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Die Investition mit der besten Rendite: Bildung

Die Anforderungen, was die fachliche Ausbildung betrifft, sind in der Immobilienbranche gestiegen. Um schrittzuhalten, bieten immer mehr Bildungsinstitute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Autor: Stefan Posch

Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, und das ist keine Bildung, sagte einst der amerikanische Präsident John F. Kennedy. Das hat auch die Immobilienbranche schon längst verinnerlicht. Die Immobilienprofis professionalisieren sich immer mehr, und die Nachfrage nach Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten steigt. Gut, dass es heute so viele Bildungsangebote mit Immobilienbezug gibt wie nie zuvor. Zu dem Boom zur Weiter- und Ausbildung hat auch die Branchenvertretung beigetragen. "Seit einiger Zeit gibt es Mindestanforderungen, was die Ausbildung betrifft, vor allem im Maklerbereich", erklärt Ursula Pernica, Geschäftsführerin des Fachverbands für Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Österreich. Maßnahmen, wie etwa die 2011 eingeführte Immobiliencard, hätten zur Professionalität beigetragen.

Unternehmen fordern heute mehr

Aber auch seitens der Unternehmen sind die Anforderungen gestiegen. Wenn eine Firma die Wahl zwischen einem gut Ausgebildeten und einem weniger gut Ausgebildeten hat, würde die Entscheidung nicht schwer fallen, so Pernica. Heute sei eine fachliche Ausbildung unabdingbar, um in der Branche erfolgreich zu sein, so die Branchenvertreterin weiter. Auch beim Verband der Österreichischen Immobilienwirtschaft (ÖVI) erkennt man eine höhere Professionlisierung der Branche. Heute werde, "ein Spagat zwischen einem generellen Überblick etwa bei rechtlichen oder wirtschaftlichen Themen und einem Spezialwissen was die berufliche Tätigkeit betrifft vorrausgesetzt", erklärt Anton Holzapfel, Geschäftsführer des ÖVI. Der Verband gründete 2003 die ÖVI Immobilienakademie, die sich mit zahlreichen zertifizierten Lehrgängen sowohl an Brsncheneinsteiger als auch an Immobilienprofis richtet. Die Referenten kämen "aus der Praxis und lehren für die Praxis", erklärt Holzapfel. "Es ist uns wichtig, dass nicht nur Wissen sondern auch Lösungskompetenz vermittelt wird", so Holzapfel weiter. Der 1950 gegründete gemeinnützige Verein ÖPWZ bietet schon seit etwa 25 Jahren zahlreiche zertifizierte Lehrgänge zu den Themen Bauwirtschaft und Immobilienmanagement an. Seit heuer werden zudem die Lehrgänge "Neue Technologien in der Immobilienvermarktung", "Mietverträge und MRG" sowie "Zertifizierte Gutachter/In für Gebäudesicherheit" angeboten. Armand Kaáli-Nagy, Bildungsmanager beim Seminaranbieter ÖPWZ, sieht aktuell in der Branche einen Generationenwechsel, der für eine steigende Nachfrage nach Ausbildungsmöglichkeiten sorgt. Zudem seien "die Anzahl der Haftungsvorschriften und die der anzuwendenden Gesetze" in der Branche gestiegen. Das würde auch mehr Fachwissen bedingen, so Kaáli-Nagy.

Eine fachliche Ausbildung ist heute unabdingbar, um in der Immobilienbranche erfolgreich zu sein. - Ursula Pernica, GF Fachverband der WKO

Die Branche wurde komplexer

Auch bei der Donau-Universität Krems erkennt man eine höhere Nachfrage an Weiterbildung in der Branche. "Der Immobilienmarkt ist komplexer geworden", erklärt Helmut Floegl, Leiter des Zentrums für Immobilien- und Facilitymanagement an der Donau-Universität Krems. Speziell berufserfahrene Immobilienprofis würden sich deswegen für einen Studiengang entscheiden.

