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Der Glücksfall

Es gibt Mitarbeiter, da sind Arbeitgeber froh, wenn sie auf Reisen gehen. Und umgekehrt. Selten ist, dass der frühere Chef und der ehemalige Mitarbeiter, jetzt Konkurrent, Freunde sind. Christoph Schäffer ist so ein Fall.

Autor: Gerhard Rodler

Zwei Kehren noch, dann ist der Gipfel erreicht. Um bei dieser sommerlichen Hitze Rad zu fahren, muss man schon eine gewisse Neigung mitbringen. Wer dann auch noch nach Höhenmetern radelt, der ist schon aus einem besonderen Holz geschnitzt. So wie Christoph Schäffer beispielsweise. Der neue CEO der ebenfalls relativ neu aufgesetzten NOE Immobilien Development AG (NID) ist ganz offensichtlich das, was man als natürlich ehrgeizig bezeichnen wird. Eben in allen Lebensbereichen - beruflich wie privat. Einer, der am Ende des Tages nie zu 100 % mit sich selbst zufrieden ist - und der es am nächsten Tag eben noch um das eine Quäntchen besser machen möchte.

Ein Glücksfall für den Arbeitgeber

Solche Typen sind der ultimative Glücksfall für jeden Chef oder Eigentümer. Dummerweise ist das den betreffenden "Ehrgeizigen" oftmals gar nicht so in dieser Tragweite bewusst, vielleicht auch, weil sie weniger Zeit und Gedanken für Eigenmarketing aufwenden als mancher "Blender" in der Branche. Einer, bei dem man gut daran tut, auch auf die klugen Zwischentöne und Nebensätze zu achten, weil immer "etwas Gscheites" dabei ist. Christoph Schäffer ist ein Radfahrer. Einer, der gerne in der Freizeit in die Pedale drückt. Im übertragenen Sinn ist er aber das absolute Gegenteil. "Buckeln nach oben und treten nach unten", das war und ist niemals eine Option. Ganz im Gegenteil. Schon beim ersten Job - als Bereichscontroller bei der Strabag - war Schäffer kein klassischer Befehlsempfänger. Sondern einer, der immer und überall seine eigene Meinung hatte. Und diese auch vertrat. Das für viele möglicherweise Überraschende: Mit genau dieser direkten Art hat er sich relativ rasch Sympathie und vor allem Vertrauen seiner Vorgesetzten erarbeitet. Bis hin zum Porr-CEO und Mitbesitzer Karl-Heinz Strauss. Aber dazu kommen wir noch.

Die Größe des Portfolios definiert nicht die der Herausforderung.

Kämpfen oder verharren

Wie wird man so ehrgeizig? Vielleicht, indem einen nichts wirklich in die Wiege gelegt wird. Da hat man dann zwei Alternativen: Irgendwo im unteren Mittelmaß zu verharren. Oder zu kämpfen. Sich an die Spitze zu kämpfen. Wie das Christoph Schäffer gemacht hat - und auch heute noch macht. Das Studium an der TU Wien (Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Betrieb und Betriebswirtschaft) war schon die erste berufliche Steilstrecke. In den ersten Semestern wohl auch gepflastert mit Selbstzweifeln - und jedenfalls mit enormem Lerneinsatz, um mithalten zu können. Am Ende des Tages führte das "Mithalten" zu einem Abschluss unter den Top 5 % mit einem Notendurchschnitt von 1,6.

Keine Angst vor Hindernissen

Genau das scheint das Life-Script von Christoph Schäffer zu sein. Auf den ersten Blick schwer überwindbare Hindernisse und Herausforderungen, die dann mit Bravour gemeistert werden. Weil er den Kampf aufnimmt und mit hohem persönlichem Einsatz alle Schwierigkeiten meistert. In der Jugend war er eifriger Radrennfahrer. Ausdauer und (wohl dosierten) Krafteinsatz lernt man da. Besser als die anderen sein zu wollen, das ging auch gleich so weiter. Als frischgebackener "Tunnelbauer" ging er in die USA, machte sein Betriebswirtschafts-MBA (Vollzeit), jobbte bei Caterpillar, um dann letztlich bei der Porr anzudocken. Und zwar als Brückenbauer in betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Als Vorstandsassistent war seine Aufgabe, in einer neu definierten, im Marketing angesiedelten Position, die Koordination zwischen Unternehmensbereichen. Zu wenig eigenständig und verantwortungsvoll, befand er nach einem Dreivierteljahr und wechselte in die Baustoffindustrie zur Wopfinger Gruppe.

Der "Brückenbauer"

Das war dann wohl eher ganz "seins": Die Neustrukturierung der Wopfinger Transportbeton-Betriebe in Österreich, Ungarn, der Slowakei und Tschechien als CEO. Wenn man weiß, dass dieser Unternehmensbereich die Wiege der heutigen Wopfinger Gruppe an sich ist, war das ein enormer Vertrauensvorschuss von Unternehmenschef und Eigentümer Friedrich Schmid. "Ich habe mich immer als Brückenbauer gesehen. Als Vermittler zwischen den einzelnen Gruppierungen im Unternehmen", sagt Schäffer. Denn, was ihm während seiner gesamten beruflichen Laufbahn aufgefallen ist: "Es gibt fast immer einen identen Auslöser für Probleme in Unternehmen - von ganz kleinen bis hin zu den existenziellen: Dass die verschiedenen Bereiche nicht offen miteinander kommunizieren und daher bestenfalls nebeneinander anstatt miteinander arbeiten. Besonders gilt das für Techniker und Wirtschafter, die einander anscheinend manchmal gar nicht verstehen wollen." Folgerichtig war auch sein erster Restrukturierungsjob bei Wopfinger nicht aufs Köpferollen reduziert, sondern immer "ein Miteinander mit der gesamten Mannschaft. Es waren zu allermeist die Strukturen, die man ändern musste, nicht die Menschen."

