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Filmstar Baustelle

Dokumentation, Sicherheit und Öffentlich­keitsarbeit. Baustellenkameras bieten Bauherren und -firmen viele Vorteile. Doch auch einige rechtliche Fragen müssen dabei beachtet werden.

Autor: Stefan Posch

Wie fleißige Ameisen sieht man die Bauarbeiter auf der riesigen Baustelle des Austria Campus herumlaufen, vier Baukräne ragen einem bedrohlich entgegen. Wer heute eine Baustelle aus nächster Nähe beobachten will, muss sich keinen Bauhelm aufsetzen und in lichten Höhen zwischen Baumaterialien, Arbeitern und Maschinen durchdrängen. Heutzutage muss man sich nicht einmal mehr vom Schreibtisch wegbewegen. Möglich machen das Baucams, die Livebilder von der Baustelle direkt in das World Wide Web übertragen. "Wir haben derzeit am AUSTRIA CAMPUS zwei fixe Baustellenkameras", erklärt SIGNA Projektleiter Matthias Pressler. Eingesetzt werden diese zur Dokumentation des Baufortschrittes sowie als zusätzliches Marketingtool bei Projektpräsentationen oder auch für Zeitrafferfilme, so Pressler weiter. Die Baustellenkameras werden während der gesamten Bauzeit - bis Anfang 2019 - eingesetzt.

Nachfrage steigt

"Wir beobachten eine jährlich wachsende Nachfrage", erklärt Winfried Wrulich, Leiter Marketing/Vertrieb bei WMS Web Media Solutions GmbH, die schon seit 2001 Baucams anbietet und auch die Baustelle am Austria Campus filmisch betreut. Der Hauptgrund für das steigende Interesse an dem Tool ist für Wrulich die einfache Baudokumentation, die Baucams bieten können. "Baucams sind ein einfaches und effizientes Werkzeug, um den Bau zu dokumentieren", so Wrulich.

Öffentlichkeitsarbeit mit Baucams

Einen weiteren Mehrwert, den eine Baustellenkamera bieten kann, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Besonders Baustellen von öffentlichem Interesse können mit Livebildern Aufmerksamkeit generieren, und dank Zeitraffer kann nach der Fertigstellung des Gebäudes ein faszinierender Imagefilm geschnitten werden. Andrea Baidinger, Geschäftsführerin bauen wohnen immobilien Kommunikationsberatung, sieht vor allem Marketingmöglichkeiten für die Social Media-Kanäle. Auch Baidinger bietet Kamerasysteme für Baustellen an. Für sie ist das Geschäftsfeld aber ein Nischenprodukt: "Das ist eine Liebhabergeschichte", so Baidinger.

Wir beobachten eine jährlich wachsende Nachfrage.

Auch für Häuslbauer

Doch nicht nur große Baukonzerne und Immobilienentwickler setzten vermehrt auf eine Kamera auf der Baustelle. Die Kosten seien so gering, dass ein Mehrwert auch für kleinere Baustellen gegeben sei, erklärt Wrulich. Etwa 2.000 Euro müsse man für die Ersteinrichtung kalkulieren. Danach werde ein monatlicher Beitrag ab 35 Euro verrechnet. Das System ist zudem einfach zu installieren. Die Kamera könne etwa auch per Post zugeschickt werden, erklärt Wrulich. Das Gerät kann entweder gemietet oder gekauft werden. Gespeichert werden die Bilder in einer Cloud. Baidinger hat sich auf kleinere private Baustellen spezialisiert. Wenn man als Bauherr nicht vor Ort sei, würden die Arbeiter "oft zusammenpacken und gehen", gibt Baidinger zu bedenken. "Mir ist das auch einmal passiert", erzählt sie. Mit einer Kontrolle durch eine Baustellenkamera kann das verhindert werden. "Geht bei Bauarbeiten etwas schief, dann ist es nun auch leicht, über die Bilddokumentation die Fehlerquellen zu eruieren", erläutert Baidinger weiter. "Gerade in Streitfällen kann dies eine wertvolle Hilfe sein." Beim Aufstellen der Kameras ist es wichtig, einen Ort zu finden, der nur schwer zu erreichen ist. "Sonst nimmt jemand die Kamera einfach mit", so Baidinger. Die Technik bei den Baustellenkameras hat sich in den letzten Jahren schnell weiterentwickelt. In den Anfangszeiten hätten sie noch mit Bildern mit 640 x 480 Pixel gearbeitet. "Heute sind acht Megapixel Standard", so Wrulich. Doch auch Auflösungen mit 30, 40 oder 50 Megapixeln seien möglich. Zudem wurden zusätzliche Tools entwickelt. Heutzutage kann man per Mausklick zoomen, das Video im Zeitraffer abspielen oder das Bild auch schwenken. Besonders wichtig ist auch die Robustheit der Geräte. Teilweise müssen sie jahrelang bei Wind und Wetter bestehen. "Wir haben auch Kameras auf über 3.000 Metern Höhe", erklärt Wrulich.

