Immobilien Magazin

Der erste Klick zählt am meisten

Immobilien-Suchmaschinen sind in der Immobilienbranche mittlerweile fest verankert. Um aber dort als Anbieter einer Plattform reüssieren zu können, ist die Bildung einer starken Marke unverzichtbar, sagt immowelt-CEO Carsten Schlabritz im Gespräch mit Charles Steiner.

Autor: Charles Steiner

Vor zwei Jahren begann in Deutschland die Fusion von Immowelt und Immonet. Was war damals ausschlaggebend für die Entscheidung, die beiden Unternehmen zusammenzuführen? Carsten Schlabritz: Der Zusammenschluss von Immowelt und Immonet unter dem Dach der Immowelt Group war ein konsequenter Schritt, um unsere gemeinsame Position am deutschen Markt zu stärken. Seit zwei Jahren können wir uns jetzt auf eine gemeinsame Wachstumsstrategie konzentrieren. Das war damals auch eine zentrale Entscheidung: Wollen wir weiter untereinander um Platz 2 und 3 in Deutschland kämpfen oder gemeinsam die Marktführerschaft ins Visier nehmen.

Sehr stark bemerkbar ist, dass Immowelt seine Marke stärker ausbauen will. Wie wichtig ist heute Markenbildung für Onlinesuchmaschinen? Schlabritz: Eine starke Marke ist unverzichtbar - auch und vor allem online. Dabei geht es nicht allein um Bekanntheit, sondern besonders um Bindung. Viele Anbieter sind sehr direkt vergleichbar, immer nur einen Klick entfernt. In einem solchem Umfeld ist auf Dauer erfolgreich, wer neben exzellenter Leistung auch eine starke Marke aufbaut und die Kunden hält. Deshalb investieren wir seit Jahren stark in das Thema Branding. Besonders wichtig ist der "erste Klick", also welches Portal zuerst aufgerufen wird. Hier entscheidet sich oft, wo gesucht oder inseriert wird. Unsere aktuelle Kampagne "immo erst zu immowelt" bringt diesen First-Click-Gedanken auf den Punkt. Das Herzstück der Kampagne, unser Musikvideo, läuft enorm erfolgreich, vor allem auf Youtube: Mehr als 15 Millionen Views kann der Clip in Österreich, Deutschland und der Schweiz vorweisen.

Eine starke Marke ist unverzichtbar - auch und vor allem online.

Ebenso ist aus Erhebungen einer Umfrage ersichtlich, dass sehr viele Makler in Österreich Immowelt als Plattform für die Vermarktung ihrer Objekte nutzen. Ist das ein Effekt der starken Markenpräsenz? Schlabritz: Unseren starken Erfolg in Österreich verdanken wir auch den hohen Investitionen im Marketing, aber ebenso der unermüdlichen Arbeit unseres Vertriebs und den Anstrengungen in der Technik. Die Mitarbeiter dort geben alles, um das Portal immer besser zu machen. Unser immowelt.at-Vertriebsteam, das wir Anfang des Jahres personell aufgestockt haben, erlebt in Österreich eine unglaublich offene und verbindliche Atmosphäre. Wir spüren, dass wir in der österreichischen Immobilienbranche angekommen sind. Der Lohn für unsere Arbeit waren in 2017 zwei neue Bestmarken: im Januar 1,4 Millionen Besuche auf immowelt.at und im März erstmals mehr als 60.000 Objekte, die bei uns inseriert waren.

Immer öfter werden Tools wie etwa Online-360-Grad-Besichtigungen angeboten. Welche technischen Neuerungen sind bei Immowelt geplant? Schlabritz: Die 360°-Ansichten bieten wir seit Ende letzten Jahres, diese neue Darstellung kommt überall sehr gut an. Neue Präsentationsformen für Immobilien sind dann auch ein wichtiger Schwerpunkt unserer Entwicklung. Das nächste wichtige Thema heißt: Mobile first, bereits 63 Prozent der Besucher auf immowelt.at surfen mit Smartphone oder Tablet. Deshalb verbessern wir ständig Bedienungskomfort und Darstellung für jedes Endgerät. Derzeit arbeitet unser Entwicklungsteam daran, die Kommunikation zwischen Anbietern und Interessenten noch einfacher zu gestalten. Mit der Maklersuche haben wir vor kurzem ein Verzeichnis von Immobilienprofis gestartet, das wir privaten Vermietern und Verkäufern präsentieren. Konkrete neue Produkte in der nahen Zukunft sind anpassbare Kontaktformulare und, besonders interessant für Gegenden mit sehr hoher Nachfrage, eine einstellbare Obergrenze für Anfragen. Sollte sich abzeichnen, dass in Österreich das Bestellerprinzip eingeführt wird, stehen wir unseren Kunden mit unseren umfangreichen Erfahrungen aus Deutschland zur Seite.

Wie bewerten Sie generell die Zukunft von Onlinesuchmaschinen? Wie würde der Markt in fünf oder zehn Jahren aussehen? Schlabritz: Immobilienportale sind heute die beherrschende Vermarktungsform. Um diese Position zu behaupten, müssen wir mit den technischen Neuerungen Schritt halten. Dann erwartet uns auch in der Zukunft ein starkes Wachstum. In Österreich hat diese Entwicklung in den letzten Jahren rasant an Fahrt aufgenommen. Unsere Kunden auf immowelt.at profitieren in diesem Wandel von dem Know-how, das wir in den vergangenen 25 Jahren aufgebaut haben. In Zukunft wird vor allem wichtig sein, den richtigen Interessenten mit dem richtigen Objekt zusammenzubringen. Intelligentes Matching zwischen den Anforderungen eines potentiellen Käufers oder Mieters und den Eigenschaften einer Immobilie wird die Vermarktung beschleunigen und die Prozesse bei den professionellen Vermarktern straffen. Mit solchen Ansätzen, dem beständigen Neuerfinden von Abläufen, werden wir auch in zehn Jahren und darüber hinaus den Großteil der Immobilienvermarktung auf professionellen, spezialisierten Portalen erleben.