Immobilien Magazin

DESTRESSED AUF MALLORCA

Große Developments haben immer ein paar Filetstücke - Luxusvillen in den Hügeln Mallorcas zum Beispiel. Bei einer großen Projektentwicklung im Osten der Insel wurden die Nobelhäuser aber zum Problem. Also wurden sie verkauft, dann wieder zurückgekauft, und nun werden sie abermals verkauft. Schnäppchen sehen aber anders aus.

Autor: Heimo Rollet

Antonio Mir kam, um das Projekt zu retten. "Die Grundidee war immer, ein 5-Sterne-Hotel zu errichten", erzählt der CEO der Cap Vermell Group. Der eher noch ruhige Osten der Insel rund um Canyamel soll zur gehobenen Destination entwickelt werden. 72 einzelne Grundstücke mit Wohnungsnutzung, Grünflächen, Sportanlagen und Flächen für Hotel und Gewerbe hatte das Unternehmen Atalaya de Canyamel dafür zusammengekauft. Da geht sich schon einiges aus auf diesen 21 Hektar, mehr als nur ein Luxushotel. Die Hügel bieten einen weiten Blick ins Tal von Canyamel, zwei Golfplätze sind im Nu erreichbar und der Duft von Rosmarin mischt sich mit Meeresluft in der Nase. Da sollte doch was gehen! Das dachten sich auch schon jene, die vor Antonio Mir am Ruder waren, und verkauften hugsflugs ein paar Grundstücke an einen deutschen Projektentwickler - der die Häuser so schlecht zu planen und bauen begonnen hatte, dass man das ganze Projekt in Gefahr sah. Direkt neben dem feinen Park Hyatt konnten doch nicht solche schäbigen Buden stehen! Skurril, aber doch: Man kaufte die halbgebauten Häuser zurück, plante sie komplett um und baute sie fertig. Die Grundrisse sind nun eben so, wie sie ein vermögender Mensch gerne hat (Einliegerwohnung mit Waschmaschine fürs Kindermädchen, extra Eingang für Lieferungen). Die Lage ist noch immer traumhaft, und - das große Plus - sämtliche Services des Park Hyatt und des eigenen Sport- und Freizeitzentrums namens Country Club können mitgenutzt werden.

Park Hyatt als Herzstück

Wer sich diese "größte Baugrube der Insel", wie die MallorcaZeitung es genannt hat, leisten kann? Der Investor hinter der Cap Vermell Group kommt aus Katar. Noch Fragen? Demnach sind die Ambitionen groß. Drei wesentliche Pfeiler des Gesamtareals sind bereits in Betrieb: Das Park Hyatt als Herzstück, der Country Club als "social hub" und ein kleines Beachhotel direkt neben der Bucht.

Während sich das fünfsternige Park Hyatt dorfartig in sieben Blöcken mit insgesamt 142 Zimmern über fünf Hektar erstreckt, hat das Beach Hotel gerade mal 12 "Ehebetten", wie es auf der Website heißt. In der Mitte des Park Hyatt ragt ein altertümlich wirkender Turm gen Himmel, und ein Bächlein bahnt sich den Weg durch das Areal. Obwohl wie ein Dorf konzipiert, sind die Wege dennoch überraschend kurz. Selbst vom obersten Komplex ist man sofort bei einem der vier (ja: vorzüglichen) Restaurants und im Spa. Alles perfekt, wie man es von der Luxusmarke gewohnt ist.

Das Kleinod, die Seele

Im kompletten Kontrast dazu das Beachhotel. Auch perfekt - aber klein statt protzig, liebevoll authentisch. Als "Seele des Areals" bezeichnet der Cap Vermell-Chef das uralte Häuschen. Dass Antonio Mir hier auf der Terrasse geheiratet hat, kann man sofort verstehen. Direkt dort, wo das türkisblaue Meer in den Dünensand übergeht, schmecken die Langusten halt am besten - noch dazu, wenn sie vom Hotel selbst in einem in den Felsen gehauenen Becken direkt neben dem Restaurant gezüchtet werden. Dieses Hotel ist nur gepachtet. Die Geschichte des Hauses ist die erfolgreiche Karriere einer Mallorca-Immobilie: von der Notunterkunft über ein Verpflegungsservice bis zum Deal-Breaker für die Hyatt-Gruppe.

Die eigentlichen Besitzer des Hauses sind nämlich Nachfahren eines Turmwächters, dessen Aufgabe es war, den im Jahre 1577 am Cap Vermell errichteten Wachturm d'en Massot, den er auch bewohnte, in Stand zu halten. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts übten seine Nachfahren diese Funktion des "talaier" aus, die sie im Laufe der Zeit noch mit weiteren, neueren Tätigkeiten verbanden. So wurden etwa die Mitglieder dieser Familie zu den ersten Höhlenführern, die die Besucher durch die Höhlen von Artà begleiteten. Im Jahr 1906 entschied sich einer der Angehörigen dieser Familie, seinen Wohnsitz von Artà nach Canyamel in das kleine Häuschen zu verlegen. Dort kam er auf die Idee, einen Verpflegungsservice für die Höhlenbesucher anzubieten, aus dem sich schließlich ein kleines Restaurant entwickelte. Die Spezialitäten des Hauses waren Paellas, gebackener Fisch und Hendl.

Fast zwanzig Jahre später, im Jahre 1951, wurde dieses Restaurant um eine Fremdenpension erweitert. Es sind noch immer dieselben Mauern und Wände, die heute die Gäste des Cap Vermell Beach Hotels beherbergen, wenngleich das Gebäude renoviert und an die aktuellen Bedürfnisse angepasst wurde. Dennoch wurde bei den Renovierungsarbeiten sorgsam darauf geachtet, den traditionellen Charakter und das historische Flair dieses Hauses zu bewahren. Der Name des heutigen Hotelrestaurants, "Vintage 1934", soll an die erste Pension, die den Grundstein der späteren Gastgewerbebetriebe bildete, erinnern. Und weil das Park Hyatt in den Hügeln zwar fast keine Wünsche offen lässt, dann aber doch einen Stützpunkt direkt am Strand haben wollte, bestand die Gruppe bei den Verhandlungen mit Cap Vermell auf die Integration des Kleinods in das Gesamtpaket.

"Unser Projekt geht über viele, viele Jahre", erzählt Antonio Mir, der übrigens selbst aus Mallorca stammt. Nun werden einmal die Villen verkauft werden. Ist das über die Bühne gebracht, dürften in den nächsten zehn Jahren weitere Häuser folgen. 65 Parzellen stehen dafür noch zur Verfügung. Das Beach Hotel soll auf jeden Fall bestehen bleiben.