Keine Überwachungskameras

Als Überwachungskamera gegen Diebstähle ist eine herkömmliche Baucam aber nur bedingt geeignet. Schließlich macht das System keinen durchgehenden Film, sondern einzelne Fotos. Zudem sind Gesichter der Menschen meist nicht zu erkennen. "Es bringt nichts, auf Baustellen Kameras zu montieren und die Bilder nur aufzuzeichnen", gibt Werner Schneemayer, Gesellschafter des Sicherheitsunternehmens Eagle Eye Security, zu bedenken. Um Sicherheit vor Diebstahl zu gewährleisten, müsse eine Echtzeitüberwachung installiert werden. Seit September 2016 ist das Unternehmen mit einem speziellen Sicherheitssystem für Baustellen am Markt, bei dem die Baustelle nicht nur per Überwachungskamera überwacht wird, sondern auch direkt vor Ort auf Eindringlinge reagiert werden kann. "Über 70 Mitarbeiter halten die Bilder der Kameras im Auge", erklärt Schneemayer. Im Bedarfsfall kann vor Ort auf den Eindringling reagiert werden, denn von der Zentrale aus können Licht, Sirenen oder sogar Rauchanlagen gesteuert werden. Zudem kann über ein Beschallungssystem der Eindringling zum Gehen aufgefordert und in der Zentrale die Polizei gerufen werden. "Alles, was man vor Ort machen kann, können wir aus der Ferne steuern", so Schneemayer. Bei dem System werden die Bilder erst im Bedarfsfall aufgezeichnet. Weiters wird Eagle Eye Security schon bald ein Sicherheitssystem für die Bauwerkzeuge auf den Markt bringen. Dabei werden die Werkzeuge mit einem Bluetooth-Chip versehen. "Wenn die Bauarbeiter die Werkzeuge nicht ordnungsgemäß in dem Container verstauen, erkennen wir das und können reagieren", erklärt Schneemayer das System. Man stehe schon mit einer großen Baufirma über die Einführung des Systems im Gespräch, so Schneemayer.

Rechtliche Handhabe

Rechtlich ist bei einer Verwendung einer Baustellenkamera einiges zu beachten. So darf etwa der öffentliche Bereich nicht gefilmt werden. "Den öffentlichen Bereich verpixeln wir", erklärt Wrulich die Vorgehensweise. Auf der Baustelle selbst reicht laut Wrulich ein einfacher Hinweis über die Baudokumentation. Beim Anbringen von Überwachungskameras muss normalerweise das Datenschutzgesetz 2000 beachtet werden. Ist die technische Auflösung der Anlage aber so gewählt, dass die Erkennbarkeit von Personen nicht gegeben ist, würden personenbezogene Daten gar nicht erst entstehen, heißt es auf Anfrage von der Datenschutzbehörde. Das DSG 2000 sei in diesem Fall nicht anwendbar.

Arbeitnehmerrechte

Eine Videoüberwachung bewirkt nach Martina Chlestil, Arbeitsrechtsexpertin in der Arbeiterkammer, - sofern sie auch Arbeitsplätze erfasst - einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Generell ist daher zu prüfen, ob kein gelinderes Mittel für die Baustellenkontrolle, wie etwa die Begehung vor Ort, möglich ist. Sofern der Arbeitsbereich von Arbeitnehmern ständig im Blickfeld der Kameras liegt, stellt dies eine Kontrollmaßnahme dar, die jedenfalls die Menschenwürde berührt, so Chlestil. Die Zustimmung des Betriebsrates nach dem Arbeitsverfassungsrecht ist daher notwendig, vor Einsatz der Kameras muss eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden. In betriebsratslosen Betrieben ist die Zustimmung der einzelnen Arbeitnehmer nötig. Werden Abbildungen von Arbeitnehmern veröffentlicht, etwa auf einem Videostream auf der Homepage des Arbeitgebers, ist das "Recht am eigenen Bild" zu beachten und die notwendige Zustimmung des abgebildeten Arbeitnehmers ist einzuholen. Auch deswegen sollte darauf geachtet werden, dass keine Gesichter der Arbeiter zu erkennen sind und öffentliche Plätze nicht im Blickwinkel der Kamera liegen.

Gewerkschaft sieht kein Problem

Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz, hat bisher mit Baustellenkameras noch keine Probleme gehabt. "Solange sie nicht dazu benutzt werden, arbeitsrechtlich relevante Dinge aufzuzeichnen, sehe ich keine Probleme", so Muchitsch. Die Kameras würden schon seit Jahren verwendet werden, ein Fall, bei dem das relevant war, sei ihm nicht bekannt.

Datenschutz

Normalerweise ist bei der Aufstellung einer Kamera das Datenschutzgesetz 2000 anzuwenden. Demnach muss ein Antrag bei der Datenschutzbehörde gestellt werden. Ist die technische Auflösung aber so gewählt, dass Gesichter nicht zu erkennen sind, entstehen personenbezogene Daten erst gar nicht. Das Datenschutzgesetz 2000 kommt in dem Fall nicht zur Anwendung. Auch aufgrund von Arbeitnehmer- und Persönlichkeitsrechten sollte darauf geachtet werden, dass die Gesichter der Arbeiter nicht zu erkennen sind. Zudem muss berücksichtigt werden, dass öffentliche Bereiche nicht in den Blickwinkel der Kameras fallen.

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