Immobilien Magazin

Die digitale Revolution und ihre Kinder

Wir befinden uns aktuell in einer digitalen Revolution. Wer nicht mitmacht, der wird gefressen.

Autor: Stefan Posch

Man bekommt den Eindruck, die Immobilienbranche hat langsam verstanden, was auf sie zukommt. Zumindest, wenn man auf den Veranstaltungskalender der heimischen Immobilien- und Baubranche schaut. Dort ein PropTech-Event, hier ein BIM-Kongress und auch zum Thema Blockchain gibt es immer mehr Veranstaltungen. Doch wie schaut es abseits der Konferenzräume, Vortragsbühnen und Stehtische aus?

"Es kommt darauf an, welchen Teil der Wertschöpfungskette man betrachtet", meint Milan Zahradnik, CEO des PropTechs Propster. Dieses hat ein Tool entwickelt, mit dem Bauträger, Immobilienentwickler und Wohnungskäufer schon während der Projektphase miteinander kommunizieren und Wünsche einbringen können. Laut Zahradnik ist man beim Vertrieb von Immobilien schon sehr weit. "Aber auf der Baustelle beispielsweise, da arbeiten wir noch wie vor 80 Jahren", gibt er zu bedenken. Das sei auch eine Generationen- und Zeitfrage. "Ein 50-jähriger Installateur wird sich mit der Digitalisierung schwerer tun. Zudem sind heute die Auftragsbücher der Ausführenden voll. Da bleibt keine Zeit, sich mit der Digitalisierung tiefer zu beschäftigen", meint Zahradnik. Das Problem sei, dass in diesem Bereich die Digitalisierung mit Mehraufwand verbunden sein wird und die Vorteile, etwa ein Gewährleisten von qualitativ hochwertigerer Arbeit und auch dessen Dokumentation, oft nicht erkannt werden.

Bauträger pushen

Anders sehen es laut Zahradnik die Auftraggeber und Bauträger: "Diese versuchen, die Digitalisierung zu pushen. Doch wenn sich zum Beispiel nur zwei Unternehmen bewerben, wenn mit der Voraussetzung von BIM ausgeschrieben wird, dann ist das ein Problem." Andere Länder, wie etwa England oder die skandinavischen Staaten, seien da schon viel weiter. "Für uns ist BIM ein unglaublich wichtiges Thema. Denn damit würden sich die Wünsche der Investoren und Käufer viel einfacher in die Pläne integrieren lassen", so Zahradnik, der heute die Werte noch von CAD oder PDF Dateien einspielen muss. Spannend findet Zahradnik auch die Blockchain-Technologie. Damit würde es einfacher sein, Aufträge vertragsrechtlich zu adaptieren, so Zahradnik, der es aber als ein Problem ansieht, dass bei vielen Unternehmen noch zu wenig Know-how über das Thema vorhanden ist.

„Heute ist schon vieles möglich, doch es muss auch alles aus einem Guss funktionieren.“ Nora Kahlig, CONTACT AG

In der Hausverwalterbranche ist man da schon um einiges weiter. 37 Jahre ist es her, dass das PropTech-Unternehmen Contakt AG ein Start-up war. Ihr Produkt Conthaus soll Hausverwaltungen ein papierloses Büro ermöglichen, wie Nora Kahlig von dem familiengeführten Unternehmen erklärt. "Vor 20 Jahren sind die Leute mit offenem Mund dagestanden und haben nicht gewusst, was sie damit machen sollen", schildert sie ihre Erlebnisse. Die Digitalisierung in der Immobilienbranche werde aber immer nutzerbezogener. "Heute ist schon vieles möglich, doch es muss auch alles aus einem Guss funktionieren. Schnittstellenfreies Arbeiten muss möglich sein", fordert Kahlig. Ihr Produkt würde das gewährleisten und Kahlig sieht damit eine Win-Win-Situation für Hausverwaltung, Eigentümer und Mieter.

"Die Hausverwaltung wird nicht obsolet, sondern sie hat damit mehr Zeit für das persönliche Service, was dem Eigentümer und dem Mieter zugutekommt", erklärt sie. Auch die Kommunikation zwischen den Parteien könne damit verbessert werden.

