Immobilien Magazin

„Ich bin ein Bottom-up-Typ“

Roland Pichler, geschäftsführender Gesellschafter der Wohnkompanie, lernte schon früh die Immobilienbranche von innen kennen. Mit der Wohnkompanie setzt er neue Standards.

Autor: Stefan Posch

Die Expo Real in München im Jahr 2014. Schon damals war es die wichtigste Immobilienmesse in ganz Europa. Für Roland Pichler war diese spezielle Expo aber noch einmal wichtiger. Denn er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte ein Treffen, das seine Karriere maßgeblich beeinflussen sollte.

Die Immobilienprojektentwicklung wurde Pichler schon in die Wiege gelegt. Sein Vater hatte damals ein heimisches Bauunternehmen international aufgestellt, das schon früh nach Osteuropa expandiert hatte. "Das war damals in den 80er-Jahren eine Pionierarbeit. Ich habe vieles schon sehr früh mitbekommen und natürlich wird man davon geprägt", erinnert sich Pichler an seine Jugendzeit. Zwischen den 80ern und 2000ern waren in Osteuropa natürlich auch noch andere Margen möglich. "Es hat Goldgräberstimmung geherrscht", so Pichler.

Doch während sein Vater mehr auf der kaufmännischen Seite unterwegs war, interessierte sich Roland Pichler eher für die technische Richtung. So kam es, dass er sich an der TU Wien für das Studium Architektur inskribierte. Aber schon während seines Studiums wurde ihm klar, dass er als Bauherr arbeiten will. "Ich habe parallel zum Studium auch beim väterlichen Unternehmen in der Projektentwicklung arbeiten dürfen. Im Zuge dessen habe ich erkannt, dass meine Stärken eher beim Präsentieren, im Verkaufen und Verhandeln liegen. Ich habe auch gemerkt, dass ich Entscheidungen treffen will, dass ich Auftraggeber sein und vorgeben möchte wie die Gebäude geplant werden sollen."

So stieg Pichler voll in das väterliche Unternehmen ein. "Wir waren in verschiedenen osteuropäischen Ländern, aber auch in Österreich und Deutschland konsultativ tätig, haben aber auch eigene Projekte umgesetzt. Das war eine sehr lehrreiche und interessante Zeit", erzählt Pichler über seine Tätigkeit, bei der er vor allem viel über Hotelprojektentwicklung gelernt hatte.

Rückkehr nach Österreich

Der Umbruch kam 2008. "Aufgrund der Finanzmarktsituation im Allgemeinen und dem Wegbrechen des osteuropäischen Marktes im Speziellen habe ich meinen beruflichen Schwerpunkt zurück nach Österreich verlegt. Ich wollte zudem auch wegen meiner neugewonnenen Begeisterung für den Wohnungsbau den Schwerpunkt verlagern", erzählt Pichler. Aber auch seine familiäre Situation war ein Grund, zurück in die Heimat zu gehen. "Ich habe mit dem Gedanken gespielt, eine Familie zu gründen und das hat dann auch geklappt", so der Vater zweier Kinder. So kam es gerade zur rechten Zeit, dass ein Bekannter aus dem Bauträgerkurs, Pichler zur Immobilientochter der Hypo Niederösterreich nach St. Pölten holte. "Es war auch eine sehr interessante Zeit und eine Möglichkeit das Immobiliengeschäft aus der Bankensicht kennenzulernen", erinnert er sich. Zwei Jahre später tat sich aber eine neue Möglichkeit auf.

„Meine Stärken habe ich eher beim Präsentieren, im Verkaufen und Verhandeln gesehen.“

Aufbau bei der Durst-Bau

"Mich hat der Aufbau einer Bauträgerorganisation bei der Durst-Bau sehr gereizt. Als junger und engagierter Mensch habe ich hier eine reizvolle neue Aufgabe gesehen", so Pichler über seine Motivation für diesen Job-Wechsel. "Wir haben damals klassischen Wohnbau gemacht, auch im Bereich Baurecht. Das ist ein Gebiet, von dem ich sehr viel halte und ich habe bei der Durst-Bau sehr gute Erfahrungen gemacht, auch wirtschaftlich. In Wien wird Baurecht leider noch immer selten angeboten", so Pichler. Deswegen hat auch Die Wohnkompanie noch kein Baurechtsprojekt realisiert. Aber was nicht ist, kann noch werden. "Beim Vertrieb sind Baurechtsprojekte ein immenser Mehraufwand. Für Investoren ist es noch einmal interessanter. Man spart sich das Investment von Grund und Boden", argumentiert Pichler, der den Plan der neuen Regierung begrüßt, das Baurecht in Österreich zu forcieren. Nach einem Wechsel des Eigentümers bei der Mutter Hochtief war der Verkauf der Durst-Bau geplant, welcher leider nicht klappte. In Folge dessen wurde die Geschäftstätigkeit zurückgefahren.

