Immobilien Magazin

DIE AUFBAUERIN

Im Laufe ihrer Karriere wurde Elfriede Kraft zu einer vielseitigen Allrounderin.

Autor: Barbara Bartosek

Ihre Anfänge als zwanzigjährige Mitarbeiterin in der Abteilung "Betriebswirtschaft-Planung" der Wienerberger Gruppe haben die Controllerin Elfriede Kraft bis in die Geschäftsführung der 6B47 Wohnbauträger GmbH hineinwachsen lassen.

'Wachsen' ist wohl das treffendste Wort in diesem Zusammenhang, da Kraft sukzessive und in einem recht flotten Tempo Verantwortung übernommen hat und gleichzeitig über die Jahre regelrechte Paradigmenwechsel - ausgehend von ihrem Fachgebiet, der Betriebswirtschaft und dem Controlling - stattgefunden hatten. Nur Zahlen allein haben schnell keinen ausreichenden Horizont mehr dargestellt, um die ihr übertragenen Steuerungsaufgaben zu erfüllen. Kraft hat bereits als junge Frau erkannt, dass sie über den Tellerrand blicken muss, um ihre Aufgaben mit ganzer Hingabe zu erfüllen. Nicht zuletzt deswegen verantwortet Kraft heute über ihre Geschäftsführerfunktion hinaus den Human Resources Bereich der 6B47.

"Als ich 2013 zur 6B47 gekommen bin, um das Controlling und das Rechnungswesen zu professionalisieren und den gesamten Organisationsaufbau abzuwickeln, zählte das Unternehmen in Wien dreizehn Mitarbeiter. Heute sind es über 70 und die meisten davon habe ich aufgenommen. Gerade im HR Bereich ist es besonders wichtig, neuen Ideen offen gegenüber zu stehen und sich zu trauen, auch einmal Kontroverses auszuprobieren." Der geschliffene Onboarding-Prozess des Unternehmens gilt auch über die Unternehmensgrenzen hinweg als höchst vorbildlich.

Netzwerken zählt

Viele der Mitarbeiterinnen sind zudem im oder über den Salon Real gefunden und ins Unternehmen geholt worden, verrät die Allrounderin. Eine der weiteren Stärken von Kraft: Sie ist durch und durch Netzwerkerin und damit nicht nur auf einschlägigen Immobilienplattformen zu finden - ganz im Sinne des überwundenen Tellerrandes. Auf ihre Erfolge bei der 6B47 ist sie zurecht stolz: "Früher wollten die gut ausgebildeten jungen Leute zu Wienerberger kommen, heute zu 6B47." Aber nicht nur in diesem Punkt schließt sich der Kreis. Um zu verstehen, wie Elfriede Kraft zur Immobilie gekommen ist, muss man aber etwas weiter zurückblicken. Nach der Fa. Wienerberger, wo Kraft bereits mit 28 Jahren Führungskraft geworden ist, folgte eine große Reihe an Herausforderungen bei der WIPARK, wo Kraft als Leiterin der Finanzabteilung begann und später Prokuristin und Geschäftsführerin war. Die Abteilung Human Resources hat bei der WIPARK immer zum Finanzbereich dazu gehört. Seitdem hat sich viel geändert, es gab damals andere Anforderungen an die Personalführung und -verwaltung.

"NUR MIT LEISTUNG KANN MAN LETZTENDLICH DIE KARRIERELEITER HINAUFSTEIGEN."

Empathie zählt

Kraft hat im Laufe ihrer Karriere unzählige vertiefende Ausbildungen zu HR und natürlich auch zu ihrem Kernthema, dem Controlling gemacht. Gleichzeitig ist sie - bereits aus der Wienerberger Gruppe heraus, die damals die Standards im Controlling geprägt hat - als Vortragende für einschlägige Seminare gefragt. Bei der WIPARK kam es dann zu den ersten Kontakten mit dem Thema Immobilienmanagement. Nicht nur, dass Kraft in der Zeit des massiven Ausbaus des Garagen-Portfolios die finanzielle Steuerung des Unternehmens verantwortete - Anfang der 90er hat sie für Wienerberger die Entwicklung des Business Park Vienna und Vienna Twin Tower maßgeblich mitgestaltet. Von den ersten Berechnungen und dem ersten Businessplan weg war sie im Team - jede einzelne Abrechnung lief über ihren Tisch - und Kraft ließ sich auf einen regelrechten Crashkurs in Finanzthemen des Bauprojektmanagements ein. Ihre Erfahrungen in der Abrechnung von Garagenbauprojekten kam ihr zugute, aber es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, dass die neue Dimension das Anforderungsprofil ans Controlling dennoch massiv veränderte. Dabei darf man ruhig auch erwähnen, dass die gebürtige Steirerin zu diesem Zeitpunkt, nach dem überraschenden Tod ihres Mannes, alleinerziehende Mutter von einer Tochter und einem Sohn war. Dank ihres Organisationstalents und ihrer Disziplin konnte sie diese großen Anforderungen bewältigen und sie hat dafür auch ein Rezept: "Nur Freude an der Arbeit führt dazu, dass man Leistung bringen kann. Und nur mit Leistung kann man letztendlich die Karriereleiter hinaufsteigen." Zu "Karriere-machen" zählt auch, etwas Bleibendes zu schaffen. Elfriede Kraft konnte sich bei der WIPARK auch in diesem Sinne verwirklichen und hat einen Standard etabliert, der noch heute Gültigkeit besitzt. Sie hat erstmalig die Verwaltung von Garagen auf das Niveau einer Hausverwaltung gehoben. Die klassische Betriebsführung auf Namen und auf Rechnung waren damals nicht üblich - heute agieren nahezu alle Branchenteilnehmer so.

Einsatz zählt

Als die WIPARK dann, nach der ersten Akquisition durch die Immofinanz, an die Wiener Stadtwerke verkauft wurde, war es auch für Kraft an der Zeit für eine neue Aufgabe. Und weil der Aufbau ihr im Blut liegt, fand sie 2013 in der 6B47 genau das richtige Betätigungsfeld. Und auch der Kreis schloss sich dort erneut - sowohl im themenübergreifenden Aufgabengebiet als auch in den Projekten. Wie etwa bei den Althan Gründen, direkt neben dem Franz-Josefs-Bahnhof - wo Kraft bei ihrem Arbeitsstart bei 6B47 gleich einmal den Ankauf der Garage abwickelte. Ihr Lieblingsprojekt ist allerdings das ehemalige Philipshaus - PhilsPlace - das heute, inklusive dem Sockelbereich, bereits fast zur Gänze abverkauft ist und das Hotel im Sommer in Betrieb ging. "Das Projekt ist einfach wunderschön und hat so viel Zukunft. Ich habe mir selbst eine der Wohnungen gesichert," so Kraft über den Standort. Einen größeren Beweis für den Glauben an die eigenen Produkte kann man wohl nicht erbringen. Und wir dürfen gespannt sein, ob Kraft noch ein Unternehmen in Sachen Aufbau in Angriff nehmen wird.