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Frauenkarriere – Quo vadis?

Nach dem Beginn des Feminismus und dem darauf folgenden ersten allgemeinen Aufbäumen dagegen ist heute das Thema 'Frau in der Arbeitswelt' wieder in aller Munde. Aber geht es in die richtige Richtung? Und welche ist richtig?

Autor: Barbara Bartosek

Die Immobilienwelt, per se eher technisch betont, ist wahrlich keine Frauendomäne. Aber sie hat doch das Zeug dazu, unter der Vielzahl an männlichen Triumphatoren auch einige weibliche Größen hervorzubringen, wie sich in den einschlägigen Management-Ligen und Vorständen unschwer erkennen lässt. Nicht zuletzt sind die erfolgreichen Immobilien-Ladys in der Öffentlichkeit ziemlich gut sichtbar, weil viele von ihnen im Frauen-Netzwerk Salon Real gemeinschaftlich dafür sorgen. Aber freilich - Frauen sind ganz oben dennoch stark in der Minderheit, und je weiter man sich durch die Hierarchien nach unten gräbt, desto konservativer sind tendenziell auch die Rollen verteilt. Welche beruflichen Chancen haben nun Frauen aktuell - weltweit, in Österreich, in der Immobilienbranche? Frau Bundesministerin Sophie Karmasin sieht in Österreich nach wie vor traditionelle Rollenbilder: "Noch immer tendieren Jugendliche bei der Jobwahl zu klassischen, ihrem Geschlecht zugeordneten Berufen, und Frauen werden gefragt, wie sie Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen wollen. Solange sich das nicht ändert, werden es Frauen immer schwerer haben, Karriere zu machen. Die Entwicklung geht aber zum Glück in die richtige Richtung: Vor allem junge Männer wollen sich bewusst Zeit für die Familie nehmen und stecken dafür auch gerne in der Karriere zurück. Das ermöglicht es Frauen, nach der Geburt rascher ins Berufsleben zurückzukehren."

Quoten sind keine Drohung, sondern unterstützen und beschleunigen bei der Nutzung aller vorhandenen Kompetenzen – auch wenn es Männer bislang zu wenig interessiert. - Karin Schmidt-Mitscher, Erste Group

Ungenutztes Potenzial

Trotz der Tatsache, dass mehr Frauen als Männer an den österreichischen Hochschulen reüssieren, sind Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Es tut einer Gesamtwirtschaft logischerweise nicht gut, wenn bei der Jobvergabe auf Tradition und Seilschaft statt Höherqualifikation gesetzt wird. Auch werden die Karrierestufen im CV einer Frau oft anders interpretiert, was diese ebenfalls am Fortkommen hindert. So wird etwa "Assistenz" in einem männlichen Lebenslauf meist anders gelesen als in einem weiblichen. Isabella Stickler, bei Alpenland für Personal und Organisation zuständig, hat eine klare Meinung zu dem Thema: "Es wird derzeit viel in die Ausbildung von Frauen investiert, das dadurch entstehende Potenzial aber nicht ausgeschöpft. Auch beim Diversity Management sind in Bezug auf die Frauenförderung in Spitzenpositionen noch wesentliche 'Hausaufgaben' zu erledigen. Zahlreiche Statistiken zur Entlohnung von weiblichen und männlichen Beschäftigten und zur Stellenbesetzungspolitik in Organisationen zeigen recht deutliche Unterschiede in der Verteilung der beruflichen Chancen für Frauen und Männer.

Mangelnde Förderung

Auch Karin Schmidt-Mitscher, die kürzlich zur Erste Group als Head of Group Commercal Real Estate gewechselt hat, sieht ein großes ungenutztes Potenzial. "In den letzten Jahrzehnten wurde viel erreicht, aber nicht genug - Unternehmen verzichten immer noch in viel zu großem Ausmaß auf Kompetenzen von Frauen in höheren Positionen. Frauen werden durch geringe Förderung ihrer Chefs gebremst, insbesondere oft durch die direkten Vorgesetzten. Frauen arbeiten und führen aus meiner Sicht nicht anders als Männer. Es gilt, Stereotype aufzubrechen, und dazu braucht es eine Quote, und sicher nicht nur für Aufsichtsräte, sondern für Führungspositionen allgemein."

