Immobilien Magazin

DIE MACHERIN

Jasmin Soravia wollte in der Welt der Steuern reüssieren. Und wurde dann doch eine der erfolgreichsten Immobilien-Managerinnen.

Autor: Barbara Bartosek

Ein kerzengerader Weg an die Spitze der Immobilienbranche ist es bei Jasmin Soravia nicht gewesen. Dafür ein umso stimmigerer. Denn heute sieht die Betriebswirtin ihre vielfältigen beruflichen Erfahrungen als perfekte Basis für ihre spannenden Aufgabenbereiche als Geschäftsführerin der SoReal. Und sie fühlt sich hier endlich "angekommen". Nicht nur aufgrund des familiären Umfeldes, sondern auch inhaltlich. Denn in der Unternehmensgruppe ihrer beiden Cousins war sie eigentlich schon einmal von 2000 bis 2006 als Steuerexpertin tätig - nachdem sie sich in ihren ersten Berufsjahren als Wirtschaftsprüferin verdient gemacht hat. Die erste berufliche Station in Österreich - nach einem Aufenthalt in London, bei PWC - war bei Ernst & Young.

"Die Wirtschaftsprüfung ist im ersten Jahr spannend, im zweiten Jahr klasse, weil man sich endlich auskennt, und im dritten Jahr wird es dann langweilig. Ich wollte eigentlich in die Steuerberatung", erzählt Soravia über ihre anfänglichen beruflichen Ambitionen. Der Zufall und auch ein glücklicher Umstand wollten es so, dass sich in diesem Bereich nicht sofort die passende berufliche Chance geboten hat - sonst hätte sie bestimmt eine klassische Steuerkarriere eingeschlagen. Dafür sprach nämlich auch besonders der parallel zu den ersten beruflichen Schritten absolvierte Masterlehrgang in internationalem Steuerrecht. Nach Ernst & Young fasste sie aber im Unternehmen ihrer Cousins Hanno und Erwin Soravia Fuß. Sie wurde als Vertretung der kaufmännischen Geschäftsführung stark in die Projekte in den Ostländern eingebunden und konnte dort ihr Steuerwissen einbringen. Mehr und mehr wuchs sie in die Immobilienthemen des Unternehmens hinein und entschloss sich, auch ihre Ausbildung um ein weiteres Fundament zu erweitern, indem sie parallel die Gewerbeprüfung für Bauträger absolvierte.

Keine Scheu vor Veränderung

Um sich endgültig in der Gruppe niederzulassen, war es aber noch zu früh für die ambitionierte Karrieristin. Sie wollte neue Erfahrungen sammeln und sich in Führungspositionen beweisen - und dafür brauchte es erstmal ein anderes Umfeld. Das fand sie anschließend bei der Strabag. Dort war sie als Asset-Managerin dafür verantwortlich, alle nicht betriebsnotwendigen Liegenschaften zu verwalten und deren Abverkauf zu steuern. "Das war genau in der Krisenzeit, und das Portfolio war sehr ostlastig. Dennoch konnte ich die Verkäufe für die Strabag erfolgreich abwickeln, ich war ja bereits positiv mit dem Ostgeschäft vorbelastet und tat mir leicht im Umgang mit Geschäftspartnern aus diesen Ländern", erinnert sich Soravia. Allerdings hat diese Art von Erfolgen einen leicht bitteren Beigeschmack: "Ist die Arbeit erst einmal getan, hat man sich selbst wegrationalisiert." Für Soravia bedeutete dies, neue Herausforderungen zu finden - im neuen möglichen Aufgabenfeld bei der Strabag, der Infrastruktur-Abteilung, konnte sie sich langfristig ihr berufliches Glück nicht vorstellen.

So machte sie sich im nächsten Schritt als Unternehmensberaterin selbstständig und bot ihr Fachwissen im Bereich Interim-Management und Restrukturierung an. Und wieder bewies die Expertin Mut, Entscheidungen zu korrigieren - sie sah, dass auch dies nicht der richtige Weg für sie war und wechselte nach einem Jahr wieder in die Immobilienwirtschaft. Als operative Österreich-Chefin bei der Conwert, wo sie von 2012 bis 2015 - wie bereits davor bei der Strabag - unter anderem auch für das Ostgeschäft zuständig war. In dieser Zeit hat Soravia alle Ost-Länder reorganisiert und konnte nahezu das gesamte CEE-Portfolio verkaufen.