Von der Pieke auf

Das war wohl auch beim Nachfolgejob im Porr-Konzern so - obwohl hier die Aufgabenstellung weniger brisant war. Als CFO der seinerzeitigen Porr Solutions (heute Strauss und Partner) war sein Aufgabenbereich so vielschichtig, wie es die Immobilienwelt selber ist. Das reichte von einem Kleinstunternehmen für Handyparken in Mödling, einem halben (!) PKW-Stellplatz auf der Laßnitzhöhe bis zum rechtlich hochkomplexen Retail- und Entertainmentcenter W3 in der Wiener City oder die vielen Autobahnkilometer in Ungarn. Alles zusammen 145 Beteiligungsgesellschaften im In- und Ausland. Er dürfte seinen Job dort sehr gut erledigt haben, immerhin kam dann der konzerninterne Ruf in die Muttergesellschaft Porr, wo er als Geschäftsführer für Konzernbeteiligungen auch die Bestandsimmobilien verantwortete - immerhin 244 Objekte in halb Europa mit einem Buchwert von 875 Millionen Euro und einer Fläche von 600.000 Quadratmetern.

Gute Beziehung zum Chef

Ein ganz beachtliches Reich, das es hier zu führen galt. Und bei dessen Management sich im Lauf der Zeit eine sehr vertrauensvolle und stabile Arbeitsbeziehung zum "Chef", nämlich zu Karl-Heinz Strauss persönlich entwickelte. Eigentlich keine Situation, in der man vermuten würde, das sich ein ambitionierter Manager auf die Reise macht, um zu einem Unternehmen zu wechseln, bei dem es - zumindest derzeit - doch deutlich kleinere Brötchen zu backen gilt. "Die Größe des Portfolios definiert nicht immer die Größe der Herausforderung", ist da Schäffers Credo. "Bei der Porr lag die Letztverantwortung unvermeidlich immer bei jemand anderem, eben Karl-Heinz Strauss. Jetzt liegt sie bei mir, und das ist für mich ein entscheidender Unterschied." Dabei hat er mit "seiner" NOE Immobilien Development AG (NID) viel vor: Er möchte das Unternehmen sukzessive zu einem der Großen unter den rein privaten Playern in Österreich machen. Hat er da ein Vorbild? "Es gibt einige Unternehmen, die in ihrer Weise für uns auch vorbildhaft sind, aber wir wollen und müssen mit der NID ein völlig eigenständiges Geschäftsmodell entwickeln und umsetzen. Wir wollen kontinuierlich wachsen, wenn auch nicht so schnell wie die Aggressivsten unserer Mitbewerber; wir wollen mehr als nur eine Assetklasse besetzen, aber keinen Bauchladen aufbauen; wir wollen im nationalen und internationalen Vergleich Top-Kennzahlen erreichen, aber wir wollen ein primär regionaler Player sein, der in seinem Heimmarkt Niederösterreich eine absolute Spitzenstellung erreicht und kontinuierlich ausbaut."

Kleine Assets, große Aufgaben

Auch wenn die Assets zusammengerechnet derzeit naturgemäß (noch) kleiner sind, das Aufgabengebiet ist dafür unvergleichlich größer geworden. "Das reicht von Roadshows auf Investorensuche im Zuge von Kapitalerhöhungen, die Betreuung und Kommunikation mit den bestehenden Investoren bis zur Akquisition von Liegenschaften im Bereich Wohnbau und Stadtentwicklung samt deren Entwicklung und Verwertung.

Ein wahrer Generalist

Christoph Schäffer ist jetzt dort angekommen, wo ihn ein roter Faden im Leben schon seit den Jahren der Ausbildung hingeführt hat: zum Generalisten. Er hat an der TU Bauingenieur (mit spezieller Ausrichtung auf den Tunnelbau) gelernt. Er hat dann in den USA ein Wirtschafts-MBA gemacht (und sich dabei sogar mit dem breiten Südstaatenakzent der dortigen Professoren arrangiert). Er, der studierte Techniker, hat dann die Ausbildung und den Abschluss zum Bilanzbuchhalter gemacht, danach die Bauträgerkonzession erworben und schließlich - eine kleine Referenz in Richtung NID-Gesellschafter Hypo Niederösterreich - die Grundlagen des Bankgeschäftes erlernt. Christoph Schäffer, der verheiratete Vater von zwei kleinen Kinder ("ich bin ein 'Spätberufener'"), ist ein 360-Grad-Manager. Einer, der mit seinen 46 Jahren noch lange nicht "satt" ist und sich immer noch weiter entwickeln will. Und er ist einer, von dem in der Branche noch viel zu hören sein wird. Hand drauf.

Zur Person - Christoph Schäffer

Im vorigen Frühjahr – dem Februar 2016 – wurde Christoph Schäffer zum Vorstandsvorsitzenden der zur HYPO NOE Gruppe gehörenden NOE Immobilien Development (NID) bestellt. Dort jongliert er mit einem Projektvolumen von ca. 281 Millionen Euro. Bevor er zur NID wechselte, war er Geschäftsführer des Baustoffherstellers Wopfinger und danach mehrere Jahre im Porr-Konzern tätig. Dort leitete er zuletzt den Bereich Konzernimmobilien und war für die internationalen Entwicklungsprojekte des Unternehmens verantwortlich; zuvor war er CFO der Porr-Tochter Strauss & Partner Development. Er studierte Bauingenieurwesen an der TU Wien.

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