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Digitalisierung spaltet die Immo-Branche

Nur kleine digitale Elite bringt Innovation

Autor: Charles Steiner

Die ganze Immobilienwirtschaft spricht von Digitalisierung - doch wenn es darum geht, sie selbst anzuwenden, herrscht noch jede Menge Potenzial nach oben. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipso im Auftrag von Union Investment unter 150 Immo-Unternehmen und Institutionellen zufolge schreitet die Digitalisierung in Europa nur in unterschiedlichem Tempo voran. Mehr noch: Die verschiedenen Geschwindigkeiten zur Implementierung der Digitalisierung spaltet die europäischen Immo-Investoren in zwei Lager: Nämlich jenen, die in dem Bereich deutliche Fortschritte erzielt hatten und denen, in denen Digitalisierung in der Geschäftsstrategie nicht vorkommt. Zumindest ist das eine Lager, das bereits mit digitalen Tools arbeitet, mit 63 Prozent die größere Gruppe. Nur, so Union Investment: Die Gruppe jener Unternehmen, die man als Innovationsführer in dem Bereich bezeichnen kann, ist verhältnismäßig klein. Lediglich jedes fünfte Unternehmen hat demnach eine weitreichende Digitalisierungsstrategie umgesetzt. 41 Prozent der Befragten verorteten sich in einem Mittelstadium, in dem bereits erste Konzepte und Prototypen realisiert worden sind. Und ebenso bei einem Fünftel ist die Digitalisierung des Geschäfts noch gar nicht vorhanden.

Allerdings dürften die Unternehmen einsehen, dass sie an der Digitalisierung nicht umhinkommen werden, denn 84 Prozent hatten bei der Umfrage angegeben, dass besonders die Optimierung von Standardprozessen und Schnittstellen bei der Frage nach digitalen Strategien an vorderster Stelle stehen. 82 Prozent findet, die IT-Sicherheit und der Datenschutz müssten verbessert werden. Auf Platz drei landet die Verbesserung der Kundenkommunikation. Auch der Kulturwandel in den Unternehmen, den die Digitalisierung eingeleitet hat, sei längst nicht abgeschlossen. Rund 80 Prozent der Befragten sagen, die digitale Transformation in den Köpfen der Mitarbeiter müsse weiter vorangetrieben werden. Und Zwei Drittel der Unternehmen will, dass ein Return on Investment in den digitalen Bereich möglichst schnell vonstatten geht. 20 Prozent wollen den sogar innerhalb eines Jahres.

Doch aus dieser Umfrage ergibt sich nicht nur Potenzial für die Unternehmen, sondern auch für PropTechs, wie Thomas Müller, Head of Digital Transformation bei Union Investment: "Dass sich die Immobilienunternehmen in erster Linie die Optimierung von Standardprozessen wünschen, sollte für PropTech-Unternehmen ein Anlass sein, genau in diesem Bereich passgenaue und gut skalierbare Lösungen zu entwickeln. Die Orientierung an Standardprozessen und eine große Innovationskraft neuer Lösungen schließen sich nicht grundlegend aus. Vielmehr sind beide häufig eher ein Beleg für einen klaren Praxisbezug."