Bestellerprinzip als Chance

Alexander Schuch, Gründer von prop.ID, eine Plattform für Mieter und Vermieter, bei der das Vermieten, Verwalten und auch die Verrechnung einfacher organisiert werden können, sieht gerade in den vergangenen drei Jahren eine große Entwicklung im Bereich der Makler und Investoren: "Aber Lösungen speziell für private Vermieter gibt es bis dato noch nicht in dem Ausmaß." Sein Produkt könnte auch von dem geplanten Bestellerprinzip profitieren, als Ersatz für Makler sieht er die Lösung aber nicht. Es wird immer Makler geben, denn manche Vermieter werden weiterhin mit einem Profi Mieter suchen wollen. Aber Schuch sieht zumindest eine Marktbereingung auf die Makler zukommen. "Der Markt wird sich weiter auf den Verkauf konzentrieren", so Schuch. Das Unternehmen Findheim hat als Zielgruppe Wohnungssuchende und Suchmakler. Auf der vergangenen Expo Real wurde das neue Feature Secret Deals präsentiert. "Oftmals haben die Verkäufer Objekte im Portfolio, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht auf Plattformen gelistet werden können. Und damit haben sie ein Problem ihr Angebot bekannt zu machen", erklärt Findheim Geschäftsführer Jürgen Leger. "Die Secret Deals lösen nun dieses Problem, indem sie einen sicheren 1:1-Kommunikationskanal mit Usern herstellen, die aktuell genau nach solchen Objekten suchen. Eine öffentliche Listung wird damit hinfällig."

„Früher waren Fehlbesetzungen bei den Mitarbeitern teuer, heute sind es die falschen Tools.“ Andreas Millonig, IMMOUNITED

Andreas Millonig, CIO bei IMMOunited glaubt, dass Vermittler zu einem gewissen Grad die Digitale Revolution zu spüren bekommen werden, genauso wie jeder andere: "Jede Veränderung hat Opfer und Nutznießer hervorgebracht." Die Gefahr ist laut Millonig aber auch, dass die Großen, wie etwa Google, Apple Facebook Amazon und Co. (GAFA), sich gegenüber den kleinen durchsetzen werden. "Andererseits ist die Digitalisierung auch eine Chance für die Kleinen. Welcher Zwei-Mann-Maklerbetrieb konnte früher sein Angebot so gut aufbereiten und so schnell liefern, wie heute?", fragt Millonig.

Dass kleine Makler so auftreten können, wie die Großen, dafür haben mitunter die Immobilienportale gesorgt. "Früher war es auch unmöglich, dass ein kleiner Makler Anfragen so schnell bearbeiten konnte. Schließlich musste man vor nicht allzu langer Zeit noch den Postweg für Angebote beschreiten", gibt Millonig zu bedenken. Die fehlende Manpower der kleinen Unternehmen, könne jetzt mit diversen Tools ausgeglichen werden. "Wer durch die Digitalisierung auf der Strecke bleiben könnte, das sind aber zum Beispiel die klassischen Assistenten", meint Millonig. Doch die Kosten, die man sich eventuell für Personal spart, müssen in die Tools investiert werden. Dabei darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass die Triebfeder der Digitalisierung grundsätzlich die Ressourcenoptimierung ist. "Früher waren Fehlbesetzungen bei den Mitarbeitern teuer, heute sind es die falschen Tools", plädiert Millonig für Umsicht bei der Auswahl der Lösungen. So muss der Makler von heute sein Tool so sorgfältig auswählen, wie früher die Mitarbeiter. Keine leichte Sache, auch weil Beratung in diesem Bereich nicht so leicht zu bekommen ist. "Objektive Beratung zu bekommen ist schwer, auch weil natürlich jeder Anbieter sein Produkt verkaufen will. Deswegen sehe ich die digitale Kompetenz als sehr wichtig an", so Millonig.

Digitale Rechtssicherheit

Unter Zugzwang sieht Millonig auch Notare. Heute könne man etwa Unternehmen rein digital gründen und das zu niedrigeren Kosten. "Früher war der Notar eine Notwendigkeit für die Rechtssicherheit. Nun bekommt man diese auch digital", erklärt Millonig, der das Beispiel Handysignatur nennt. Mittels Blockchaintechnologie gibt es im Bereich Smart Contracts noch ungeahnte Möglichkeiten. "Blockchain wird eine Infrastrukturlösung. Man wird sie so integrieren, dass man gar nicht merkt, dass man diese Technologie verwendet. Ähnlich wie heute schon beim E-Banking, wer kann die Technologie dahinter schon benennen?", so Millonig, der überzeugt ist, dass die Digitalisierung fast alle Berufsgruppen angehen wird: "Mir ist in meinem professionellen Umfeld niemand bekannt, der durch die sogenannte Digitalisierung nicht betroffen wäre."