Von der Forschung profitieren

Eine Universität ist aber nicht nur eine Bildungs-, sondern auch eine Forschungseinrichtung. "Im Forschungsbereich Lebenszykluskosten von Immobilien sind wir führend im deutschsprachigen Raum", sagt Floegl, der auf zahlreiche Publikationen zu dem Thema verweisen kann. Die neuen Forschungserkenntnisse werden direkt an die Studenten weitergegeben. "Wir lassen sie in die Kochtöpfe der Forschung schauen", fasst Floegl zusammen. Bereits seit 27 Jahren bietet die TU Wien Immobilienausbildungen auf Universitätsniveau an. Das Angebot richtet sich an Berufstätige und beinhaltet sowohl zertifizierte Lehrgänge wie etwa "Immobilienwirtschaft und Liegenschaftsmanagement", die sich vor allem an Makler und Hausverwalter richten, als auch postgraduale Studiengänge wie "Immobilienmanagement und Bewertung", die einen Studienabschluss, aber auch Berufserfahrung voraussetzen. Daneben bietet die TU Wien auch postgraduale Studien wie "Nachhaltiges Bauen" und "Facility Management" an.

Networking durch Weiterbildung

Wichtig in der Branche ist aber nicht nur die Ausbildung, sondern auch das Networking. "Bei uns studiert man immer mit den gleichen Kollegen in Gruppen von 20 bis 30 Leuten", erklärt Bob Martens, Vice Director Continuing Education Center der TU Wien. Das würde das Networking für berufliche Zusammenarbeit über die Ausbildungszeit hinaus fördern. Zudem verweist Martens auf die hohe Alumni-Aktivität seiner Absolventen. Auch Martens beobachtet eine steigende Nachfrage nach Bildung in der Immobilienbranche und sieht ebenfalls die gestiegenen Anforderungen als Grund. "In der Vergangenheit hatte die Branche einen schlechten Ruf", meint Martens. Vor zehn, 20 Jahren habe etwa ein Baumeister ein Gutachten "nebenher erstellt". Dass es Aufholbedarf bei der Ausbildung gegeben hat, hat auch Re/Max Austria erkannt und gründete 2005 eine Akademie für angehende Immobilienmakler. Der zertifizierte Lehrgang muss von jedem angehenden Makler des Unternehmens absolviert werden und steht auch firmenfremden Interessenten offen. Davor habe es keine vernünftige Ausbildung für Berufseinsteiger gegeben, erzählt Christian Hrdliczka, Leiter der Re/Max Akademie. "Ich bin ein Anhänger davon, dass jeder, der in der Branche zu arbeiten beginnen will, eine entsprechende Ausbildung vorweisen muss", erklärt der Immobilienprofi, der schon seit 28 Jahren in der Branche tätig ist.

Bildungsanreize - Immobiliencard. Um die Professionalisierung der Branche zu fördern, wurde 2011 die Immobiliencard eingeführt. Mitarbeiter von Unternehmen müssen einen Ausbildungsnachweis vorlegen, um diesen Berufsausweis zu erhalten.

