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Die digitale Kopie des Menschen

Durch die Gebäudeautomatisierung und Digitalisierung ist vieles einfacher geworden. Doch dabei wird das Thema Datensicherheit immer wichtiger.

Autor: Charles Steiner

Das Handy ist mittlerweile das Maß aller Dinge geworden. Mit dem Smartphone kann man einkaufen, Essen bestellen, seine Zugtickets ordern, Mutige führen Banktransaktionen damit durch und - man kann damit auch Gebäude steuern. Eintrittsberechtigungen, Licht, Klima, Fernsehen, Störungsmeldungen - so ziemlich alles lässt sich mit einer App steuern. Man fühlt sich an Zager & Evans 1970er-Jahre-Klassiker "2525" erinnert. Ganz klar, das nimmt dem Menschen jede Menge Arbeit ab.

Von Klima bis Aufzug

Kaum so sehr hat sich die Welt in den vergangenen 20 Jahren in Richtung Digitalisierung verwandelt. Und das durchdringt so gut wie alle Bereiche in modernen Gebäuden. Von der Klimatechnik über die IT bishin zu Aufzügen - Apps und elektronische Tools übernehmen das, was zuvor der Mensch mit seinen eigenen zwei Händen erledigen musste. Das hat durchaus Vorteile, wie Alexander Redlein, Professor an der TU Wien erläutert: "Mit der elektronischen Vernetzung kann man einerseits viel besser über die Schnittstellen - etwa CAFM oder BIM - dokumentieren. Auch potenzielle Fehler, wie sie bei der händischen Eingabe passieren können, können so minimiert werden." Und viele Prozesse können schneller abgewickelt werden. Die Gebäudeautomatisierung bedeutet auch gleichzeitig die Automatisierung des Menschen - ohne Tools wird er bald nicht mehr in der Lage sein, Wartungsarbeiten durchzuführen. Ein Beispiel unter vielen: Auch bei Aufzugsherstellern hat man den Trend der Digitalisierung längst entdeckt, was vor allem für Gebäudetechniker von Vorteil ist. Kone setzt etwa auf die Kone Mobile App, mittels derer über Push-Mitteilungen sowohl Störungsmeldungen als auch erfolgreich abgeschlossene Wartungsarbeiten auf dem Smartphone angezeigt werden können. Auch eine Aufstellung über Anlagen, die im Betrieb sind sowie Wartungs- und Reparaturarbeiten, die an Aufzügen oder Rolltreppen vorgenommen werden, können über einen Blick abgerufen werden. Bei Schindler hat man mit MyPort gleich ein elektronisches Zutrittssystem geschaffen, das nicht nur den Aufzug selbst ins Ziel steuert - über das Smartphone kann direkt erkannt werden, ob sich jemand berechtigt im Gebäude aufhält, Zutrittsberechtigungen gesteuert werden oder auch Video-Codes über SMS gesendet werden, über die ein allfälliger Besucher Zutritt zum Gebäude erhält und über den Aufzug auch direkt zum dem zu Besuchenden gelangen kann. Es ist das Zeitalter des Internet of Things. Die Forschung geht aber noch deutlich weiter. Bereits jetzt arbeitet man - im Zuge des Internet of Things - etwa an Kühlschränken, die automatisch nachbestellen können, wenn irgendwelche Waren ausgehen, durch Apps lässt sich vorheizen, wenn man vom Urlaub unterwegs ist - ja sogar Kaffeemaschinen können so programmiert werden, dass man zur bevorzugten Zeit genau den Kaffee erhält, den man möchte. Und die Kaffeemaschine weiß genau, wenn eine Störung auftreten sollte, worauf auch gleich der Benutzer informiert wird - und der Service. Auch Roboter sind im Fokus der Forschung - sei es als Hausmeister, die selbstständig Arbeiten verrichten, die zuvor ein Mensch erledigen musste oder gar als Pflegeroboter in Altersheime, die sich mittlerweile in der Testphase befinden und älteren Menschen zuweilen auch eine Ansprache liefern.

