Immobilien Magazin

Digital People Business

Durch den Lockdown sind viele Makler gezwungen, im Homeoffice zu arbeiten. Statt persönlichem Face-to-face-Kontakt müssen auch sie auf digitale Tools setzen. Doch welche gibt es - und kann man mit ihnen arbeiten?

Autor: Charles Steiner

Als Mitte März bekannt wurde, dass sich Österreich mehr oder weniger zu Hause vor dem Coronavirus verbarrikadieren sollte, reagierten nicht wenige Makler zunächst einmal schockiert. Nicht nur, weil man diese Situation, die ab da herrschen sollte, noch nicht kannte und da und dort auch Angst vor der Krankheit hatte, es gesellten sich auch existenzielle Ängste hinzu. Wie sollte man, so dachten viele, das Geschäft aufrecht erhalten, wenn der persönliche Kontakt zu den Kunden gar nicht mehr möglich ist? Wird das mein Unternehmen überleben? Bin ich auf einen mehrwöchigen Lockdown überhaupt vorbereitet? Gedanken, die zwar so ziemlich allen im Kopf umherschwirrten - aber gerade die Immobilienwirtschaft ist ein People Business. Und ohne den Kontakt zu den Leuten - was soll dann mit dem Business werden?

Es hat nicht allzulange gedauert, und aus der Schockstarre ist allmählich Alltag geworden. Und dank digitaler Helferlein haben die meisten Makler bemerkt, dass, wenn auch das Geschäft wegen der geringeren Nachfrage auf Sparflamme sein mag - es funktioniert. Zumindest, wenn man sich der passenden Tools bedient bzw. mit diesen ausgerüstet ist. Dazu war eigentlich relativ wenig Aufwand notwendig, um die zu makelnden Objekte auch sichtbar werden zu lassen. Dass vor der Coronakrise immer wieder über die Möglichkeiten der Digitalisierung gesprochen und geschrieben wurde, macht sich jetzt bezahlt. Denn jetzt gilt: Wer bereits vor der Krise in digitale Tools investiert hat, kann auch während des Lockdowns arbeiten. Man bleibt damit nicht nur mit Kunden im Gespräch - sondern vor allem bei Kunden - vor allem dann, wenn man sich über digitale Mittel als verlässlicher Gesprächspartner erwiesen hat.

Viel Potenzial

Das Geschäft über Onlinetools hat jede Menge Potenzial, sagt Roland Schmid, CEO von IMMOunited, der mit PicMy- Place seit geraumer Zeit ein entsprechendes Werkzeug anbietet. Gerade bei der Nutzung, so sagt er, trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn: "Gerade in der Krise zeigt sich, ob sie jemand als Chance sieht oder sich darüber beklagt, dass das Business eben eingeschränkt ist", so Schmid. Letztere werden ein wirtschaftliches Problem haben, denn gerade in diesen Zeiten gilt es, nicht einfach aufzugeben. "Es ist ja nicht so, dass man sein Geschäft als Makler nicht ausüben darf, man muss es halt nur mit anderen Mitteln tun", so Schmid. Gerade die schon vor der Pandemie viel diskutierte Digitalisierung habe sich jetzt als besonders wichtig erwiesen. "Würde es das Internet oder gar E-Mails nicht geben, wäre es überhaupt nicht möglich, von zu Hause aus zu arbeiten." Auch sind ja Besichtigungen möglich, ohne, dass ein Makler live dabei sein muss. Die Technologie zum Türen öffnen über Smartphone gibt es ja bereits länger - Airbnb hat das ja bereits vorgemacht. Frimmo etwa bietet solche Technologien an.

„Gerade in der Krise zeigt sich, ob sie jemand als Chance sieht oder sich darüber beklagt.“ - Roland Schmid, IMMOUNITED

Schmid sieht den Trend zu Onlinebesichtigungen wesentlich stärker werden - und das kommt auch Maklern sehr zugute. Durch den Umstand, dass die meisten Menschen auf Homeoffice sind, wird sich ein Effekt einstellen, der sogar Kosten zu sparen vermag. Schmid: "Durch die digitalen Besichtigungen wird der Endkonsument schon zuvor einschränken, welche Immobilien er sich live ansehen wird. Für den Makler bedeutet das wiederum, dass er weniger leere Kilometer laufen wird müssen - denn gerade Besichtigungen ohne Abschluss sind ein immenser Kostenfaktor. Der Makler arbeitet ja in dem Fall - und bekommt aber kein Geld dafür."

Viele nutzen Tools

Gerade große Maklerhäuser setzen bereits seit geraumer Zeit auf Onlinebesichtigungen. EHL hat das bereits seit anderthalb Jahren im Programm, auch die ivv hat diese Möglichkeit eingeräumt. Sascha Haimovici, Geschäftsführer der ivv, hat bereits seit einiger Zeit die Möglichkeit zu Onlinebesichtigungen im Einsatz, wie er sagt. Er hat damit gute Erfahrungen gemacht: "Wir bieten dies auch bei unseren eigenen Objekten an. Bei Fremdobjekten ist das derzeit allerdings noch nicht möglich, da das für die Projektentwickler ein Kostenfaktor ist." Doch auch die rüsten nach und nach auf - denn bereits vor dem Lockdown hat sich der Trend entwickelt, dass Wohnimmobilien immer früher gekauft werden, manchmal bereits vom Plan heraus. Ohne entsprechende Digitalisierung der Pläne wäre das so nicht oder nur eingeschränkt möglich gewesen.

„Viele unserer Objekte sind bereits online für virtuelle Rundgänge adaptiert worden.“ - Bernhard Reikersdorfer, RE/MAX AUSTRIA

Re/Max-Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer etwa sagt, dass sämtlichen Büros mit Nachdruck empfohlen worden sei, keine Besichtigungen und anstatt dessen 360 Grad-Rundgänge durchzuführen. "Viele unserer Objekte sind bereits online für virtuelle Rundgänge adaptiert worden", so Reikersdorfer, der darauf verweist, dass man über alle anderen Kommunikationskanäle - wie Videochat, Telefon, etc. - für die Kunden verfügbar sei.

Hilfe zur Selbsthilfe

Für jene, die solche Tools noch nicht eingesetzt haben, bieten viele Plattformen Hilfestellungen, wie man so etwas so einfach wie möglich umsetzen kann. FindMyHome etwa. Die Plattform entwickelte unter anderem eine eigene Immobiliensuche für Objekte mit Videos sowie einen umfangreichen Leitfaden mit Selfmade-Tipps zur Erstellung videografischer Begehungen für Immobilienanbieter sowie einen eigenen YouTube-Channel, der für Makler und Bauträger als Tutorial dienen soll. Das Mittel dafür: Ein Smartphone mit Kamera. FindMyHome-Geschäftsführer Bernd Gabel-Hlawa: "Dazu haben wir Programme und Apps getestet und zusammengestellt, die den Kunden dabei helfen sollen, die Kundenbedürfnisse nun auch digital so einfach und unkompliziert wie möglich abzudecken."

Worin sich aber alle einig sind: Der Lockdown wird auch einen Digitalisierungsschub auslösen - und wer dem nicht folgt, der wird das Nachsehen haben. Gerade jetzt hat sich das als geschäftsentscheidend erwiesen. Gerade Krisen haben nämlich folgenden Effekt: Man kann von ihnen lernen und auch gestärkt aus ihnen hervorgehen. Aktivität ist gefragt, denn mit passivem Erdulden hat noch niemand gewonnen.