"Wir legen den Schwerpunkt auf die praktische Anwendung", so Hrdliczka, der sich auch als stellvertretender Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder in der Wiener Wirtschaftskammer für eine Professionalisierung der Branche eingesetzt hat, über das Kursangebot. Was die Ausbildung betrifft, habe sich in den letzten Jahren viel verbessert. "Das liegt aber auch daran, dass davor 100 Jahre nichts geschehen ist", meint Hrdliczka. Laut einer Umfrage des Immobilien Magazins über Aus- und Weiterbildung in der Immobilienbranche sind Fachhochschulen die am häufigsten genutzten Ausbildungsinstitute der Branche. "Insbesondere große Immobilienunternehmen, die auf ein breites Leistungsspektrum abzielen und ihren Kunden Qualität bieten wollen, greifen gerne auf Absolventen von Fachhochschulen zurück", erklärt Peter Höflechner, Fachbereichsleiter Immobilienmanagement an der FH Wiener Neustadt. Zudem werden vom Markt, etwa im Bereich der Immobilienbewertung, immer mehr qualitativ hochstehende Leistungen nachgefragt. Dies setze eine umfassende Ausbildung auf einer Hochschulebene voraus. Die FH Wiener Neustadt hat das Bachelorstudium "Wirtschaftsberatung" sowie das Masterstudium "Wirtschaftsberatung & Unternehmensführung" mit einer Spezialisierung auf Immobilienmanagement im Programm. Die FH Wien betreibt seit 2001 das Institut für Immobilienwirtschaft, das einen sechssemestrigen Bachelor- und einen viersemestrigen Masterlehrgang anbietet. "Immobilienmakler müssen heute auch deswegen mehr Fachwissen haben, weil auch die Wohnungssuchenden heutzutage viel informierter sind", gibt FH Wien-Studiengangsleiter Otto Bammer zu bedenken. Die Kunden von heute würden Ausbildungslücken schnell erkennnen. Das sei eine Chance für gut Ausgebildete.

Studenten werden jünger

Unterschiede zu früher sieht Bammer auch bei seinen Studenten. Die Bewerber für den Bachelor-Studiengang werden immer jünger. Das läge auch daran, dass der Ausbildungsrückstau bei Berufserfahrenen in den letzten Jahren abgebaut wurde, erklärt Bammer. Auch im Westen Österreichs hat sich mit der FH Kufstein eine Fachhochschule auch auf die Ausbildungen im Immobilienbereich spezialisiert. Das Bildungsinstitut bietet einen Bachelor- und einen Masterstudiengang "Facility Management und Immobilienwirtschaft" an. Bei dem dreijährigen Bachelorstudium würden operative Tätigkeiten im Fokus der Ausbildung stehen, beim zweijährigen Master die strategische Führung, erklärt Studiengangsleiter Christian Huber. Zudem bietet die FH Kufstein seit vergangenem Herbst einen akademischen Lehrgang und einen MBA im Bereich Facility Management an. "Personen, die sich hochgearbeitet haben, tun sich oft schwer, dass ihr auf Erfahrung basierendes Wissen akzeptiert wird", sagt Huber. Heute werde fundiertes Wissen von der Branche vorausgesetzt. Aber nicht jeder würde ein Studium unbedingt brauchen, schränkt Huber ein. Es gebe Tätigkeiten, die man auch gut mit innerbetrieblichen Ausbildungen ausführen kann.

2015 entschloss sich auch die Johannes Kepler Universität Linz, sich dem Thema Ausbildung im Immobilienbereich zu widmen, und bietet seitdem den Universitätslehrgang "Real Estate Finance" an, der mit einem MBA abgeschlossen wird. "Wir haben bemerkt, dass es zwar im Osten viele Angebote für diesen Bereich gibt, aber das Angebot in Oberösterreich oder Salzburg eher dünn war", so Lehrgangsleiter Helmut Pernsteiner. Vortragende sind einerseits Professoren der Johannes Kepler Universität sowie auch Profis aus der Praxis. Pernsteiner hebt den Vorteil einer Präsenzausbildung hervor: Die Studierenden könnten sich dabei gut vernetzen, was bei einem reinen Online-Programm nicht gewährleistet werden kann. Zudem sei die Abschlussquote bei einer Präsenzausbildung höher, "da sich die Studenten sich gegenseitig motivieren" würden. Egal ob Uni, FH oder ein Seimnar, das Angebot für Immobilienprofis und jenen, die es werden wollen ist heutzutage in Österreich riesig. Bildungshungrigen bleibt dabei nur noch die Qual der Wahl.

