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IM SINKFLUG

Österreichische Regionalflughäfen kämpfen zunehmend mit sinkendem Passagieraufkommen. Doch das hält die Lilihill Group in Klagenfurt nicht davon ab, eine Milliarde in den Airport zu stecken. Wie sehen das Experten? Und können Gewerbeparks von Bundesländer-Flughäfen überhaupt noch profitieren?

Autor: Charles Steiner

Seit Monaten wurde darüber gerätselt, was mit dem Klagenfurter Flughafen passieren werde, nachdem Lilihill-Boss Franz-Peter Orasch 74,9 Prozent des angeschlagenen Airports gekauft hat. Als dann im Sommer zu einer großen Pressekonferenz ebendort geladen wurde, staunten die Journalisten nicht schlecht. Ein neues Wirtschaftszentrum soll der Flughafen werden, samt angeschlossenem Messezentrum und Logistik-Cluster. Lilihill-Geschäftsführer Karl-Georg Eisner sparte nicht mit Superlativen: "Bis 2024 soll der Airport Klagenfurt der modernste, effizienteste und passagierfreundlichste Flughafen Europas werden." Bis 2030 soll eine Milliarde Euro in den Flughafen gepumpt werden.

Ein ambitioniertes Ziel, wenngleich sich das Land Kärnten und besonders die Stadt Klagenfurt etwas überrumpelt gefühlt haben. Schließlich ist noch kein Beschluss gefallen, dass die Messe Klagenfurt zum Flughafen übersiedeln soll, lediglich eine Machbarkeitsstudie wurde in den Raum gestellt, die im Herbst veröffentlicht werden soll. Man gab sich verhalten positiv, wäre aber, so war zwischen den Zeilen zu lesen, durchaus erfreut, wenn man zu Verhandlungen eingeladen werden würde. Denn abgesprochen mit den Minderheitseigentümern hatte die Lilihill die Pressekonferenz nicht. Musste sie als Mehrheitseigentümerin aber ohnehin nicht.

Ehrgeizig

Und nicht nur die Dimensionen des Flughafens selbst sind hochtrabend, auch die Pläne zum Flugverkehr lesen sich durchaus ehrgeizig. Man wolle das aktuelle Passagieraufkommen, das bei 230.000 Personen bei 3.566 Flugbewegungen jährlich liegt, vervierfachen. Da könnte man es durchaus als Dämpfer verstehen, dass die Austrian Airlines knapp zwei Wochen nach der Pressekonferenz angekündigt hatte, Flüge von und nach Klagenfurt zu streichen. Sind mit solchen Vorzeichen diese Pläne realisierbar? Luftfahrtexperten geben sich da eher skeptisch. Und auch die aktuellen Statistiken der Statistik Austria lassen solche Pläne zu einer Herausforderung werden. Während der Flughafen Wien, ein internationales Drehkreuz, Zuwächse verbuchen konnte, gähnt in den meisten Bundesländer-Flughäfen das Minus. Im Quartalstakt werden Flugbewegungen sowie Passagieraufkommen weniger.

Man fragt sich also, was Lilihill tatsächlich vorhat. Die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten geben sich zu den Plänen sozusagen "neutral", die Zeit, in der Lokalpolitiker sofort aufspringen und "Leuchtturm-Projekt" schreien, scheinen vorerst vorbei zu sein. Und in der Klagenfurter Stadtzeitung, dem offi ziellen Organ der Stadt, kommen die Pläne erst gar nicht vor.

Wieso aber verlieren Regionalflughäfen für Airlines an Attraktivität und können derart hochtrabende Pläne, wie sie in Klagenfurt präsentiert wurden, überhaupt realisiert werden? Der Luftfahrtsachverständige und Airbus-Kapitän Thomas Friesacher ist allerdings skeptisch: "Sicher, das ist ein schönes Projekt, dem Projektentwickler wünsche ich aber viel Glück beim Realisieren." Denn: Europaweit gehe das Hub-Konzept, wie es Lilihill präsentiert hat, eher zurück. Auch die Luftfahrt generell ist im Wandel, sie konsolidiert sich - und das seit Jahrzehnten. Aber nicht nur das: Friesacher zählt mehrere Hürden für das Projekt auf. "Für den Flughafen selbst fehlt eine klare Positionierung. Es ist zwar ein guter Ansatz, die Messe dorthin zu verlagern, allerdings müsste sie, um das Ziel von einer Million Fluggäste zu erreichen, erstens das ganze Jahr bespielt werden und zweitens einen weltweiten Ruf, etwa wie die Cebit in Hannover, genießen." Hinzu kommt noch der harte Kampf der Airlines, immer weniger Player im Linienverkehr sind am Markt. Und ob die Klagenfurt anfliegen, ist fraglich, der Kostendruck ist hoch. "Zwar gibt es etwa die WizzAir, die aggressiv expandiert, sie hat aber ein extremes Yield Management. Wenn die Flieger dann nicht besetzt sind, wird der Standort wieder aufgegeben." Er glaubt auch nicht, dass das angekündigte Ziel bis 2024 machbar ist, allein schon etwaige UVPs könnten so lange dauern. "Ob das Projekt in der Form realisierbar ist, wage ich zu bezweifeln", schließt Friesacher ab.

Wohin mit der Million?