"PROJEKTENTWICKLUNG IST DIE KÖNIGSDISZIPLIN DER IMMO-BRANCHE."

Als diese Aufgabe erledigt war, wurde auch der Verkauf des ganzen Unternehmens aktuell. Dies ist, getrieben vom neuen Besitzer Vonovia, auch mit einer Neubesetzung der Führungsetagen einher gegangen.

Timing ist alles

Gleichzeitig mit dieser Transaktion entstand aber auch wieder Bedarf in der Soravia Gruppe - genauer in der SoReal, der Projektentwicklungsgesellschaft, in der die großen Immobilienprojekte in Österreich und Deutschland zusammenlaufen. Die beiden Brüder holten Jasmin Soravia kurzerhand wieder zurück ins Unternehmen und besetzten mit ihr den Geschäftsführerposten. Und das war es, was sich Jasmin für ihren nächsten beruflichen Schritt vorgestellt hatte: "Projektentwicklung ist die Königsdisziplin in der Immobilienbranche, und ich wollte letzten Endes schon immer dorthin. Davor hatte ich immer nur mit Bestandsimmobilien zu tun. Es hat sich perfekt ergeben. Außerdem ist die Gruppe extremst dynamisch und innovativ. Es gibt sehr kurze Entscheidungswege, wir sind dadurch schnell und wendig und die Zusammenarbeit ist höchst amikal. Erwin ist der kreative Kopf, der Visionär, und ich die Frau, die Ideen an den Boden bringt."

Projektentwicklung im großen Stil

Und in der Projektentwicklung geht es seit Jasmin Soravias Rückkehr auch richtig rasant dahin. 2017 lag der Fokus auf Deutschland, es konnten zwei für Soravia sehr interessante Projekte akquiriert werden: Eine gemischt genutzte Liegenschaft entsteht in Mainz am Zollhafen. Das zweite ist ein Hotelprojekt in Duisburg, das für die asiatische Hotelgruppe Plateno errichtet wird. "Dass wir mit unseren ersten Aktivitäten und mit einer kleinen, schlanken Mannschaft gleich solche Projekte an Land ziehen konnten, verbuche ich als großen Erfolg - denn schließlich gibt es dort tausend Projektentwickler, und die warten eigentlich nicht 'auf die Österreicher'." Dieses Jahr hat das Unternehmen allen Grund zu feiern: Die Ausschreibung für den Austro Tower hat die SoReal für sich verbucht, sie konnte sich gegen drei weitere Bieter durchsetzen. Im Dezember 2021 soll das Projekt fertiggestellt sein und der Einzug der Mieter beginnen. Die 32.000 Quadratmeter Nutzfläche werden zu 80 Prozent von den beiden Hauptmietern, der Austro Control und der As nag, bezogen, der Rest ist aktuell in der Verwertung. "Dieser Zuschlag hat mich besonders gefreut, denn ich hätte mir nicht gedacht, dass wir das gewinnen. Wir mussten uns gegen potente Konkurrenten durchsetzen, ich bin stolz, dass uns das gelungen ist."

Schöne Aussichten

Ein weiteres Vorzeigeprojekt kommt dieses Jahr in die Entwicklung: Von der Post wurden das Areal der ehemaligen Hammerbrotwerke erworben. Diese stehen schon lange leer und werden besonderes Geschick erfordern. Die Spezialisierung auf Denkmalschutz im Schwesterunternehmen ifa AG kommt dem Projekt zugute, der Bestand ist baufällig. Der Teil der Neubauten wird unter der Klammer der SoReal stehen. Auch für die Zukunft gibt es große Pläne. In Deutschland soll die Akquisition ausgebaut werden, der Fokus liegt auf dem Hotelbereich. Aber auch in Österreich werden Hotelprojekte forciert. Schließlich soll in Kürze ein wachstumsstarker Hotelfonds aufgelegt werden. Das Ziel der ambitionierten Unternehmerin ist es, jährlich ein Gesamtprojektvolumen von 100 Millionen Euro zu heben.