Die Kehrseite

Mit der Digitalisierung und dem Phänomen Internet of Things kann es allerdings auch einige Schattenseiten geben, wie Alexander Redlein, Professor an der TU Wien, zu bedenken gibt. Denn diese ergeben sich zumeist aufgrund der Daten, die von den jeweiligen Menschen gesammelt werden. "Man wird zunehmend zum gläsernen Menschen. Durch die Daten, die über die Benutzer gesammelt werden, entsteht eine Art digitale Kopie des Menschen", so der Wissenschafter. Mit dieser Kopie lässt sich der Mensch in seinem Nutzungsverhalten und seinen Vorlieben ziemlich genau prognostizieren - und das kann aber auch ein weiteres Problem mit sich bringen. "Natürlich ist beispielsweise ein Kühlschrank, der ans Internet angebunden ist und selbstständig bestellen kann, eine super Sache, keine Frage." Fraglich ist allerdings, wie man mit den gesammelten Daten umgeht. Redlein führt noch weiter aus: "Wer sagt mir, dass der Kühlschrank durch das Internet nicht auch an die Sozialversicherung angebunden ist und der Benutzer, banal gesagt, ein Eis herausnimmt, obwohl er schon eines gegessen hat. Wird er dann mehr Versicherungsprämie zahlen müssen?" Der Kern der Überlegungs ist natürlich der: Risikoprofile eines Menschen lassen sich problemlos maschinell erstellen, das spart natürlich Mitarbeiter und durch die Datenmengen kommt man auch sehr nahe an das Verhalten des Menschen heran. Man muss sich ja nur folgendes Szenario vorstellen: Der Kühlschrank, der mit dem Internet angebunden ist mit der Fitness-App ebenfalls verbunden. Damit könne ja bereits von der Maschine vorgeschrieben werden, wie er sich zu verhalten hat. Das Beispiel mit der Versicherung ist nur eines von vielen. Redlein plädiert dafür, den Umgang mit den vielen Daten, die schon jetzt über uns Menschen verfügbar sind, zu überdenken. "Geht man diese Entwicklung falsch an, dann lässt das Internet of Things dem Menschen keine Privatsphäre mehr, kaum noch eigene Entscheidungsfähigkeit", sagt der Professor. Man würde sogar dem Recht beschnitten werden, einmal unvernünftige Sachen zu tun, die dann allerdings Folgen haben. "Ist es erstrebenswert, wenn eine Maschine dem Menschen vorschreibt, wie er sich zu verhalten hat?", stellt der Wissenschafter eine zentrale Frage in den Raum. Weil Daten ein so wertvolles Gut sind, werden sie auch nach Kräften gesammelt. Ob über Facebook, Google und andere Apps. Die Social Media-Portale wollen mittlerweile alles über den Benutzer wissen. Auch über Smarthome lässt sich viel über den Bewohner sagen - über Datenlecks können findige Einbrecher dann ihren Coup durchziehen - man muss nur ein wenig versiert sein, was das Hacken betrifft. Denn Daten, die gesammelt werden, sind auch irgendwo abrufbar. Was hinzukommt: "Kaum jemand weiß, welche Daten über einen selbst im Netz kursieren und was man mit ihnen macht", sagt Redlein. Nur ein Aspekt ist die Cyberkriminalität dabei. Ob der Mensch noch das Maß aller Dinge bleibt? Das bleibt angesichts der Entwicklungen zu hoffen.

Internet of Things - Alles ist online

Der Computer oder das Smartphone sind längst nicht mehr die einzigen Portale ins Internet. Zunehmend treten Phänomene wie intelligente Gegenstände auf. Besonders in der Gebäudeautomatisierung ist das ein Thema - Sensoren können selbstständig melden, wann ein Gerät eine Reparatur bedarf, selbstständig Tools ein- und ausschalten. Als Ziel des IoT wurde definiert, eine bestehende Informationslücke zwischen realer und digitaler Welt zu schließen. Beispiel: Kaffeemaschine muss entkalkt werden, Glühbirne wird bald den Geist aufgeben. Diese realen Dinge sollen dann ihren Zustand selbst melden können.

Datenschutz

Ein Thema, das durch das Internet of Things immer virulenter wird. Dadurch, dass die Geräte Daten erfassen und untereinander austauschen können, sammeln sich auch Daten über die jeweiligen Anwender. Diese Daten sind wertvoll, vor allem für Unternehmen, aber auch für Staaten, die einen Zugriff anstreben können würden, um eventuell Kontrolle über sie ausüben zu können - denn Unternehmen wollen Geld verdienen und Staaten können wissen wollen, was der Bürger so tut. Demolition Man lässt grüßen.