Immobilien Magazin

Hurra, wir sind alle Gewinner!

Das Intro, von Gerhard Rodler

Es ist nun einmal so: Wir alle wollen die Beliebtesten, die Besten (am besten in jeder Hinsicht), Nettesten, Erfolgreichsten, Klügsten sein – oder wenigstens die Schönsten.

Von letzterem leben gleich mehrere Branchen überall auf der Welt. In besonders kompetitiven Volkswirtschaften vor allem in Asien trägt die Schönheitsbranche bereits ein knappes Fünftel zum Bruttonationalprodukt bei, was verständlich wird, wenn man bedenkt, dass man bei der Schönheit noch am bequemsten – von der Salbe bis zum Skalpell – nachhelfen kann, was bei anderen Bestleistungen etwa auf der Beliebtheitsskala oder anderen Erfolgsparametern schon weit schwieriger wird.

Fakt ist: Ob wir es wollen oder nicht, das Leben ist ein Wettbewerb (das hatte ich auch schon im Vormonat, allerdings aus ganz anderer Perspektive, erkannt). Das hat nichts mit unserer Zivilisation zu tun, sondern ist bekanntlich der – mit Abstand wichtigste – Teil unserer Evolutions-DNA. Nur das schnellste oder stärkste Männchen bekommt das tollste Weibchen (wie ich früher auch schon des Öfteren leidvoll erkennen musste). Das ist so, seit es Leben auf unserem Planeten gibt.

Insofern hat sich die Wirtschaft ganz im Allgemeinen und haben sich die Immobilienplattformen im Besonderen mental seit dem Beginn des Lebens auf unserem Planeten auch nicht wirklich weiterentwickelt: Um zu überleben, müssen sie schneller oder stärker oder in irgendeiner anderen Hinsicht im positiven Sinn herausragend sein, die anderen übertrumpfen.

Gleichheit, Brüderlichkeit, das gab es in Wahrheit nicht einmal an irgendeinem Tag der Französischen Revolution, und in der Wirtschaft stimmten und stimmen das von jeher nur die Looser an. So ist es nun einmal. Insofern ist es nur absolut folgerichtig, dass das erstmals in Österreich zustande gekommene Ranking auf Basis valider Zahlen, Fakten und Daten der Immobilienplattformen zu einem durchaus beachtlichen Gerangel ganz knapp vor Zieleinlauf geführt hat.

Obwohl, das hätte gar nicht so sein müssen. Denn es gibt da noch ein anderes Grundprinzip unserer Evolution: Die (Bio-)Diversität oder auch Artenvielfalt genannt.

Oder, wie mir schon meine Mutter tröstlich mit auf den Weg gegeben hatte: Jeder Topf findet seinen Deckel. Das trifft in gewisser Weise auch auf die Immobilienplattformen zu. Wenn man nur lange genug sucht, ist jeder Bewerber in irgendeiner Dimension beziehungsweise Kategorie ein Sieger, irgendwie besser, schöner, schneller oder einfach nur passender als alle anderen. Weil, das mit dem Topf und dem Deckel trifft natürlich auch zumindest für die meisten der Immobilienplattformen zu. Da muss man nur ein wenig bei der Politik Anleihe nehmen: Am Wahlabend hat jeder Bewerber in irgendeiner Kategorie (die meisten Wählerstimmen bei Bartträgern mit zwei Hunden oder bei allein erziehenden Müttern mit mehr als acht Kindern) irgendetwas beziehungsweise irgendwo gewonnen. Weil wir alle sind irgendwie Gewinner! PS: Einen ganz herzlichen Dank schulde ich Roland Schmid und dem gesamten Imabis-Team, die die Daten im Alleingang mit einem für mich nahezu unvorstellbaren Aufwand erhoben haben. Alle reden von der so dringend nötigen Transparenz. Jetzt haben wir sie und das ist für alle, wirklich alle, sehr wertvoll! «