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Eiskalt gebaut

Der Jänner 2017 war in Österreich der kälteste seit drei Jahrzehnten. Eisige Kälte ist heute kein Problem - der Baustoff Beton und der hohe Vorfertigungsgrad gewährleisten, dass Baustellen nicht stillstehen müssen.

Autor: Andre Exner

Bauarbeitern erging es früher wie Skilehrern - nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Während Skilehrer sich im Sommer wetterbedingt nach einer anderen Beschäftigung umsehen mussten, war in der Baubranche bei eisigen Außentemperaturen Stillstand angesagt. Das machte sich auch in Arbeitsmarktstatistiken bemerkbar - sowie in den Geschäftszahlen der Bauunternehmen. Die Belegschaft musste im Winter zum Großteil arbeitslos gemeldet werden, der teure Gerätepark stand still, das Unternehmen machte keinen Umsatz. Diese Zeiten sind vorbei: Dank der Eigenschaften des Baustoffs Beton sowie des hohen Grades der Vorfertigung in den Betonfertigteilwerken müssen Bauarbeiter heute im Winter nicht mehr stempeln gehen. "Wir können mit Betonfertigteilen auch bei minus 30 Grad Celsius Außentemperatur bauen", sagt Wilfried Klade, Geschäftsführer von Rauter Fertigteilbau GmbH: Betonieren kann man zwar nur bei leichten Minusgraden, doch die vorproduzierten Teile können sehr wohl montiert werden. Witterungsbedingte Grenzen setzt somit weniger der Baustoff, sondern vielmehr die Belegschaft - aus Rücksicht auf die Mitarbeiter wird bei besonders eisigen Temperaturen nicht gearbeitet.

Hochbetrieb in der Kälte

Das steirische Unternehmen, das zu Kirchdorfer Concrete Solutions gehört, hat auch im Winter 2017 eine Reihe von Baustellen beliefert, an denen selbst bei Schnee, eisigem Wind und Kälte Hochbetrieb herrscht. So entstehen im Wohnbauprojekt Rondo im Viertel Zwei in Wien in sieben Baukörpern 201 Eigentumswohnungen. Rund 200 Bauarbeiter der ausführenden Baufirma Heitkamp Ingenieur- und Kraftwerksbau GmbH waren auch bei der ungünstigsten Witterung täglich im Einsatz. Eine Winterpause war von Anfang an kein Thema, die Wohnungen hat Projektentwickler IC Immobilien zum Großteil schon lange vor dem Baubeginn im Frühjahr 2016 verkauft, die Übergabe erfolgt im Sommer 2017 - und der Termin ist in Stein, besser gesagt in Beton gemeißelt. Bereits dieses Projekt zeigt: Der Baustoff Beton ist im Hochbau nicht mehr wegzudenken. Und zwar nicht nur vor Ort "gemixt", sondern auch vorproduziert, denn Fertigteile aus Beton haben eine Reihe von Vorteilen: Die Vorfertigung im Werk verkürzt die Bauzeit und senkt die Kosten. Die Fertigungsqualität der Bauteile wird durch computergesteuerte Produktionsprozesse garantiert. So werden Qualitätsmaßstäbe, vor allem für moderne Gebäudekonzepte, die besondere architektonische und energiewirtschaftliche Vorgaben erfüllen müssen, problemlos eingehalten. Ob Stützen, Träger, Wände, Decken, Stiegen, Keller oder Tiefgaragen: Lieferung und Einbau gehen schnell vor sich und verursachen kaum Schmutz und Lärm.

Gebogene Fassadenelemente aus Beton

Beim Lokalaugenschein auf der Rondo-Baustelle fallen sofort die gebogenen vorgefertigten Betonelemente ins Auge, welche die Fassade des Projektes zu etwas Besonderem machen und von Rauter Fertigteilbau GmbH geliefert werden. Denn beim Rondo ist der Name Programm: Die Wohnhäuser werden keine eckigen Blöcke, sondern sollen sich mit ihrer geschwungenen Form harmonisch in ihre Umgebung zwischen Trabrennbahn und Grünem Prater einfügen und zugleich eine Dynamik signalisieren, welche die moderne Lebensart der Bewohner unterstreicht. Das Rondo wird dabei ein besonders umweltfreundliches Gebäude und überzeugt durch niedrige Energiekosten - auch hierbei ist natürlich der Baustoff Beton im Spiel, denn Beton als Speichermasse senkt die Heizkosten und sorgt Sommer und Winter für ein konstant angenehmes Raumklima. Verbunden sind die sieben runden Baukörper im Rondo durch eine gemeinsame Tiefgarage, die 1,2 Hektar groß ist und Platz für 144 Autos, aber auch Raum für Allgemeinflächen und Einlagerungsabteile bietet. Dafür, dass der Keller auch in Jahrzehnten noch trocken sein wird, sorgt der Baustoff Beton: Zumindest 25 Zentimeter dicke, mit Fugenbändern versehene Wände sorgen für absolute Dichtheit.