Ausbildungsinstitut Studienrichtung Zielgruppe Gesamtkosten Dauer Organisationsform Ausbildungsgrad Website
Alpen Adria Universität Real Estate Management Berufserfahrene, Postgraduates EUR 16.490 4 Semester berufsbegleitend MSc www.uni-klu.ac.at
Donau-Universität Krems FM, International Real Estate Valuation, Immobilienmanagement Berufserfahrene, Postgraduates EUR 15.900 2 Jahre berufsbegleitend MSc www.donau-uni.ac.at
FH Kufstein FM und Immobilienmanagement Einsteiger, Berufserfahrene EUR 2.180 (B.A.), EUR 1.453 (M.A) 3 bzw. 2 Jahre Vollzeit, berufsbegleitend B.A. / M.A. www.fh-kufstein.ac.at
FH Wien Immobilienwirtschaft, Immobilienmanagement Einsteiger, Berufserfahrene EUR 2.180 (B.A.), EUR 1.453 (M.A) 3 bzw. 2 Jahre Vollzeit, berufsbegleitend B.A. / M.A. www.fh-wien.ac.at
FH Wiener Neustadt Wirtschafts- und Unternehmensberatung, Immobilienmanagement Einsteiger, Berufserfahrene EUR 2.180 (B.A.), EUR 1.453 (M.A) 3 bzw. 2 Jahre Vollzeit, berufsbegleitend B.A. / M.A. www.fhwn.ac.at
Johannes Kepler Universität Linz Universitätslehrgang Real Estate Finance Berufserfahrene, Postgraduates EUR 13.400 2 Jahre berufsbegleitend MBA www.ref-linz.at
ÖPWZ Div. Seminare und Lehrgänge mit Immobilienbezug Einsteiger, Berufserfahrene EUR 150 bis 440 1/2 Tag bis 5 Tage berufsbegleitend Zertifizierung www.opwz.com
ÖVI Basistraining Maklerassistent Einsteiger, Berufserfahrene EUR 1.430 16 Einheiten berufsbegleitend Zertifizierung www.immobilienakademie.at
ÖVI Basistraining Verwalterassistent Einsteiger, Berufserfahrene EUR 1.960,00, EUR 1.640,00, (ÖVI-Mitglieder) 13 Einheiten berufsbegleitend Zertifizierung www.immobilienakademie.at
Schloss Seeburg Akademischer Immobilienmanager und Akademischer Immobilienmakler Berufserfahrene, Postgraduates EUR 5.000 Regelstudiendauer 3 Semester berufsbegleitend, Fernstudium Akademischer Immobilienmanager www.uni-seeburg.at
Re/Max Akademie RE/MAX Career Basics Einsteiger, Berufserfahrene EUR 2.490 14 Tage in Blöcken berufsbegleitend Zertifizierung www.remax.at/karriere/ausbildung
TU Wien Immobilienmanagement und Bewertung Postgraduates EUR 19.500 2 Jahre berufsbegleitend MSc www.immobilien.tuwien.ac.at
TU Wien Facility Management Postgraduates und Berufserfahrene EUR 19.500 2 Jahre berufsbegleitend MBA www.fm.tuwien.ac.at
TU Wien Immobilienwirtschaft und Liegenschaftsmanagement Berufserfahrene, Postgraduates EUR 14.900 2 Jahre berufsbegleitend Akad. Immobilienberater und Liegenschaftsmanager www.immo.tuwien.ac.at
TU Wien Nachhaltiges Bauen Postgraduates EUR 18.000 2 Jahre berufsbegleitend MEng www.nachhaltigesbauen.eu
WIFI Ausbildung Makler- und Verwalterassistent Einsteiger, Berufserfahrene EUR 780 (Basis) + EUR 540 (Aufbau) 40 + 24 Einheiten berufsbegleitend Zertifizierung www.wifiwien.at
2017

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Kommentare

Martin Stieger | 12.02.2017 17:47

auch die Fachhochschule Burgenland bietet über ihre 100 %/ige Tochter AIM Austrian Institute of Management einen Expertenlehrgang "akademische/r Immobilienmanager/in" und einen "MBA Immobilienmanagement" an, in Fernlehre http://aim.ac.at/masterprogramme/management/immobilienmanagement/