Immobilien Magazin

Gläserner Olymp

Das Büro als artifizieller Lebensraum wird im Film oft zur Bühne für Gesellschaft, Status und den Kampf um Individualität und Erfolg.

Autor: Barbara Wallner

"Büro ist wie Achterbahn fahren - wenn man das acht Stunden am Tag macht, kotzt man irgendwann."

Zugegeben Bernd Stromberg ist nicht nur ein Zyniker und Misanthrop, sondern auch der Inbegriff des schlechten Chefs. Aber tatsächlich ist das Büro ein Ort, wo Menschen zusammenleben, die sich einander nicht ausgesucht haben. Und gerade das macht das Büro hochinteressant für das narrative Genre, sei es Buch, Film oder Serie - denn es ist der perfekte Nährboden für Drama. Das Büro wird gleichzeitig zur Manifestation von Gesellschaftsstrukturen und Hierarchien, Ideologie und Status.

In "Equilibrium" (2002), in dessen Gesellschaft Emotion zum Staatsfeind erklärt wurde, sehen wir John Preston (Christian Bale) an einem Schreibtisch, der bis ins letzte Detail übereinstimmt mit denen seiner Kollegen - bis hin zum Arrangement der Büroklammern. Gleichförmigkeit ist das Ziel und es wird in diesem Büroalltag sichtbar. In einer rebellischen Geste des Individualismus verschiebt der Protagonist seine Utensilien - Büroklammern, Briefbeschwerer, Stift. Es ist ein erster winziger Abnabelungsversuch vom Herrschaftssystem.

Büro als Status

Geradezu gegenteilig stellt sich das Büro etwa in der Anwaltsserie "Suits" (2011 - 2019) dar. Hier ist das Büro der Inbegriff von Status. Während der anwaltliche Nachwuchs in dicht aneinander gereihten Arbeitsnischen klein gehalten wird, wird in der Chefetage Status über Raum etabliert. Der Kampf um das Eckbüro ist oftmals zentrales Thema, wenn es um unternehmensinterne Rivalitäten geht.

Stockwerksnamen

Abteilungen nennen sich gegenseitig beim Stockwerksnamen, damit auch wirklich jeder gleich weiß, wer höher steht. Interessanterweise bietet auch das Chefbüro aber kein Recht auf Privatsphäre - die Götter des Unternehmensrechts bewegen sich für ihre Untertanen gut sichtbar und gleichzeitig unantastbar auf dem Gipfel eines gläsernen Olymps. Ein Ideal, dem es nachzueifern, das es zu beobachten gilt. Auf einer gesellschaftlichen Ebene wird das Büro in "The Wolf of Wall Street" (2013) zum Symbol. Anonym und unbedeutend in der Glitzerwelt der Wallstreet, dann der Superstar des schmuddeligen Schuppens, in dem Pennystocks über Anzeigen in Porno- Magazinen beworben werden - es ist klar, wo Belfort zuhause ist.

Und über lange Zeit trotzt die Bürorealität auch dem schönen Schein seines Unternehmens Stratton Oakmont mit dem edlen Logo: Aus einer Garage heraus telefonieren schmierige Staubsaugervertreter mit potenziellen Käufern und stellen sich allesamt als "Senior Vice President" vor. Als das Unternehmenszuhause in die Obere Etage einer edlen Location gewandert ist, wird klar, dass auch die "Elite" nicht mehr tut, als den schönen Schein vor sich her zu tragen. Denn auch auf dem Vollholzschreibtisch werden billige Prostituierte gevögelt, auf dem glatten Börsenparkett werden Kleinwüchsige aus Kanonen geschossen.

Über das Büro zeigt sich ein Unternehmen der Welt. Was allerdings hinter verschlossenen Türen und edlen Glaswänden vor sich geht, hat mit dem schönen Schein oft nichts mehr zu tun.