Der Keller steht in wenigen Tagen

Szenenwechsel - Berglandschaft im südlichen Niederösterreich. Mit Hochdruck schreiten die Arbeiten beim Hotelzubau Molzbachhof in Kirchberg am Wechsel voran. Auch hier sorgt die Vorfertigung der zum Einsatz kommenden Betonelemente dafür, dass bei extremen Außentemperaturen weiter gearbeitet werden kann. Produziert werden die Teile vom Familienunternehmen Kammel. Vor 50 Jahren gegründet, ist Kammel mit Sitz in Grafendorf in der Steiermark heute vor allem für seine Fertigkeller-Systeme ein Begriff in der Bauwirtschaft, vom "privaten Bauherren" bis hin zum großen Bauträger. Auch bei der Erweiterung des Hotels Molzbachhof wird der Keller mit den speziellen Kammel-Doppelwänden errichtet. Die Vorteile des Systems sind vielfältig - Fenster, Türen und Installationsverrohrungen sind bereits eingebaut, die ebenen Oberflächen der Wände ersparen Putzarbeiten, was gerade beim Bauen unter eisigen Außentemperaturen ein enormer Vorteil ist. "Durch die Vorproduktion kann jedes Bauvorhaben rasch realisiert werden", sagt Franz Strobl, geschäftsführender Gesellschafter der Kammel Ges. m. b. H. - egal wie kalt das Wetter ist. Durch den kurzen Transportweg zwischen Grafendorf und Kirchberg am Wechsel ist die Umweltbilanz dieses Projektes besonders positiv. Das war dem Bauherren wichtig, denn Umweltfreundlichkeit wird beim von der Familie Pichler betriebenen Hotel Molzbachhof groß geschrieben: Seit Oktober 2016 wird in einer Holzverstromungsanlage umweltfreundlich Ökostrom erzeugt, der zur Beheizung des Hotels verwendet wird. Auch beim Bau dieses hoteleigenen Kraftwerks war Beton natürlich der wichtigste Baustoff, denn Beton ist ein besonders umweltfreundlicher Baustoff: Er wird energieschonend produziert und besteht zum Großteil aus natürlichen Rohstoffen wie Wasser, Zement, Kies und Sand, die direkt aus der Region aus Österreich stammen.

Der Baukran streikt

Nicht nur im Osten Österreichs war der Winter 2017 besonders hart - auch den Westen, wo man mit Eis und Schnee erfahrungsgemäß besser umgehen kann, hat es heuer sozusagen eiskalt erwischt. Diejenigen Baustellen, an denen Beton der Baustoff der Wahl war, konnten trotzdem weiter betrieben werden, wenn es auch kältebedingt manchmal unerwartete Ereignisse gab. Etwa an einer Baustelle in Bischofshofen im Salzburger Pongau, wo der Bauherr Salzburg Wohnbau gerade ein Objekt mit 21 Wohnungen sowie Geschäftsflächen errichtet. Die Arbeit steht trotz Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, Schnee und Glätte nicht still. "Bei der Anlieferung der Doppelwände mit dem Innenlader gestern um 8 Uhr früh hatte es minus zwölf Grad Celsius", erzählt Kathrin Eckmayr, Assistentin der Geschäftsleitung der Eferdinger Bauhütte Leitl-Werke GmbH, Lieferant der vorgefertigten Betondoppelwände. "Das hatte zur Folge, dass der Baukran nach dem Versetzen des ersten Elements wegen Kälte gestreikt hat." Auch bei diesem Projekt ist wetterbedingter Stillstand nicht denkbar - die Anmeldelisten für die leistbaren Mietkaufwohnungen sind bereits gefüllt, eine Geschäftsfläche des Objektes in zentraler Bischofshofener Lage gegenüber dem Bahnhof bereits an den Bekleidungseinzelhändler H&M vorvermietet. Die architektonisch ansprechenden und mit Freiflächen versehenen Wohnungen in Bischofshofen sollen nach nur rund 1,5 Jahren Bauzeit übergeben werden - auch beim Hotelzubau in Niederösterreich sowie beim Wohnhausprojekt Rondo in Wien ist die Bauzeit nicht länger bemessen. Dafür, dass diese Objekte trotz ihrer Entstehung mitten im kältesten Winter seit 30 Jahren noch in Generationen ihre Nutzer erfreuen werden können, sorgt der Baustoff Beton - denn Beton hält ewig. Das beweist gerade der Besuch auf der Rondo-Baustelle: Direkt neben den modernen Baukörpern stehen die denkmalgeschützten Tribünen der Trabrennbahn Krieau. Sie bieten jedem noch so ungünstig gestimmten Wettergott trotzig ihre Stirn. Und das schon seit mehr als 100 Jahren - die drei Tribünengebäude sind die ältesten Stahlbeton-Tribünen Europas.

Betonfertigteile haben viele Vorteile

Die Vorfertigung im Werk verkürzt die Bauzeit und senkt die Kosten. Die Fertigungsqualität der Bauteile wird durch computergesteuerte Produktionsprozesse garantiert. So werden Qualitätsmaßstäbe problemlos eingehalten.

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