Immobilien Magazin

Erwerb über Leibrente immer häufiger

Die demografische Entwicklung wirkt sich auch auf den Immobilienerwerb aus: Neben klassischen Formen wie Kauf, Erben und Schenkung wird das Modell der Leibrente immer häufiger.

Autor: Charles Steiner

Österreich altert - und dass immer stärker. Die demografische Entwicklung bringt nicht nur neue Wohnformen wie etwa betreutes Wohnen mit sich, auch beim Immobilienerwerb selbst sind die Auswirkungen spürbar. Denn neben klassischen Erwerbsformen wie Kauf, Schenkung oder Erben kommt das Modell der Leibrente hinzu, wobei der Käufer in regelmäßigen Abständen Zahlungen in vereinbarter Höhe an den Verkäufer leistet, bis dieser stirbt. Laut Studie „Die Traumimmobilie der Österreicher“ des Gallup Instituts im Auftrag von Raiffeisen Immobilien nimmt diese Form mittlerweile einen doch erheblichen Anteil der Erwerbsformen ein. Gut 13 Prozent gaben an, ihre Immobilie anders als durch Kauf, Schenkung oder Erbe erworben zu haben. Grund genug, nachzufragen. Und dieser Prozentsatz geht tatsächlich von einem hohen Anteil vom Erwerb über Leibrente aus.

„Das Thema mit der Leibrente ist tatsächlich stark im Kommen“, sagt Peter Weinberger, Geschäftsführer und Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich. „Das hat mehrere Gründe: Einerseits leben viele in einer Immobilie, die sie auch im Alter bewohnen wollen, die Erhaltung dieser über das durch die Leibrente begründete Wohnrecht aber deutlich einfacher und günstiger ist. Andererseits werden die Menschen älter - wurde früher geerbt, ist für die Erbenden das Thema Leibrente respektive lebenslanges Wohnrecht ebenfalls interessant. Diese Übertragssverträge - eine Mischung aus Schenkung und finanzieller Gegenleistung - sind da eine gute Kombination, beide Generationen zufriedenzustellen.“

Das Modell ist aber nicht nur für Erbende interessant, es könnte auch kommerziell genützt werden - wenn man einen entsprechend langen Atem hat. In Deutschland ist wird das Konstrukt auch von solchen Unternehmen genutzt - etwa von HausPlusRente, die seit neun Jahren am Markt ist, allerdings über das Nießbrauchrecht, also einer Einmalzahlung mit anschließendem Wohnrecht agiert. Auch die Deutsche Leibrenten Grundbesitz ist aktiv, diese zahlt auch tatsächlich über Leibrenten aus. Dennoch ist diese Form der Veranlagung in Deutschland eher ein Nischenprodukt, da es gewisse Risiken birgt, wie etwa einen möglichen Zinsanstieg und damit sinkenden Immobilienpreisen, der es diesen Unternehmen dann nicht erlaubt, die Immobilien teurer zu verkaufen, womit das Geschäftsmodell dann nicht mehr aufgeht. In den USA und Großbritannien ist der kommerzielle Erwerb über Leibrenten deutlich stärker vertreten - auch bedingt durch die staatliche Risikoabsicherung im Insolvenzfall des Immobilienunternehmens.