Immobilien Magazin

Der Festspiel-Bumerang

Seit Jahren lockt Salzburg zahlungskräftige Kundschaft aus dem In- und vor allem Ausland an. Durch den Lock-Down bleiben sie aus - und das wird über kurz oder lang zu Korrekturen nach unten führen.

Autor: Charles Steiner

Nicht einmal alteingesessene Salzburger haben das je erlebt. Wo zuvor in der Getreidegasse vor lauter Menschenmassen kein Durchkommen war, ist jetzt alles wie leergefegt. Statt Touristen mit Kameras haben jetzt die Tauben das Sagen in den touristischen Hotspots, nur vereinzelt sind Menschen zu sehen, die entweder ihre Beine vertreten wollen oder noch dringende Einkäufe zu tätigen haben. Ansonsten ist es still. Eine Stille, wie sie auch Christian Schnellinger, stellvertretender Fachgruppenobmann der Salzburger Immobilien- und Vermögenstreuhänder, noch nicht erlebt hat. Zwar haben die meisten Läden in der Getreidegasse bereits geöffnet, doch der Andrang, wie etwa bei den Baumärkten in den ersten Tagen, ist ausgeblieben. "Die Leute überlegen sich, ob sie sich Sachen wie etwa Turnschuhe kaufen." Denn noch hat er auf dem ohnehin schon sehr teuren Salzburger Markt noch keine Abschwächungen bemerkt. Im Gegenteil: Es würden Sicherheitskäufe getätigt werden, um das Kapital zu schützen. Im Kaufsegment sind die Preise nach wie vor hoch. Unter 3.000 Euro im m² ist de facto im ganzen Stadtgebiet nichts zu bekommen. Durch den Niedrigzinsdienst, sagt Schnellinger, wird sich das auch nicht so schnell ändern.

Preiskorrektur

Doch Christoph Oßberger, Leiter Immobilienvermittlung ÖRAG West rechnet damit, dass es vor allem im Mietsektor noch zu Korrekturen nach unten kommen wird. Denn es habe in der letzten Zeit immer mehr Entwickler gegeben, die spät in den Markt eingestiegen sind und aufgrund der Nachfrage damals auch in mäßigen Lagen recht hohe Preise verlangt hätten. Die werden Probleme kriegen. Oßberger: "Da wird man spätestens im dritten Quartal sehen, wie die Projekte finanziert werden. Da kann es schon zu Veräußerungen kommen." Und: "Ob manche Bauherren für Lagen wie Glanboden oder Liefering 14,50 Euro im Quadratmeter verlangen können, ist fraglich. Da wird man sich schon die Frage stellen, wie man das Projekt anders verwerten könnte." Gerade nach der Krise wird leistbarer Wohnraum gefragt sein. Oßberger bezweifelt in dem Zusammenhang, dass auch Besserverdiener bereit seien, diese - überzeichneten - 14,50 Euro im Quadratmeter auch zu bezahlen. Sein Resümee: "Der Wohnungsmarkt ist kein Markt für das schnelle Geld. Das zeigt sich jetzt."

Nicht nur bei Wohnimmobilien ist mit der einen oder anderen Korrektur zu rechnen. Besonders getroffen wird durch die Covid-19-Krise der Tourismus generell - und die damit verbundene Hotellerie und der Einzelhandel. Gerade beim Tourismussektor gebe es, so Oßberger, jede Menge Hotelentwicklungen, die sich zum größten Teil auf asiatische Klientel konzentriert haben. "Diese Touristen fallen jetzt einmal bis aufs Erste weg", so Oßberger, man wisse nicht, wann sie wiederkommen. Für jene Destinationen, die nur auf diese Reisegruppen gesetzt hatten, wird es damit eng. Hier habe es einige Fehlentwicklungen gegeben, nun müsse man sich überlegen, wie man mit ihnen umgeht, ist sich Oßberger sicher.

Zumindest während des Lockdown und den zugehörigen Maßnahmen brechen auch andere Gästeschichten ein: Die der gut betuchten Ausländer, die Salzburg aufgrund der traditionellen Festspiele besuchen. Für heuer sind nämlich die Pfingstfestspiele schon einmal passé - und ob die Festspiele im Sommer stattfinden, ist aus heutiger Sicht nach wie vor mehr als fraglich, das könne erst Ende Mai entschieden werden. Und auch wenn: Wann die Grenzen für diese Besucher offen sein werden, steht genauso in den Sternen. Übrig bleiben daher die Salzburger. Christian Schnellinger rechnet bereits damit, dass in der Hotellerie und Tourismus einige Betriebe auf den Markt kommen werden. "Dadurch, dass auch die Touristen ausbleiben, werden wohl die Banken Kredite fällig stellen müssen", sagt er, er habe bereits Objekte zur Bewertung erhalten. Wann wieder Normalität in den Gassen Salzburgs eintreten wird, vermag niemand zu sagen. Nur, dass der Schaden immens sein wird, da sind sich alle einig. Man wird wohl die Krise gemeinsam meistern müssen - aber das gilt ohnehin für ganz Europa. Oder besser noch - die ganze Welt.