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eCommerce macht Retail Beine

Internet sorgt für neue Dynamik am Markt

Autor: Gerhard Rodler

"Angesichts der Flächenfülle im Handel ist davon auszugehen, dass der Wunsch der Retailer nach flächendeckender Präsenz schon bald erfüllt sein wird“, erläutert Hannes Lindner, Geschäftsführer der Standort + Markt eine Kernthese im Rahmen einer gemeinsamen Marktbetrachtung mit RE/MAX Commercial. Derzeit bestehen mehr als 16 Mio. m² Handelsflächen in Österreich, davon entfallen mehr als 14,4 Mio. m² auf Einzelhandelsbetriebe.

„Der seit den 80er-Jahren stetig gewachsene Expansionshunger führte zu starken Veränderungen in der Handelslandschaft“, erklärt Lindner. „So haben in den vergangenen 30 Jahren die City-Lagen grosso modo deutlich an Bedeutung verloren.“ Ein Trend, den auch Anton Putz, Mitglied von RE/MAX Commercial in Wien bestätigt: „Gründe für diese Entwicklungen sind, dass sich im Zuge der Mobilitätsveränderung, des rasanten Kaufkraftwachstums und die gestiegenen Ansprüche der Konsumenten das Betriebstypengefüge massiv verändert haben. Dadurch fand der Einzelhandel nicht mehr ausreichend Platz in den zentralen Innenstadtlagen vor.“

Besondere Herausforderungen für den Handel erwartet Lindner durch E-Commerce: „Auch wenn sich die Fachmeinungen teilen – ist davon auszugehen, dass bis 2020 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durchschnittlich 20 Prozent der Konsumgüterkaufkraft über diese neue Vertriebsschiene gebunden werden – wohl zum primären Leidwesen des stationären Einzelhandels.“ Dies habe auch deutliche Auswirkungen auf das Expansionsverhalten und schlussendlich auf die zukünftige Handelsflächendynamik in Österreich. Dazu Christian Haidinger, RE/MAX Commercial-Partner in Oberösterreich: „Das verstärkte „Grübeln“, welche Fläche zukünftig noch wirtschaftlich zu führen ist, rührt primär aus dem zukünftig absehbaren weiteren strukturellen Wandel der Handelslandschaft, ausgelöst durch die Verlagerung der Umsätze von „Offline“ (Handelsumsatz im stationären Handel) zu „Online.“

“Spürbar ist heute bereits, dass die Expansionsdynamik in den letzten beiden Jahren merklich abgenommen hat“, bestätigt Arno Wimmer RE/MAX Commercial Partner in Innsbruck, den Trend. „Zwar gibt es für Top-Lagen wie z.B. der Kärnternstraße, dem Kohlmarkt oder am Graben in Wien, der Getreidegasse in Salzburg, der Landstrasse in Linz oder der Maria-Theresienstraße in Innsbruck nach wie vor Wartelisten und damit entsprechend hohe Preise, der Wunsch, auch die letzten Winkel des Landes zu besetzen, wird aber immer seltener.“ Dies mache sich auch in der Flächendynamik der jungen Handelsstandorte, also der Shopping Malls und Retail Parks, bemerkbar: Per Jänner 2014 wiesen die 223 österreichischen Shopping Center eine beträchtliche vermietbare Fläche von 3,73 Mio. m² auf, der jährliche Shopping Center-Flächenzuwachs von zuvor 120.000 m² werde aber in den kommenden Jahren tendenziell deutlich sinken.

Standort + Markt erwartet in den kommenden 10 Jahren deutliche Verwerfungen im stationären Einzelhandel – also zukünftig eine höhere Dynamik im Mieterwechsel. „Professionelle Makler können bei diesem Prozess der Neuordnung des Einzelhandels einen aktiven Beitrag leisten, vorausgesetzt, die Immobilienbüros verfügen über eine sehr gute Vernetzung zu den Entscheidungsträgern im Retail einerseits und haben darüber hinaus eine starke regionale Verankerung andererseits. Für unsere landesweit breit aufgestellte RE/MAX Commercial Group sind dies sehr interessante Rahmenbedingungen und gleichzeitig eine große Chance“, so Bernhard Reikersdorfer, MBA, Geschäftsführer von RE/MAX Austria.