Neuland war. Dem Vernehmen nach war Stumpf für viele am Bau beteiligten Gewerke kein leichter Auftraggeber. Für die Zusammenarbeit mit dem schwierigen Bauherrn hatte Kollitsch aber im Zuge der Errichtung eine gemeinsame Formel gefunden, die danach auch zu Folgeaufträgen geführt hat - Aufträge, die dann schließlich auch "etwas abgeworfen" haben.

Y Towers. Das größte Projekt der Invester United Benefits sind die Y Towers, die die Skyline von Amsterdam prägen werden.

Nachdem das Büro eine entsprechende Größe erreicht hatte, konnte sich Kollitsch 2007 wieder auf neue Herausforderungen konzentrieren. Dem Wunsch folgend, sich von der Rolle des Technikers zu emanzipieren, gründete er gemeinsam mit Fiedler und Wögerer die RED - Real Estate Development und eroberte das Feld der Investmentberatung. Das Unternehmen spezialisierte sich darauf, deutsche Fonds bei ihrem Auftritt in Österreich zu unterstützen. Nicht als Makler, sondern als Full Service Partner. Die deutschen Player waren da in Österreich noch nicht besonders etabliert, und so konnten die Marktkenntnisse und die fachlich fundierte Begleitung der RED bei den Investoren sehr gut punkten. Damals war außerdem gerade die spannende Zeit im ehemaligen Osten, wo neue und vielversprechende Betätigungsfelder für die österreichischen Unternehmen aufgegangen sind. Kollitsch wollte aus diesem Anlass aus der reinen Ingenieurrolle bzw. des Beraters heraus zum Co-Investor werden. Aber weder seine Partner im ZT Büro noch die RED haben dabei mitgezogen, da sie die Risiken der Investitionen, aber auch die Unbequemlichkeiten der entfernten Projektorte und die damit verbundene Reisetätigkeit scheuten. Mit dem langjährigen Freund und Umsetzer im Bereich Immobilien-Großprojekte Herbert, Hetzel, hat das Ehepaar Kollitsch daraufhin die APM Holding aufgesetzt, mit der die drei nun unabhängig von ihren anderen Unternehmungen progressiv in den Osten gehen konnten. Gemeinsam mit den Partnern CA Immo und der Immo East wurden Projekte in Ungarn, Rumänien, Serbien sowie der Ukraine und in Polen umgesetzt. Durch seine Bereitschaft, die Risiken zu evaluieren und letztlich auch einmal alles auf eine Karte zu setzen, kam Kollitsch in erste Beteiligungsrollen und wuchs immer mehr in das Feld der Immobilienentwicklung hinein.

Start mit Shoppingcenter

Kollitsch lernte in den 90er-Jahren im Zuge seiner Tätigkeiten Erwin Krause kennen - seinen jetzigen Partner bei Invester. Zwischen 2002 und 2004 haben sie gemeinsam kleinere Projekte umgesetzt. Das erste große Projekt in Parndorf haben die beiden vor gut einem Jahrzehnt in Angriff genommen, im Zuge dessen sie Flächen am Shoppingcenter Areal zusammen entwickelten. Weil sich die beiden Geschäftsmänner in der Partnerschaft gut ergänzen, führten ihre komplementären Fähigkeiten zu weiteren Projekten. Irgendwann störten die getrennten juristischen Personen des Teams in ihrem gemeinsamen Marktauftritt. Daher wurde schließlich letztes Jahr im Sommer 2016 das verbindende Vehikel, die Invester United Benefits GmbH, gegründet. Kollitschs Gattin Eva-Maria war von Anfang an als CFO mit dabei. Sie hat wie ihr Mann ein Technikstudium absolviert und sich den immobilienspezifischen kaufmännischen Hintergrund im 2. Bildungsweg erschlossen. Gemeinsam können die drei flexibel auf den Markt reagieren und legen sich nicht auf bestimmte Assetklassen fest - sondern konzentrieren sich auf geschulten Sinn, Chancen zu erkennen. "Die Nachfrage seitens der Investoren ändert sich stetig. Wir stellen uns nicht in eine Ecke, sondern konzentrieren uns auf die Länder, in denen wir mit unserer Mentalität und Kultur schnell verlässliche Partner finden und diverse Stakeholder zufriedenstellen können", erklärt Kollitsch. Der zentraleuropäische Raum bleibt aus seiner Sicht spannend, besonders Ungarn und Rumänien. Das derzeit größte Projekt ist aber in den Niederlanden: die Y Towers in Amsterdam. Dort hat sich die persönliche Vorgehensweise des Bau- und Immobilienexperten einmal mehr bewährt, denn in kürzester Zeit konnten vor Ort die notwendigen Beziehungen aufgebaut werden. "Ohne tiefe persönliche Vernetzung kann man solche Projekte nicht in kurzer Zeit aufsetzen. Mit einer wertschätzenden Auswahl von lokalen Partnern und einem achtsamen, demütigen Umgang mit allen Beteiligten kann man die Menschen für sich begeistern. Das machen nicht alle so - die Mentalität deutscher Unternehmen weicht da nicht selten ab, aber auch lokale Player tun sich oft schwer", sagt Kollitsch über die kurze Genehmigungsdauer von 18 Monaten. In einem beruflich erstmals betretenen Land.

Familie als Ausgleich

Ausgleich zu seinem dichten beruflichen Alltag findet Kollitsch in einem bewegten Familienleben - zwei Töchter und ein Sohn halten ihn auf Trab -, durch Sport und in seiner Musik. Auch hier gibt sich der Macher nicht mit halben Sachen zufrieden. Wenn schon ein Iron Man, dann ein ganzer - wie in den Jahren 2007 und 2008. Demnächst wird auch wieder einmal ein Marathon (und natürlich kein halber) in Angriff genommen. Aber zurzeit widmet sich Privatmensch Franz in seiner Freizeit ganz einem musikalischen Projekt, das ihn am Keyboard und als Konzeptionist mit weiteren Musikern regelmäßig zusammenführt. In diesem Kontext hat das Medium YouTube vor einiger Zeit Franz Kollitschs Interesse geweckt, denn es bietet einen ganz neuen Raum für seine künstlerischen Ambitionen. Und wer weiß - vielleicht können wir ihn ja bald als Meister der Klicks noch zu ganz anderen Erfolgen beglückwünschen. Wir werden auf jeden Fall surfen!

Von der Baugrube zum Investor

Franz Kollitsch wurde in ein Bauunternehmen hineingeboren. Nach seinem Studium in Graz arbeitete er in Wien in einem großen Ingenieurbüro. Gemeinsam mit Gattin Eva-Maria und Klaus Stanek gründete Kollitsch dann die KS Ingenieur ZT GmbH, deren Durchbruch mit einer Beauftragung für den Millennium Tower gelang. Mit der RED war Kollitsch dann als Investmentberater tätig. Zum Investor wurde Kollitsch mit der Gründung der APM Holding. 2016 gründete er gemeinsam mit Erwin Krause die Invester United Benefits.