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Gekommen, um zu bleiben

Am Flughafen Wien macht das "Geschäft Drumherum" bald die Hälfte des Gesamtumsatzes aus - der Multifunktionsmix macht es eben aus.

Autor: Rudolf Preyer

Wollte man den Sachverhalt zuspitzen, könnte man sagen: Flughäfen sind heute Einkaufszentren, Parkhäuser und Bürocenters - mit angeschlossenen Start- und Landepisten. Soll heißen: Das Hauptgeschäft eines Flughafens verlagert sich zunehmend auf Erlöse aus dem Bereich Retail & Properties sowie auf die Sparte Bodenabfertigung. Das ist ein weltweiter Trend - und lässt sich aktuell beispielhaft am Flughafen Wien studieren.

Airport City Vienna

Im Jahr 2016 verzeichnete die Flughafen Wien Gruppe einen Gesamtumsatz von mehr als 741,6 Millionen Euro (ein Plus von 3,0 Prozent). Nahezu die Hälfte davon entfiel auf das Airport-Segment, also das Geschäft mit Airlines und Landetarifen. 17 Prozent machte das Segment Retail & Properties aus, wo im ersten Halbjahr 2017 ein deutliches Wachstum verzeichnet werden konnte: Vor allem bei Miet- und Parkerträgen, aber auch bei Shopping und Gastronomie gab es positive Entwicklungen. Zu 21 % des Gesamtumsatzes trug schließlich die Bodenabfertigung ab, der Rest verteilt sich auf die Beteiligung am Flughafen Malta und sonstige Segmente. Bereits über 230 Unternehmen mit mehr als 20.000 Beschäftigten setzen auf den Flughafen Wien als Betriebsstandort, der rund 22.000 Stellplätze aufweist. Mit Stand September 2017 weist die Airport City Vienna eine Gewerbefläche von rund 140.000 m², ein Office-Angebot von über 100.000 m² Büro- und Conferencingflächen, ein Moxy Hotel, verschiedene Nahversorgungseinrichtungen, wie Supermärkte, eine Apotheke, ein Fitnesscenter, einen 24/7-Post Partner usw. auf. Und wie soll die Airport City in naher Zukunft aussehen?

Architektur ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. ­Gebäude sind nicht mehr reine Designobjekte, ­sondern als wichtiger Beitrag zu einem ressour­cen­schonenden Lebens­wandel zu verstehen. - Heinz Neumann, HNP Architects ZT GmbH

Office Park 4

Zuwachs im Herzen der Airport City. Aufgrund der hohen Nachfrage nach attraktiven Büroflächen am Flughafen wird der neue Vienna Airport Office Park (vulgo Office Park 4) errichtet: Ab dem Jahr 2020 - bis dorthin sollen an die 60 Millionen Euro investiert worden sein - wird dieser mehr als 25.000 m² state-of-the-art Büro- und Conferencingflächen auf zehn Ebenen bieten. Die Büroflächen werden in flexiblen Grundrisslösungen vermietet werden - bis zu zehn Mieteinheiten je Geschoß sind umsetzbar, das entspricht Bürogrößen zwischen 180 m² und 2.300 m². Errichtet wird die Büroimmobilie neben dem Tower an der Einfahrtstraße. Damit befindet sich das neue Objekt im Kerngebiet des Flughafenareals. Die neue architektonische Airport-Landmark wird von HNP architects ZT GmbH geplant und gestaltet - unter der Leitung des renommierten Architekten Prof. Heinz Neumann und seiner Partner Oliver Oszwald und Florian Rode. Entwurfsansatz war, ein Gebäude zu entwickeln, dass neben der prägnanten Form des Towers Bestand hat.

Landmark vor Tower

Zielgruppe des Office Parks 4 sind etwa auch Unternehmen aus den Bereichen IT, Logistics (Kühne & Nagel) und E-Commerce (Titan Machinery). Angesprochen werden sollen aber auch weltweit agierende Konzerne bzw. EU-Institutionen - bekanntermaßen verhandelt die Stadt Wien mit der bislang in London beheimateten Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) -; generell adressiert der Office Park 4 an Brexit-Flüchtlinge aus Großbritannien (die Lage von Wien im Herzen Europas ist einzigartig). Auch Coworking Spaces - der Flughafen versteht sich hierbei als Inkubator - sowie Gastronomie-Einrichtungen wird der Office Park 4 aufweisen. Wolfgang Scheibenpflug, als Standortmanager für die Entwicklung und Vermarktung des Flughafen Wiens als Immobilienstandort zuständig, weist gegenüber dem Immobilien Magazin darauf hin, dass zu den Parkmöglichkeiten des Office Park 4 selbstverständlich auch Elektro-Tankstellen gehören werden. Und Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, ergänzt: "Die leistungsfähige Verkehrsanbindung, beste Telekom- und IT-Konnektivität sowie urbane Infrastruktureinrichtungen machen die Airport City Vienna zum perfekten Betriebsstandort für Unternehmen."

Der neue Vienna Airport Office Park hebt den Immobilienstandort auf ein neues Qualitätsniveau. - Günther Ofner, Vorstand Flughafen Wien AG

Und außerdem?

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 wurden am Flughafen Wien in Summe 61,3 Millionen Euro investiert - der Großteil davon entfiel auf Grundstückskäufe in Höhe von 14,2 Mio. Euro sowie Investitionen für den Ausbau des Air Cargo Center Ost in Höhe von 10,6 Mio. Euro. Der Ausbau des Air Cargo Centers mit einer der größten Photovoltaik-Anlagen Österreichs soll bis Ende 2017 abgeschlossen sein: In der unmittelbaren Flughafen-Nachbarschaft entstehen mit Makita, Cargo Partner und DHL drei neue Betriebsstandorte mit hunderten Arbeitsplätzen in der Region. Der Flughafen Wien wächst also beständig - auch und gerade weil punkto Multifunktionsmix auf die "Geschäftsmöglichkeiten Drumherum" gesetzt wird.

Aktuelle Kennzahlen - Positivtrend hält an

Die Flughafen Wien Gruppe konnte im ersten Halbjahr 2017 ihren Gewinn um 3,4 Prozent auf 357,5 Millionen Euro steigern. Das Nettoergebnis kletterte um 4,4 % auf 60,1 Mio. Euro. Auch das Passagieraufkommen stieg deutlich – am Standort Wien Schwechat um fast 7 % auf 11,2 Mio. Reisende. Kommen noch die Auslandsbeteiligungen Malta Airport und der Flughafen Košice hinzu, zählte die Gruppe rund 14 Mio. Passagiere – bei etwas weniger Flugbewegungen als im Vorjahr, dafür gestiegener Auslastung.