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Höhenrausch in Oberösterreich

Oberösterreichische Ballungszentren sind vom Zuzug geprägt. In Linz reagiert man mit einer Ausdehnung auch nach oben.

Autor: Stefan Posch

Linz setzt die Wandlung zu einer modernen, offenen, Kultur- und Studentenstadt fort", erzählt Anne Pömer-Letzbor, Geschäftsführerin der City Wohnbau Letzbor GmbH. Denn viele Viertel wurden aus dem Dornröschenschlaf geweckt und die Stadt hat merklich an Attraktivität gewonnen. Das neue Image werde vor allem durch enorme Anstrengungen im Bau von kulturellen Einrichtungen und Universitäten geprägt, erklärt Pömer-Letzbor. Von der Attraktiverung des eher außerhalb gelegenen Campusstandortes der Johannes Kepler Uni und durch den Bau der zentrumsnahen Medizinischen Universität profitiere die Innenstadt und die umliegenden Gebiete sehr. Die gestiegene Attraktivität der oberösterreichischen Landeshauptstadt spiegelt sich auch demographisch wieder. Linz hat seit vergangenem Jahr wieder mehr als 200.000 Einwohner. "Es gibt einen starken Drang in die Stadt", erklärt Pömer-Letzbor. Die gesamte bauliche Veränderung der vergangenen Jahre würde sich jetzt rentieren. In die Breite und Höhe Der Trend geht deswegen, wie in vielen österreichischen Ballungsräumen, in Richtung Verdichtung. "Linz dehnt sich aus, sowohl in die Breite als auch in die Höhe", erklärt Anne Pömer-Letzbor. Das von ihr geführte Unternehmen vermaktet gerade das Wohnhochhaus Lux Tower in Linz. Für das Leben im Tower sieht sie in der Landeshauptstadt eine hohe Nachfrage. Viele würden sich einen Rückzug nach oben wünschen, erklärt Pömer-Letzbor. Ca. 90 von den 126 Wohnungen im Lux Tower seien schon verkauft und das obwohl die Vermarktung erst Ende September startete.

Linz wächst sowohl in die Breite als auch in die Höhe.

Noch moderate Wohnpreise

Auch Hubert Hofmann, Geschäftsführer von Hofmann + Partner, sieht die Stadt an der Donau als einen Hotspot an: "Linz ist eine wirtschaftlich gute Industriestadt mit hervorragenden Betrieben. Wir haben mehr Arbeitsplätze als Einwohner", erklärt Hofmann. Trotz des Zuzugs sind die Wohnpreise verglichen mit anderen Landeshauptstädten wie etwa Salzburg, Wien oder Innsbruck aber noch moderat. 2.655 Euro pro Quadratmeter kostet laut dem aktuellen Immobilienpreisspiegel der WKO eine durchschnittliche Eigentumswohnung im Erstbezug. Durch die Flüchtlingskrise gebe es zwar auch hier eine "Problematik mit der Leistbarkeit des Wohnraums", aber die sei nicht so extrem wie woanders, erklärt Hofmann. "Das liegt daran, dass hier viel Wohnbau gefördert wird", so der Immobilienprofi. Trotzdem würden auch in Linz noch immer zu wenig Wohnungen gebaut werden.

Zinshausmarkt im Aufschwung

Auch Zinshäuser werden in Oberösterreich immer mehr nachgefragt. Kürzlich hat die Hudej Zinshausmakler GmbH einen neuen Standort in der Landeshauptstadt eröffnet. Standortleiter Gerfried Altmüller sieht den neuen Standort des Zinshausspezialisten als "eine sehr gute Ergänzung", nachdem "die Nachfrage sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf ungebrochen stark ist". Der Markt in Oberösterreich sei in diesem Segment noch nicht professionell bearbeitet worden. Darum würden viele Außenstehende glauben, dass nur Linz relevant sei. "Aber die Nachfrage vieler Investoren richtet sich auch auf die Umlandregionen", erklärt Altmüller. "Sämtliche Regionen vom Seengebiet bis ins Innviertel, vom Mühlviertel bis ins Machland sind interessant, überall in Oberösterreich gibt es gute Mieterträge und somit lohnende Renditen", so Altmüller, der von einem stetig steigenden Transaktionsvolumen im Zinshausbereich ausgeht. Der Immobilienprofi sieht dabei eine starke Zunahme an Anfragen aus Wien und den angrenzenden Nachbarländern. Das Transaktionsvolumen im oberösterreichschen Zinshausmarkt beträgt laut Altmüller derzeit etwa 100 Millionen Euro pro Jahr.

Internationale Firmen haben grosses Interesse an Büroflächen.

Hohes Interesse an Büroflächen

Positiv sieht Hofmann auch den Büromarkt in der Landeshauptstadt: Internationale Firmen hätten vermehrt Interesse an Büroflächen, erzählt er. Aber die Größenordnung, die diese Unternehmen fordern, könne der Bestand oft nicht bieten. Die Nachfrage wird deswegen vor allem von Neubauten abgefangen, und in Linz gibt es damit auch einen Trend zu Hochhäusern in der Assetklasse Office. "Man muss in die Höhe gehen, denn Platz ist nur noch wenig vorhanden", sagt Hofmann, dessen Unternehmen im Herbst mit dem Bau des Büroturmes Bulgari Tower starten wird. Internationale Konzerne würden bei der Standortwahl vor allem auf die Infrastruktur schauen, erklärt Hofmann. Wichtig seien öffentliche Verkehrsanbindung, Parkplätze und eine gute Anbindung an die Autobahn. Da das Umland von Linz nicht gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist, seien Büroflächen dort nicht zielführend, erklärt Hofmann. Potenzial für den Immobilienmarkt sieht Hofmann auch in den Ballungszentren Steyr, Wels oder auch in Ried im Innkreis.

Turmbau - Linz wächst gen Himmel

In Zukunft werden immer mehr Hochhäuser das Stadtbild von Linz prägen. Ein Beispiel ist der Wohnturm Lux Tower von City Wohnbau Letzbor auf dem Areal des ehemaligen Linzer Lokalbahnhofs. In dem 76 Meter hohen Turm entstehen 126 Eigentumswohnungen. Ende 2018 soll der Wohnturm fertig gestellt sein. Ende 2019 soll auch der 66 Meter hohe Büroturm Bulgari Tower von Hofmann + Partner stehen. Der Baubeginn erfolgt kommenden Herbst.