Immobilien Magazin

Homeoffice – Zitterpartie für Vermieter?

Homeoffice kam über Nacht. Und kommt an. Immer mehr Büroangestellte finden Arbeiten von zu Hause aus durchwegs attraktiv, allen Unzulänglichkeiten zum Trotz. Werden Büroflächen künftig kaum noch gebraucht?

Autor: Robert Rosner

Vor bald einem Jahr kam für viele Homeoffice buchstäblich über Nacht und für die meisten alles andere als freiwillig. Und die allerwenigsten waren damit glücklich. Kein Wunder, viele Firmen hatten nur bedingt oder gar nicht die geeigneten technischen Voraussetzungen vorbereitet. Die allermeisten Beschäftigten, vor allem die mit kleinerem oder mittlerem Einkommen, verfügten darüber hinaus auch nicht über ein auch nur einigermaßen ausreichendes Platzangebot. Dazu kam, dass ja auch der/die PartnerIn zu Hause war und für viele kam dann auch noch Homeschooling dazu. Das brachte schon mal sogar das WLAN an seine Grenzen, der Küchtentisch war vom Kind, oder mehreren okkupiert, die Mutter arbeitete daneben, mehr oder minder auf den Knien, der Vater am Wohnzimmer-Couchtisch. Perfektes Arbeitsumfeld sieht anders aus.

Dass in den letzten zehn Jahren die durchschnittliche Nutzfläche der fertig gewordenen Eigentumswohnungen auch noch um rund ein Fünftel oder mehr geschrumpft ist, hilft da auch nur wenig. Zwischenzeitig haben sich aber viele bereits mit der neuen Situation - buchstäblich - eingerichtet. Geeignete modulare Möbel kamen auf den Markt, die IT rüstete extrem nach, die Internetbandbreiten auch und dann kommt auch noch der Gewöhnungseffekt dazu.

66 % kommen regelmäßig ins Büro

Aber: Auch nach knapp einem Jahr in der Pandemie scheint das Homeoffice für viele Arbeitgeber noch immer eine Hürde darzustellen: Insgesamt haben nur 38 Prozent aller Unternehmen ihren Büromitarbeiter*innen eine uneingeschränkte Heimarbeit während des zweiten Lockdowns seit November ermöglicht.

Für weitere 21 Prozent ist dies zumindest in einem begrenzten Umfang an einigen Tagen pro Woche möglich. Allerdings geben 27 Prozent der Befragten an, dass Homeoffice trotz einer generellen Bürotätigkeit nicht möglich ist, während neun Prozent die Arbeit von zu Hause verwehrt wird, obwohl diese machbar wäre. Diese Zahlen stammen zwar von einer Umfrage, die Mitte Jänner von Locatee, einem SaaS-Anbieter für Workplace Analytics, gemeinsam mit YouGov in Deutschland durchgeführt wurde, die Situation in Österreich scheint aber nicht anders zu sein, wenn man sich alle diesbezüglichen Wortmeldungen der heimischen Branchenteilnehmer ins Gedächtnis holt und zusammenfasst.

"Trotz der Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, kommen zwei Drittel der Befragten regelmäßig ins Büro", erklärt Thomas Kessler, CEO von Locatee. "Davon 15 Prozent jeden Tag, 27 Prozent mehrmals in der Woche und 24 Prozent zumindest einmal pro Woche. Die Ergebnisse aus der Studie decken sich auch mit den Erfahrungen, die wir aus den Gesprächen mit unseren Kunden gesammelt haben. Der Bedarf nach sozialer Interaktion ist durch den erneuten Lockdown und die Barrieren des Homeoffice stark angewachsen."

In der Tat ist der persönliche Austausch mit dem Team (20 Prozent) einer der ausschlaggebenden Gründe für die Rückkehr in das Büro. Nur die gesteigerte Produktivität schlägt mit (21 Prozent) minimal höher aus. Der Mangel an einer geeigneten Ausstattung für das Homeoffice (13 Prozent) und einem Sicherheitsgefühl im Büro (neun Prozent) bilden hingegen die seltensten Gründe.

Die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften am Büroarbeitsplatz ist essentiell für die erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie. Jedoch geben nur etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten an, dass sich der Arbeitgeber ernsthaft um ihre Sicherheit bemüht und alle Bestimmungen, wie zum Beispiel Abstände einzuhalten und eine Maskenpflicht durchzusetzen, einhält. Dass sich der Arbeitgeber mit den Regeln schwertut, aber versucht, diese einzuhalten, sagen 31 Prozent der Befragten. Immerhin ignorieren lediglich sieben bzw. ein Prozent die meisten oder alle Regeln.

Der Blick auf die Arbeitnehmerseite zeigt, dass sich 25 Prozent der Kolleg*innen die ganze Zeit an die Regeln halten. 52 Prozent befolgen diese meistens, acht Prozent manchmal und sechs Prozent der Befragten ignorieren Regeln manchmal (3 Prozent) oder meistens (3 Prozent).