Neue Chancen durch Netzwerken

2014 kam es dann zum entscheidenden Treffen mit dem ehemaligen Kollegen auf der Expo Real in München. "Er hat mir erzählt, wie toll es bei der Zech Gruppe ist, dass man viel gestalten kann und trotz der Konzerngröße schnelle Entscheidungen getroffen werden. Das klang schon sehr reizvoll!", erzählt Pichler. Für Die Wohnkompanie war eine Expansion nach Österreich angedacht und Roland Pichler war der ideale Mann für den Aufbau. "Die Empfehlung zu bekommen, auf den kann man sich verlassen, das hilft schon. Die Zech Group wollte das mit meiner Person machen", so der Immobilienprofi, der sich als Bottom-up-Typ bezeichnet. "Es ist aber nicht nur der Arbeitseifer, es gehört auch Glück dazu. Etwa, wenn man zur rechten Zeit auf der Expo in München wieder einmal einen ehemaligen Kollegen kontaktiert. Es ist ein Mix aus Glück, Eifer, Kompetenz und Netzwerken", so Pichler über die Erfolgsfaktoren seiner Karriere.

Wie alles begann

Pichler hatte einen Businessplan erstellt und rund ein Dreivierteljahr nach der Expo wurde Die Wohnkompanie gegründet. "Dann bin ich zwei Wochen auf Urlaub gefahren. So wie sich das gehört", so Pichler mit einem Schmunzeln. Als er zurückkam, war die Firma auch schon eingetragen und er konnte durchstarten. Vor allem während der Aufbauphase nahm er kaum Rücksicht auf sich. "Das Thema Work-Life-Balance war bei mir in den vergangenen Jahren nicht präsent. Mittlerweile ist das auf dem Weg der Besserung, weil wir die Aufbauphase überwunden haben", so Pichler, der heute mehr Zeit für seine sportlichen Hobbies findet. "Ich wohne in Perchtoldsdorf, da bieten sich sportliche Aktivitäten oder Outdoor-Aktivitäten in den Ausläufern des Wienerwaldes an. Auch sonst mache ich jetzt wieder mehr Sport, etwa Tennis oder Mountainbiking. Im Sommerurlaub gehe ich gerne auch Windsurfen und im Winter Skifahren und Snowboarden. Neuerdings mache ich auch gerne Skitouren. Wir sind schon eine recht sportliche Familie", erzählt er.

„Ich habe Leute, die Freude daran haben, größere Projekte selbstständig abzuwickeln.“

Die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschland und Österreich waren bei der Zusammenarbeit mit der Zech Gruppe nie ein Problem. "Es heißt zwar deutsch ist nicht deutsch, aber die Mentalität zwischen Bremen oder Hamburg und Wien ist eigentlich sehr ähnlich", so Pichler. Auch die Märkte Wien und Hamburg seien gleichartig. Zudem gibt ihm die deutsche Mutter viel Gestaltungsfreiraum. "Die Ziele werden gemeinsam mit mir und meinem Team ausgearbeitet.

Wenn es mehr zu schaffen gibt, freut man sich auch und macht mehr", erklärt er. Pichlers Grundidee war es aber von Anfang an, das Team nicht zu groß werden zu lassen. "Ich habe schlagkräftige und sehr erfahrene Leute, die Freude daran haben, ihre herausfordernden Aufgaben abwickeln zu können." Ein paar seiner jetzigen Mitarbeiter kennt er aus seinen Durst-Bau-Zeiten. "Jetzt haben wir 14 Mitarbeiter und es ist alles gut besetzt," freut sich Pichler. Laut dem Immobilienprofi wurde Die Wohnkompanie auch sehr gut vom Markt aufgenommen.

"Am Anfang habe ich bei Terminen bei Banken, Bauunternehmen oder Projektentwicklern immer wieder die gleiche Geschichte erzählt, weil in Wien die Zech Gruppe kaum jemand kannte und das, obwohl sie in Deutschland eine Riesennummer ist. Wir haben dann auch gezeigt, dass wir liefern können", erzählt Pichler. "Auch bei der Akquisition ist es wichtig, dass man nicht nur sagt, ja, ich kaufe das, sondern, dass man es auch wirklich macht. Und auch in einer kurzen Zeit", ist er überzeugt.

