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Zweitwohnsitze verknappen Grundstücke

GBV sieht Raumordnung gefordert

Autor: Charles Steiner

Im Zuge der Coronapandemie rückt auch das Thema Zweitwohnsitz in die politische Diskussion. Denn: Die Anzahl der Zweitwohnsitze pro Person ist laut einer Mitteilung der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) in Österreich nicht beschränkt. Demnach gebe es laut Statistik Austria rund 1,2 Millionen gemeldete Nebenwohnsitze. Die Coronapandemie hat aber diesbezüglich einen Trend befeuert, der sich auf die gemeinnützigen Bauvereinigungen auswirkt, schreibt die GBV in einer Stellungnahme. Das betrifft besonders den Kampf um leistbare Grundstücke, private Ferienapartmententwickler würden mehr für Liegenschaften bezahlen können als die GBVs.

Eine Folge davon betreffe speziell junge Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger in begehrten Zweitwohnsitzgemeinden, für die es oft schwieriger ist, eine leistbare Wohnung oder ein Haus zu finden. Das, obwohl in vielen Fällen Wohnraum zur Verfügung steht, der allerdings nur wenig bis kaum genutzt wird. Diese seien oft zur Abwanderung gezwungen, dadurch würde, so die GBV, die lokale Wirtschaft wiederum geschwächt. Aber nicht überall.

Die Einstellungen zu Zweitwohnsitzen und Strategien, wie Gemeinden mit diesen umgehen, sind unterschiedlich. Einige sehen sie als Chance, andere als Plage. So gibt es durchaus Gemeinden und Regionen, in denen Nebenwohnsitze nicht (nur) auf Ablehnung stoßen. In Abwanderungsgemeinden sind ev. existierende Zweitwohnsitzabgaben und diverse kommunale Abgaben (obwohl keine vollständige Nutzung vorliegt) ein willkommener Beitrag zum Budget. Ob die Einnahmen aber die Ausgaben in der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur decken, sei eine offene Frage.

Ein weiterer positiver Effekt betrifft den Leerstand. Ein leerstehendes Gebäude ist aus Sicht mancher Gemeinden wohl problematischer als ein wenig genutztes, aber immerhin erhaltenes Gebäude. Eine Revitalisierung leerstehender Althäuser in von Abwanderung betroffenen Gebieten kann ebenso als Vorteil gesehen werden. Nicht zu Letzt können Menschen, die beinahe abwandern und dann doch den Zweitwohnsitz in der Heimatgemeinde belassen, wiederum die potenziellen Rückkehrer von morgen sein.