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Habt keine Angst

Die re.comm16 wagte in Kitzbühel wieder einen Blick über den Tellerrand für die Branche. Mit interessanten Ansätzen, wie man die Zukunft bewältigen könnte.

Autor: Charles Steiner

Sonst kennt man ja Kitzbühel eher als mondänen Austragungsort des berühmt-berüchtigten Abfahrtsrennen auf der Streif. Dass die Ortschaft auch eine Zukunftswerkstatt ist, hat die diesjährige re.comm bewiesen, bei der hochkarätige Proponenten der Immobilienbranche wichtige Inputs von internationalen Top-Speakern für ihre Arbeit mitnahmen. Denn das A und O der Immobilienwirtschaft ist und bleibt: Man muss über den Tellerrand blicken.

Angst vor der Zukunft

Gewiss: Die derzeitigen Entwicklungen hinsichtlich Digitalisierung und Globalisierung macht den Menschen Angst. Und auch weltpolitisch liegt einiges im Argen. Nicht nur durch den Brexit, der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten oder den nicht endenwollenden Konflikten im Nahen Osten und der daraus resultierenden Flüchtlingskrise. Denn es ist vieles im Wandel. Und es gibt durchaus Anlass zur Beunruhigung. Jeremy Rifkin, Auftaktspeaker fasst folgendermaßen zusammen: "Our ecosystems are collapsing step by step. We are not able to go back - we cannot reverse it - we can just avoid a total catastrophe." Auf Deutsch: "Unsere Ökosysteme brechen Schritt für Schritt auseinander. Wir können nicht zurück und wir können nichts umkehren. Wir können nur eine totale Katastrophe verhindern." Also danach trachten, den Schaden so gering wie möglich zu halten? Eine düstere Vision. Viele Themen des Kongresses beschäftigten sich mit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Themen. "We´ll have slower growth in the economy and also in the population, but enough growth in order to trigger a climate crisis", so Klimaexperte Jorgen Randers zu den Problemen des Klimawandels, der in den 1970er Jahren im Club of Rome an der namhaften Publikation "Das Ende des Wachstums" verdient gemacht hat. Auch Jeffrey Grossman, Professor für Materialwissenschaften am MIT ruft die hochkarätigen Teilnehmer zum Umdenken auf. Dem Experten zufolge baut unsere Gesellschaft darauf auf, dass wir Dinge verbrennen um Energie zu erzeugen. Eines der wesentlichsten Problemstellungen, vor der die westliche Welt heute steht, sind die zahlreichen Flüchtlinge, die durch den Zusammenbruch des Nahen Ostens entstehen. Saskia Sassen, weltberühmte Globalisationstheoretikerin schildert, wie die ausbeutende Wirtschaftspolitik eine neue Art von Flüchtlingen produziert. Sie spricht von jenen Menschen, die durch wirtschaftliche Ausbeutung in dem nun verödeten Land nicht mehr wie gewohnt leben und wirtschaften können. Diese neuen Flüchtlingsfälle würden sich ihren Prognosen zufolge in den kommenden Jahren häufen. Allerdings gebe es zumindest einen Lichtblick in diesen düsteren Zeiten: In Relation zur Weltbevölkerung sind die Flüchtlingsströme nämlich relativ gering. Zudem sei das Gleichgewicht im Laufe der Geschichte immer wieder aufs Neue hergestellt worden.

Wenn Maschinen klug werden

Ein in Science-Fiction-Filmen wie Terminator oft skizziertes Bedrohungsszenario: Was passiert, wenn Maschinen oder Computer uns in punkto Intelligenz den Rang ablaufen sollten? Diesem Thema widmete sich Nick Bostrom, Futurologe, Philosoph und Professor: Wenn technologische Entwicklungen sich weiterhin so entwickeln, dann sind Maschinen bald mindestens so intelligent wie wir Menschen, so Bostrom. Die Gefahr liegt laut dem Futurologen allerdings nicht in dem Fortschritt an sich, sondern in der Kontrolle der künstlichen Intelligenz. Es sei wichtig, genügend Geld in jene Bereiche zu investieren, die uns Menschen vor diesem Kotrollverlust schützen und wenn wir das tun, dann werden wir vorbereitet sein. Ebenfalls ein wichtiges Thema für die Zielgruppe der re.comm, war der Vortrag des 21-jährigen Podcasters und Entrepreneurs Philipp Riederle. Er ist davon überzeugt, dass viele Unternehmen das wahre Ausmaß der Digitalisierung nicht verstehen und in ihren alten Mustern festhängen. Ein Ansatz, den auch Big-Data-Experte Viktor Mayer Schönberger verfolgt. Mit positivem Blick in die Zukunft: "Die Daten selbst sind nicht gefährlich, sondern die Interpretation der Daten. Daher sei Medienkompetenz und ein sorgsamer Umgang mit Datenmengen gefordert." Ob man sich also vor der Zukunft fürchten muss oder sich ihr stellen: Furcht war selten ein guter Ratgeber - und das war im Grunde auch der Tenor der zahlreichen Speaker. Oder wie es Sarah Connor, Protagonistin der Terminator-Reihe in einem der Blockbuster treffend erklärt hat: Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt. Jeder ist seines Glückes Schmied ... "