Immobilien Magazin

Die Funkpflicht kommt

Die Energieeffizienzrichtlinie 2018 (EED) muss bis 25.06.2020 (teilweise bis 25.10.2020) in allen EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Gehandelt werden muss jetzt!

Autor: Thies Grothe, Rechtsanwalt und Head of Public Affairs der Noventic Group

Funkmesstechnik wird in der Wohnungswirtschaft Pflicht. Ab November 2020 gilt: Werden in einer Liegenschaft Zähler und Heizkostenverteiler neu installiert, müssen diese fernauslesbar sein - unter der Voraussetzung, dass dies technisch machbar, kosteneffizient und im Hinblick auf Energieeinsparungen verhältnismäßig ist. Sind bereits nicht funkende Zähler oder Heizkostenverteiler installiert, müssen diese bis 2027 nachgerüstet oder ersetzt werden. Außerdem müssen ab 2022 den Mietern auch unterjährig Informationen über ihre Energie- und Wasserverbräuche an die Hand gegeben werden, vorausgesetzt, die erforderliche Messtechnik ist im Haus verfügbar. Zukünftig können die EED-Anforderungen nur über eine digitalisierte Gebäudeinfrastruktur erfüllt werden. Herkömmliche Ablese- und Abrechnungssysteme können dies nicht mehr leisten. Eine Umstellung zu einer funkbasierten Fernablesung und Abrechnung von Verbräuchen wird also über kurz oder lang auf jeden Bestandshalter zukommen.

Mehr Effizienz

Die neuen Vorgaben der EU sollen zunächst einmal helfen, die Klimaziele über den Hebel der Effizienzgewinne zu erreichen und das Prinzip des "Efficiency first" zu erfüllen. Das Ziel dabei ist, zusätzliche, noch nicht gehobene Energie- Einsparpotenziale zu nutzen. Dabei kommt geringinvestiven Maßnahmen als regelmäßig kostengünstigstem Ansatz eine besondere Bedeutung zu. Unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit energetischer Gebäudesanierungen, sollten geringinvestive Maßnahmen regelmäßig als erster Schritt in Erwägung gezogen werden, bevor umfänglich in Gebäudehülle oder Heizungstechnik investiert wird. Denn um die Klimaziele zu erreichen, muss der EU-weite Energieverbrauch bis 2030 um 32,5 Prozent gegenüber dem noch 2007 prognostizierten Verbrauch sinken. Die regulatorische Pflichterfüllung birgt neue Möglichkeiten: Die Infrastruktur kann zum Ausgangspunkt für die Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft werden, z.B. für effizientere Prozesse, mehr energetische Einsparungen oder für eine direktere Vermieter-Mieter-Kommunikation. Digitalisierte Infrastrukturen verschlanken wohnungswirtschaftliche Prozesse, unterjährige Verbrauchsabrechnungen machen unmittelbar die Energieverbräuche transparenter und ermuntern Bewohner Energie zu sparen. Auch werden durch die Digitalisierung interoperable Systeme in den Häusern Einzug halten. Für die Branche führt das zu mehr Freiheiten in der Wahl ihrer Dienstleister oder sichert die Hoheit über die Gebäudedaten.

Visualisierung per App

Die unterjährigen Verbrauchsinformationen sollen Hausbewohner beim Energiesparen unterstützen - denn, wenn man nur einmal im Jahr seine Verbrauchsdaten in Form einer Abrechnung bekommt, ist das zu spät, um das eigene Verbrauchsverhalten anpassen zu können. Individuelle Verbräuche können unmittelbar über eine Verbrauchsvisualisierung per App mit dem Mieter geteilt werden. Über die App kann der Mieter seine Energieverbräuche auslesen und bei Verbrauchsspitzen bewusster das eigene Verhalten reflektieren. Zudem ermöglichen funkbasierte Messsysteme die Fernablesung von Verbräuchen ganz ohne Betreten der Wohnung - auch für die Hausbewohner ist das viel komfortabler.

Übrigens: Dass das eigenverantwortliche Verbrauchsverhalten eine zentrale Rolle beim Energiesparen spielt, belegt die seit 1981 in Deutschland geltende Heizkostenverordnung. Seit der individuellen Abrechnung von Heizkosten in Mehrfamilienhäusern ist der CO2-Ausstoß in Gebäuden deutlich gesunken.