Immobilien Magazin

Die Gebührenfalle

Von der Politik werden häufig die stark steigenden Mieten kritisiert. Doch der wahre Preistreiber sind die die Gebühren. Rustler hat das ausgewertet.

Autor: Charles Steiner

Das Argument von massiv steigenden Mieten kennt man aus der aktuellen Berichterstattung schon lange. Ob es die Politik ist oder eine Kammer - gerne wird laut und medienwirksam gegen den Zinshauseigentümer gepoltert. Wohnen muss ja schließlich leistbar sein. Doch wer die wahren Kostentreiber sind, das wird natürlich nicht verraten. Die Rustler Immobilientreuhand hat das jetzt anhand einer repräsentativen Anzahl von Mehrfamilienhäusern in Wien erhoben - und dabei die Betriebskosten herausgerechnet. Und siehe da: Ohne Müllgebühren, Wasser/Abwasser und vor allem ohne Energiekosten sind die Mieten gar nicht einmal so stark gestiegen. Im Gegenteil: Diese sind im Zehnjahres-Vergleich sogar ziemlich konstant geblieben. Die Preissteigerungen fanden im niedrigen einstelligen Bereich statt - die Kurve hat sich in den letzten zwei Jahren sogar abgeflacht.

Rustler hat die Entwicklung der Gesamtbetriebskosten sowohl der Inflation als auch den Gebührenerhöhungen der Stadt Wien für Wasser, Abwasser und Müll gegenübergestellt. Die Ergebnisse der Analyse von Rustler zeigen, dass die durchschnittlichen Betriebskosten bei von 1,59 Euro je Quadratmeter netto im Jahr 2009 Wohnnutzfläche lagen und bis zum Jahr 2018 auf 1,96 Euro netto pro Quadratmeter Wohnnutzfläche gestiegen sind.

Was dabei sehr viel kostet und vor allem in den vergangenen Jahren am stärksten gestiegen ist: Abwasser und Müllgebühren. Die Auswertung zeigt eine Steigerung der Betriebskosten im 10-jährigen Betrachtungszeitraum um rund 23 Prozent. Die inflationsbedingte Preissteigerung betrug im gleichen Zeitraum 18,5 Prozent. Aber: In Wien sind in den letzten 10 Jahren (2009 - 2018) die Wasser- und Abwasserkosten um rund 27 Prozent weit über der Inflation gestiegen, die Müllgebühren mit rund 14 Prozent darunter. Aber: Diese Posten machen ein gutes Drittel der gesamten Betriebskosten pro Quadratmeter aus. Weitere wesentliche Kosten entstünden durch externe Dienstleister, etwa Versicherungen, Reinigung bzw. Winterdienst. Und damit ein reibungsloser Betrieb einer Immobilie auch möglich ist, braucht es auch einen Hausverwalter. Doch dessen Honorar macht nur ein Fünftel der Betriebskosten aus.

Kein Spielraum

Anders als bei Versicherungs- und Reinigungskosten, liegen diese Kostenpositionen auch nicht im Einflussbereich des Eigentümers oder der zuständigen Hausverwaltung und würden vor allem im Altbau, wo die Mieten grundsätzlich niedriger sind als im Neubau, zu einer spürbaren Mehrbelastung der Mieter führen. Nur, was die hohen Gebühren betrifft: Da spricht die Politik natürlich nicht davon.