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Furcht vor dem Abgrund

In Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland stehen Wahlen an - und derzeit erfahren zum Teil eingefleischte EU-Gegner massiven Aufwind. Doch was würde ein Zerfall der EU für die Immobilienwirtschaft bedeuten?

Autor: Charles Steiner

Pfu. Das ist noch mal gut gegangen - aus europäischer Sicht. Trotz anderslautender Prophezeihungen hat Rechtspopulist Geert Wilders in den Niederlanden gerade mal 13 Prozent der Wählerstimmen für sich gewonnen. Obwohl mit Zugewinnen. Es ist aber noch nicht ausgestanden. Nach der Abstimmung zum Brexit blickt nicht nur die Immobilienwelt gespannt, um nicht zu sagen sorgenvoll, nach Frankreich. Denn auch Front National-Kandidatin Marine Le Pen liebäugelt ihrerseits mit einem Frexit. "Nicht auszudenken, was dann passiert", meint Franz Pöltl, Chef der EHL Investment Consulting. Denn er weiß: Sollte Le Pen ihre Drohungen wahrmachen, dann kann sich nicht nur die Immobilienwirtschaft, sondern auch die Wirtschaft generell warm anziehen. Er skizziert: Die Geldschwemme der EZB mit dem Niedrigzins wird sich aufhören, es wird Einschnitte im Wohlstand jedes Einzelnen geben. Meint auch Andreas Ridder, Chairman bei CBRE Austria: "Sowas schadet den Märkten."

13 Prozent. Glückszahl für Europa? Nur soviel hat EU-Skeptiker Geert Wilders bei den Wahlen in den Niederlanden geschafft.

Zusammenbruch wäre GAU

Christian Keuschnigg, er ist Ökonom an der Universität St. Gallen, findet drastischere Worte, sollte der Frexit Realität werden: " Das wäre ein GAU." Einerseits, weil mit Frankreich der EU eines der wichtigsten Kernländer und Gründungsmitglied abhandenkommen würde, und andererseits, weil damit auch ein Zusammenbruch der Eurozone immer wahrscheinlicher werden würde. "Und das wäre eine wirtschaftliche Katastrophe, weil kein einziges EU-Land auf dieses Szenario vorbereitet ist", legt Keuschnigg nach. Damit wäre der Zusammenbruch der Eurozone unkontrolliert. "Die Auswirkungen würden die Finanzkrise von 2008 deutlich übersteigen." Andreas Ridder sieht da direkte Auswirkungen auf die Währungen: "Der Franc oder die Lira würden dann sehr schwach sein, die Deutsche Mark sehr hart." Eine harte D-Mark hätte gravierende Folgen für die deutschen Exporte. Und weil die Situation in Österreich ähnlich ist, wäre das auch für die heimische Wirtschaft "brutal", wie Ridder sagt. Ein Dilemma ist: Jene Länder, die eine konsequente Haushaltspolitik führen, werden es schwer haben, jene, die das nicht tun, leichter. Hinzu kommen noch andere Probleme, die vor allem für die Immobilienwirtschaft von Belang sein könnten, vor allem für jene Unternehmen, die über die Grenzen hinaus agieren. Dort könnten durch ein Zurück in den Nationalstaat rechtliche Hürden auftauchen. Stefan Artner, Partner bei Dorda Brugger Jordis Rechtsanwälte, sieht einen möglichen Frexit kritisch: "Die Kapitalfreiheit würde zumindest für Frankreich wegfallen und rechtliche Belange wie Genehmigungen werden schwieriger. Das wird dem Markt sicher nicht gut tun." Sollte die Eurozone zerbrechen und aufgrund des Frexit eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden, die weitere Länder zum Verlassen der Union veranlässt, käme es allerdings noch schlimmer. Artner: "Dann stellt sich eher die Frage: Was passiert mit Vermögen generell? Was ist Guthaben generell wert?"

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