Ich wünsche mir mehr Frauen in Führungspositionen. - Karl-Heinz Strauss, Porr AG

Netzwerke öffnen, Netzwerke bauen

Frauen haben es auch beim Eintritt in formelle und informelle karriererelevante Netzwerke oftmals genauso schwer wie beim Durchbrechen gläserner Decken - denn entweder erfahren sie erst gar nicht davon, oder es sitzen darin dieselben Entscheider. Für Bundesministerin Karmasin ist es zudem besonders wesentlich, dass aufstrebende junge Frauen weibliche Vorbilder haben. Vorbilder, die Barrieren abbauen und neue Wege beschreiten. "Erfolgreiche Frauen, die sich gegen alle Widerstände durchgesetzt haben, gibt es auch in Österreich in einer Vielzahl. Und während Männer sich gegenseitig fördern und so in ihren Karrieren unterstützen, war die Solidarität unter Frauen in der Vergangenheit oft unbewusst zu gering. Es ist umso wichtiger, dass sich Frauen zusammenschließen, vernetzen, inspirieren und gegenseitig unterstützen." Die Damenwelt in der Immobilien-Szene ist mit dem Salon Real gut bedient. In diesem besonders gut funktionierenden Netzwerk helfen sich starke Frauen gegenseitig beim Fortkommen, und auch Newcomern wird mit eigenen Programmen der Weg erleichtert. Aber auch in anderen und im persönlichen Netzwerk muss der Förderungsgedanke im Vordergrund stehen - um alte Muster aufzubrechen.

Vorbildwirkung ist gefragt

Es gibt sie, die guten Vorbilder - wichtig ist, dass sie sich selbst aktiv sichtbar machen. Eine der "Sichtbaren" ist Brigitte Fiedler, Geschäftsführerin der WiSAG - denn sie wird von etwa 1.200 Mitarbeitern gesehen. Fiedler hat vor 22 Jahren als Assistentin in einem damaligen Kleinstunternehmen begonnen und ist nur Vorstandsmitglied. Sie ist damit schon automatisch ein Vorbild für die Frauen im Unternehmen - Förderung gibt es im Sinne einer totalen Gleichbehandlung. "Für alle Positionen gilt es, die besten Kandidaten zu finden. Dabei ist es für die WISAG und mich als Arbeitgeber wichtig, alle Mitarbeiter unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft zu fördern, ihnen entsprechende Weiterbildungskurse zu ermöglichen und so zum Gesamterfolg des Unternehmens beizutragen." Und es gibt auch die Unternehmen in der Immobilienbranche, die bereits erkannt haben, dass Frauen wichtige Akteurinnen sind. Karl-Heinz Strauss, CEO der PORR AG, sieht einen großen Gewinn in gemischt-geschlechtlichen Führungsriegen. "Frauen bereichern mit ihren Sichtweisen und bringen neue Umgangsformen. Um attraktiv für Frauen zu sein, müssen Unternehmen umdenken, familienfreundlicher werden. In der PORR tragen wir mit flexiblen Arbeitszeiten, einem Eltern-Kind-Büro und vielen weiteren Angeboten den Bedürfnissen unserer PORRianerinnen Rechnung." Wichtig ist am Ende der Diskus, die laufende Auseinandersetzung mit dem Thema und die stetige Arbeit an der Verbesserung - durch Vorbildwirkung, Bewusstseinsbildung und gegenseitige Unterstützung.

Kommentar

Sophie Karmasin:
Systemwandel - Der Schlüssel für einen Systemwandel sind unsere Kinder.

Wir müssen im Kindergarten und der Volksschule ansetzen. Kinder sollen ihren Talenten und Interessen nachgehen können, ohne dass sie jemand in ein Klischee drängt. Dank Bildungskompass geht das in die richtige Richtung.


Isabella Stickler:
Bewusstseinsschaffung bei den Unternehmen ist nötig.

Die österreichische Wirtschaft braucht die fähigsten Menschen – auf ungenutzte Potenziale hochqualifizierter Frauen können wir nicht verzichten! Maßnahmen zur Frauenförderung, wie Quote oder freiwillige Selbstbindung, sind nur ein Schritt in Richtung Chancengleichheit.

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