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Ein Hoch auf die Betriebskosten

Eine aktuelle Studie der TU Wien zeigt: Die Entwicklung des Facility Management ist nicht in allen Ländern der EU gleich ausgeprägt. Das wirkt sich auch auf die Kosten aus.

Autor: Charles Steiner

Man trifft sich zu Mittag mit Alexander Redlein von der TU Wien in seinem Büro am Karlsplatz, zwei duftende Leberkäsesemmeln im Gepäck. Und wenn Redlein jemanden in sein Büro lädt, dann hat der FM-Experte auch immer gleich etwas Neues zu erzählen, etwas, was für den FM-Markt signifikant ist. Und so erzählt er von einer neuen TU-Studie zu Zielen der FM-Abteilungen, die gerade abgeschlossen wurde. Und die zeigt, dass die Entwicklungen in den einzelnen EU-Ländern beim Facility Management zum Teil grundlegend verschieden sind. Ein Umstand, der besonders für international oder global agierende FM-Dienstleister von Belang ist. Denn gerade im Kostensektor und auch in der technischen Entwicklung gibt es Unterschiede.

Andere Länder, andere Sitten

Redlein beginnt zu erzählen: "Die Anforderungen der FM-Bereichen in den einzelnen Staaten sind zum Teil komplett verschieden. Während etwa in Spanien die Kostenreduktion und Transparenz die wichtigsten Themen ist, sind diese in Deutschland und Österreich eher gleichauf mit Qualität und Nachhaltigkeit." Das überrascht auch nicht - denn gerade, was die Kosten für Instandhaltung, Reinigung, Personal, aber auch Energie betrifft, sind diese in Spanien überbordend hoch. "Kein Wunder", erläutert Redlein, "Die Immobilien dort sind so komplex und vollbepackt mit Sensoren und IOT-Devices, sodass die Wartung dort zu einem absoluten Kostentreiber geworden ist." Das Resultat daraus sind ungeheure Datenmengen. Zum Vergleich: In Österreich und Deutschland sind diese Punkte gerade mal nur halb so teuer. Auch sonst gibt es zwischen den Ländern gewisse Eigenheiten. Industrie und Arbeit 4.0 seien in Deutschland wesentlich verbreiteter als in Österreich. Auch die Anforderungen sind andere. "Die Unternehmen wollen sehr viel Flexibilität. Der Wohlfühlfaktor ist da sehr wichtig, aber man möchte die Dienstleistungen sehr schnell verfügbar haben, wenn man sie braucht", so der Experte. Und Kostensenkung ist bei unserem nördlichen Nachbarn nicht mehr das größte Thema. Sondern Kostentransparenz. Weit mehr ist in Österreich dafür der Umweltgedanke vorherrschend, der in Deutschland weniger seinen Niederschlag findet. Auch bei der Qualitätssicherung sind die Ziele nicht so prioritär wie in Österreich oder Spanien. "Das, obwohl Deutschland wirtschaftlich sehr gut dasteht", wundert sich Redlein.

Die Normenflut kostet viel

In Österreich ist dafür wiederum die Normenflut ein Faktum, das zu höheren Kosten führt. Denn dort sind vor allem die Anlagedaten ein Thema, durch mehr Normen und Regelungen ist auch der Bedarf an Daten höher. "Da freuen sich die Betriebskosten", sagt Redlein, die ÖNORM B1300/1301 ansprechend, die Objektsicherungsprüfungen vorsieht. Ein weiterer Punkt, der in den kommenden zwei Jahren für die FM-Branche zu einer Herausforderung wird, ist die neue Form der Umsatz-Bilanzierung nach dem IFRS 15, die mit 1. Jänner 2018 in Kraft tritt. Eine Herausforderung deswegen, weil damit auch Mietverträge als Anlage abzubilden sind. "Das ist ein Punkt, von dem ich ausgehe, dass kaum ein Facility Manager davon Bescheid weiß", wirft Redlein ein. Denn auch das Nutzungsrecht - dieses wird ja mit einem Mietvertrag de facto gewährt - ist in den neuen Bilanzen zu verbüchern. "Eine teure Angelegenheit. IT-Systeme müssen angepasst werden, Prozesse neu gestaltet. Auch bei bereits bestehenden Verträgen." Und da ist auch der Haken, da drängt auch die Zeit. "Man kann da nicht auf eine standardisierte Software zurückgreifen, da alle Bestandteile von Mehrkomponentenverträge separat zu bewerten sind", so Redlein. Das ist für die Facility Manager ebenfalls von Belang - nämlich, wie sie ihre Dienstleistungen als Komplettanbieter, technische, infrastrukturelle oder kaufmännische Services bilanzieren. "Das kann manchen schon Kopfzerbrechen bereiten." Nämlich auch Softwareentwicklern. Es bleibt also spannend in der FM-Branche, die sich in den vergangenen Jahren so stark gewandelt hat wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Nach der Verabschiedung mit Redlein geht es wieder zurück in die Redaktion. Gottseidank fährt der Aufzug.

10. IFM-Kongress - Wissenschaft trifft Praxis

Am 16. Und 17. November findet wieder in Wien der nunmehr 10. Internationale Facility Management Kongress an der TU Wien statt. Internationale Vortragende werden dort wieder neue Entwicklungen aus Praxis und Theorie näherbringen.
Informationen sind unter institute.tuwien.ac.at abrufbar.

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Kommentare

Jens Blatter | 06.04.2017 14:56

Und genau deswegen bin ich so froh, dass wir ein Büro bei UBC gemietet haben, bei dem die Betriebskosten in der Miete enthalten sind. Wir müssen uns weder um die Organisation oder die Umsetzung kümmern. Gerade für kleinere Firmen kann das manchmal echt ein Lebensretter sein.