Nur 60 % der Büros beachten behördliche Schutzmaßnahmen

Die Studie zeigt interessanterweise auch, dass nur 60 Prozent der Büros derzeit die behördlichen Schutzmaßnahmen um setzen. Zumindest setzen drei von vier (73 Prozent) Unternehmen auf die Versorgung mit Masken und Desinfektionsspray. Viele scheinen aber zu glauben, dass mit Desinfektionsmittel, Mindestabstand und Infotafeln bereits alles getan sei, um die Sicherheit der Mitarbeiter*innen zu garantieren.

Zwar ergaben weitere Ergebnisse der Studie, dass jedes zweite Büro (48 Prozent) auf Aufklärung durch Informationsmaterial in Form von Aufklebern am Waschbecken und Infotafeln oder auf ein Verbot für Treffen mit externen Personen am Arbeitsplatz (44 Prozent) setzt, aber vor allem die Nutzung von technischen Hilfsmitteln zeichnet ein besorgniserregendes Bild. Gerade einmal zwölf Prozent der Arbeitgeber haben ihre Mitarbeiter* innen aktiv darum gebeten, die offizielle Corona-App zu installieren und ebenso so wenige Unternehmen nutzen technische Hilfsmittel wie Fiebermessgeräte und Luftfilter.

"Lediglich sieben Prozent verwenden digitale Analyse-Tools, um sicherzustellen, dass sich nicht zu viele Menschen im Büro aufhalten. Dieser Mangel an technischen Lösungen ist zwar beklagenswert, aber zugleich eine große Chance für Unternehmen, sich für die Zukunft des Arbeitens und die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestens aufzustellen", so Thomas Kessler.

60 % lehnen Impfnachweis-Pflicht im Büro ab

Der Einfluss der aktuellen Impfkampagne auf das allgemeine Sicherheitsgefühl im Büro ist aktuell noch überschaubar. Nur sechs Prozent der Befragten gaben an, sich heute schon sicherer zu fühlen. Die Mehrheit (48 Prozent) erwartet erst in den kommenden Wochen und Monaten, dass sich ihr Sicherheitsgefühl verbessert. Für mehr als jeden Dritten (37 Prozent) hat jedoch eine Impfung keinen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden. Dementsprechend sagen lediglich zehn Prozent der Befragten, dass sie aufgrund der Impfungen schneller wieder ins Büro zurückkehren werden. Für die Mehrheit (54 Prozent) spielt das aktuell keine Rolle. Auf die Frage, ob Arbeitgeber nur noch Mitarbeiter*innen mit einem gültigen Impfnachweis im Büro arbeiten lassen sollen, reagiert die Mehrheit (60 Prozent) ablehnend. Nur 16 Prozent sprechen sich dafür aus oder sind sich unsicher (20 Prozent).

Zukunft des Büros fraglich

Mit Blick auf die zukünftige Rolle des klassischen Büros herrscht große Uneinigkeit. 41 Prozent der deutschen Büromitarbeiter erwarten, dass das klassische Büro in den nächsten Jahren Schritt für Schritt durch Homeoffice oder andere Alternativen ersetzt wird. Eine unveränderte Nutzung (wie vor der Pandemie) ist für 30 Prozent das wahrscheinlichste Szenario. Dass das klassische Büro in den kommenden Jahren wieder wichtiger wird, erwarten nur 15 Prozent aller Befragten. Dass Büros als Hauptarbeitsplatz ausgedient haben, glaubt nur ein verschwindend geringer Teil der Menschen: Fünf Prozent halten das klassische Büro jetzt schon für Geschichte.

Interessant hierbei ist, dass sich damit die Erwartungshaltung was die Zukunft des Büros betrifft, gegenüber den normalen Zeiten vor der Pandemie kaum verändert hat. Denn schon vor dem Jahr der großen Veränderungen hatten gar nicht so wenig Menschen erwartet, dass durch Online die klassische Arbeitssituation in Büros absehbar der Vergangenheit angehört.

Büroflächen werden also wohl auch in Hinkunft durch nichts ersetzt werden können und trotz der wohl auch in Zukunft beibehaltenen partiellen Homeoffice- Arbeit auch nicht schrumpfen. Denn auch wenn die Menschen nicht mehr jeden Tag im Büro sein werden, so will gleichzeitig fast jeder auch in Zukunft "seinen eigenen" Schreibtisch als Teil der Identität. Gleichzeitig werden aber weit mehr Meetingflächen benötigt und wohl wird man auch entgegen dem bisherigen Trend weit mehr Abstand zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen halten wollen - auch dann, wenn die Pandemie vorbei ist. Denn dieses Ereignis wird wohl noch länger in den Köpfen der Menschen bleiben.