Ein Projekt, das heraussticht ist die Goethegasse 1. "Das hat sich über das Joint Venture von unserem ersten Projekt ergeben. Eigentlich sind wir auf großvolumigen Neubau für das untere bis mittlere Preissegment ausgerichtet", so Pichler. Da fühle man sich am wohlsten und es gebe auch den größten Bedarf in Wien. Bei der Goethegasse hat ein Partner der Wohnkompanie, der dessen Projektmanagementfähigkeiten schon davor schätzen gelernt hatte, gefragt, ob man bei dem Projekt mitmachen wolle. "Es ist ein tolles Projekt in einer Traumlage mit Blick auf den Stephansdom und die Staatsoper. Wir werden uns sicherlich nicht zu Experten im Luxussegment entwickeln, aber es macht Freude so ein Projekt im Portfolio zu haben", so Pichler. "Ende des Jahres werden wir es fertigstellen und hoffentlich auch ausverkaufen."

Expansion geplant

Pichler will sich mit der Wohnkompanie aber nicht nur auf Wien beschränken. "Wir sind jetzt in einer Etablierungsphase und schauen auch, neue Märkte zu erschließen. Es gibt auch schöne und gut funktionierende Märkte in den Bundesländern - unter anderem auch in Hinblick darauf, dass die Möglichkeiten eingeschränkt sind, in Wien Baugrundstücke zu bekommen", erklärt Pichler. Der Immobilienprofi möchte neben den Liegenschaften der Wohnkompanie in Wien und Niederösterreich, auch die Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Salzburg ins Visier nehmen. "Wenn man Zeit und Geld investiert und einen Mitarbeiter auf die Reise schickt, dann erwartet man sich schon, dass bald die ersten Projekte kommen", meint Pichler.

"Erfolg ist ein Mix aus Glück, Eifer, Kompetenz und Netzwerken."

Laut dem Immobilienprofi gibt es aber mehrere Möglichkeiten als Projektentwickler der Baugrundknappheit in Wien entgegenzutreten: "Man kann etwa in die Widmungsprozesse gehen. Das ist aber sehr langwierig und riskant. Eine andere Möglichkeit - die wir aber weniger machen - ist, dass man Projekte teuer vom Mitbewerber kauft. Unsere Stärke ist sicherlich die Akquisition und wir kommen weiter zu Bauland, auch wenn es heute deutlich schwieriger ist."

Die neue Wiener Bauordnung ist laut Pichler nicht der Grund, sich nun auch außerhalb der Bundeshauptstadt umzuschauen. "Wir haben einen anderen Weg eingeschlagen und wagen uns mit Kooperationen auf die Spielwiese der Gemeinnützigkeit und der Wiener Wohnpolitik." Das sei aber in Wahrheit vorher auch nicht anders gewesen. Nun sei es eben konkret verschriftlicht. "Das sind keine Anzeichen für uns, um zu sagen, Finger weg. Uns hat es aber auch nicht am falschen Bein erwischt. Da hat es Mitbewerber gegeben, die das sicher härter getroffen hat."

Priorität Nachhaltigkeit

Schon länger begleitet Pichler das Thema Nachhaltigkeit. Seit zwei Jahren ist Die Wohnkompanie Mitglied der ÖGNI und schon zu Beginn der Durst-Bau-Zeit, als ÖGNI und DGNB das Wohnbaulabel etabliert hatten, wollte Pichler einen Mitarbeiter dort schulen lassen. Aber damals kam man zum Schluss, dass weder Investoren und schon gar nicht der Endkunde den Mehraufwand honorieren würde. "Ich möchte jetzt nicht sagen, dass sich das Bild dramatisch geändert hat, aber ich bin heute in einer Situation als Geschäftsführer und Gesellschafter, in der ich sagen kann, das ist mir wichtig", so der zweifache Familienvater. "Man kann natürlich noch und noch mehr investieren. Aber die Wirtschaftlichkeit muss natürlich trotzdem gegeben sein. Mit gesundem Augenmaß und gezielt eingesetztem Kapital kann man Projekte nachhaltig bauen und trotzdem ein ÖGNI/ DGNB-Zertifikat in Gold erzielen", ist Pichler überzeugt.

Umgang im Geschäftsleben

Pichler kann sich auch ein Zertifikat im Bereich Geschäftsumgang gut vorstellen. Die Wohnkompanie steht laut Pichler für einen professionellen Geschäftsumgang und steht auch zu ihrem Handeln. Daher kann sich Pichler auch ein Zertifikat im Bereich Ethik-Standards im Geschäftsleben gut vorstellen, um unter anderem die Auswahl gleichgesinynter Unternehmen zu erleichtern. "Wir legen großen Wert darauf, einen seriösen und authentischen Umgang mit Geschäftspartnern zu pflegen und schauen immer, dass wir nichts versprechen, was wir nicht halten können."