Es gibt aber noch einen anderen Grund, der die angekündigte Million an Fluggästen als eher unrealistisch erscheinen lässt. Die Kärntner Landeshauptstadt hat nicht einmal annähernd die Bettenkapazität, um einen Income in der Größenordnung zuzulassen. In Klagenfurt verweist man aktuell auf 2.440 gewerbliche Betten, in Villach sind es 3.872. Geht es um Outcome, also jene, die von Klagenfurt abfliegen, ist die Einwohneranzahl Klagenfurts und des Umlands zu gering. Klagenfurt allein hat an die 100.000 Einwohner, Kärnten insgesamt 560.000. Die Alterspyramide zeigt kärntenweit ein gewisses Zielgruppenproblem für Flugreisen an. 323.000 sind zwischen 15 und 60 Jahre alt. Man kann also abschätzen, wie viele davon fliegen werden. Es gibt noch ein weiteres Phänomen: Bis 2025 soll die Koralmbahn als Hochgeschwindigkeitsstrecke fertiggestellt sein, mit der sind Fahrzeiten von einer Stunde bis Graz möglich - und dort gibt es bereits einen modernisierten Flughafen.

Generell haben Regionalflughäfen mit sinkenden Passagierzahlen zu kämpfen, auch deswegen, weil es die Airlines selbst schwer haben, gewinnbringend zu arbeiten. Der Trend zu Billigflugreisen bringt Fluglinien in Bedrängnis, weil man versucht, mit Masse statt Klasse die Flugzeuge zu füllen. Und man geht, wie das Beispiel von WizzAir zeigt, sehr rigoros vor. Liefert der Flughafen die erforderliche Passagierkapazität nicht, zieht man schnell wieder ab. Als Airport dann neue Fluglinien anzulocken ist ein harter Kampf. Es geht ums Einzugsgebiet - wo Kärnten wiederum das Nachsehen hat.

Zum Vergleich: Der Flughafen Salzburg verweist auf 1,8 Millionen abgefertigte Passagiere. Sinkende Passagierzahlen sieht man hier nicht, wie eine Anfrage des Immobilien Magazin ergab: "Statistiken - subjektiv betrachtet - mögen vielleicht dieses Bild zeigen, aber die Wahrheit ist doch etwas anders zu verstehen. Die Bewegungen von Flugzeugen und die Zahl der Passagiere auf den Regionalflughäfen variieren immer je nach geopolitischer Lage in Europa. Die Schwankungsbreite liegt zwischen zwei und sieben Prozent, das eine Jahr gehen die Zahlen nach oben, das andere Jahr wieder nach unten", ließ die Pressestelle ausrichten. In der Tat: Seit Jahren liegt das Passagieraufkommen zwischen 1,8 und 1,9 Millionen Passagieren. Und man habe den Ausfall von Flyniki und Air Berlin gut kompensieren können - mit anderen Alternativen.

Aber, gibt man zu: Der Non-Aviation-Bereich wird an Bedeutung zunehmen: "Flughäfen entwickeln sich immer mehr - je nach Infrastrukturellen Möglichkeiten - zu Begegnungszonen, Airport Citys und Erlebnisparks. Diese Entwicklung geht für die Planung der Zukunft auch an den Regionalairports nicht vorbei. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie schnell Projekte umgesetzt werden können. Fakt ist auf alle Fälle, dass dieser Non-Aviation Bereich finanziell für die Flughäfen immer wichtiger wird." Doch auch wenn Lilihill für Klagenfurt von einem Einzugsgebiet von 3,5 Millionen Menschen - Kärnten, Steiermark, Italien und Salzburg - spricht, ob diese Passagiere dann auch den Flughafen Klagenfurt benutzen werden, ist mehr als fraglich. Schließlich gibt in diesen Bundesländern Airports, die auch öffentlich gut angebunden sind.

Mehr Frachtflüge?

Man könnte einerseits durch den Onlinehandel und andererseits durch den Umstand, dass sich in Flughafennähe gerne auch Gewerbeparks ansiedeln, meinen, dass das Frachtaufkommen gestiegen sei. Dem ist allerdings nicht so, zumindest nicht in den Bundesländerflughäfen. Der Frachtumschlag und die Flugbewegungen von Linien- und Charterflügen verzeichnen nur geringe Veränderungen, das große Wachstum bleibt aus. Vielmehr scheint es so zu sein, dass sich Gewerbeparks mehr auf die Anbindung an Autobahnen und Schnellstraßen orientieren. Gregory Zauner, Geschäftsführer von Fischer, Hörnisch Immobilien, relativiert: "Das hängt von den Mietern ab. Große internationale Unternehmen suchen sehr wohl nach Anbindung an Flughäfen, für kleine regionale Unternehmen ist das aber kein Thema." Frachtflüge hätten tatsächlich Luft nach oben, sagt man beim Flughafen Salzburg: "Wir beobachten den Markt mit Argusaugen. Wichtig ist für den Salzburger Raum lediglich, dass Frachtverkehr innerhalb der bestehenden Öffnungszeiten von sechs bis 23 Uhr abgefertigt werden muss und viele Frachtunternehmen Nachtflüge bevorzugen. Das wird es in Salzburg nicht geben, das sind wir unseren Nachbarn und Anrainern schuldig".